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BRD / DDR - Vergangenheit



Portrait doping-opfer-hilfe e.V. (DOH)

>>> doping-opfer-hilfe e.V.-Homepage



die Gründung






Schwerpunktstaatsanwalt Thomas Bardenhagen, Schwerin, im Rückblick:
„Bei den Dopingverfahren tat es mir besonders weh, weil das Verfahren waren, bei denen die Straftaten vielfach erst Ende der 1980 Jahre lagen. Da hatten wir ja oft auch Betroffene mit erheblichen gesundheitlichen Schäden. Das ist ja in den Medien auch ausreichend bearbeitet worden. Da hätte ich es mir gewünscht, wenn wir da ein bisschen länger Zeit gehabt hätten, um hier die Verantwortlichen – seien es Ärzte, seien es Trainer, seien es die auf politischer Ebene – doch noch vor den Kadi zu zerren. Das Material war eindeutig, die Aussagen waren eindeutig. Insofern denke ich, dass da noch eine Reihe von Verurteilungen, ob jetzt in öffentlicher Hauptverhandlung oder auf dem Strafbefehlswege herausgesprungen wären.“
(zitiert nach André Keil 18.10.2014)

Im März 1998 begann in Berlin nach jahrelangen Ermittlungen der erste Doping-Prozess gegen Verantwortliche des DDR-Dopingssystems. Weitere Prozesse folgten bis im Juli 2000 der letzte zu Ende ging, in dem der Präsident des Deutschen Turn- und Sportbunds (DTSB) der DDR Manfred Ewald und der stellvertretende Direktor des Sportmedizinischen Dienstes der DDR, Sportarzt Manfred Höppner, angeklagt waren. Wegen der zu Ende gehenden Verjährungsfrist am 3. Oktober 2000 hatte die Zeit gedrängt, weshalb etliche Verfahren gegen Trainer, Funktionäre und Mediziner gegen Zahlung von Geldauflagen eingestellt wurden. Nebenkläger in den verschiedenen Prozessen waren eine Reihe von schwer dopinggeschädigten Sportlerinnen und Sportlern.

 






Die Gerichtsverhandlungen hatten zwar deutlich gemacht, wie brutal und menschenverachtend das DDR-Dopingsystem funktioniert hatte, insbesondere was das Minderjährigen-Doping betraf, doch Entschädigungen und Hilfen konnten die kranken Dopingopfer nicht erwarten.

Aus dieser Situation heraus gründeten im März 1999 ehemalige DDR-Sportler- und Sportlerinnen gemeinsam mit Juristen, Medizinern und dopingkritischen Personen aus der Wirtschaft den Verein Doping-Opfer-Hilfe e.V.:

"Anlaß zur Gründung war die Tatsache, daß auch 10 Jahre nach der Wiedervereinigung den Doping-Opfern des DDR-Sportsystems von keiner offiziellen, gesamtdeutschen Organisation, sei es aus staatlichem oder sportlichem Bereich, in irgendeiner Weise Hilfe geleistet worden war."

Den Ersten Vorsitz übernahm Dr. Klaus Zöllig, Chirurg, Unfallchirurg, Sportmediziner, den Zweiten Vorsitz Dr. Michael Lehner, Rechtsanwalt. Er vetrat und vertritt bis heute DDR-Dopingopfer vor Gericht. Beide standen dem Verein bis 2013 vor. Im März 2013 übernahm Ines Geipel, ehemalige Sprinterin, Schriftstellerin und Professorin für Verssprache, anerkanntes Doping-Opfer, den Ersten Vorsitz, Thomas Götze, ehemaliger Hammerwerfer, Staatsanwalt, wurde zum Zeiten Vorsitzenden gewählt.

 

Zu den ersten Beiratsmitgliedern gehörten Prof. Dr. Dr.Jens Reich (Mediziner und Molekularbiologe), Hansjörg Kofink (Sportpädagoge, Präsident des Deutschen Sportlehrerverbandes), Prof. Dr. Klaus Müller (Toxikologe, Gerichtsmediziner), Henner Misersky (ehem. Sporthochschullehrer an der TU Ilmenau, ehem. Trainer der Skilanglauf-Juniorinnen der DDR), Chris Carol Bremer (Athletensprecher des Deutschen Schwimm-Verbandes), Karen König (ehem. Schwimmerin der DDR).

Sitz des Verein war bis Ende 2003 Berlin, danach Weinheim bis er 2013 mit der Wahl des neuen Vorstands wieder nach Berlin ging. Ebenfalls nach Berlin umgezogen wurde das Werner Franke- Archiv.

 

Die wichtigsten Aufgaben sieht der Verein darin, Doping geschädigten Sportlerinnen und Sportlern Unterstützung und Beratung zu gewähren. Desweiteren kommt der Dopingprävention eine entscheidende Rolle zu.

>>> DOH-Ziele 1999 bis 2013

>>> DOH-Satzung 2013



Finanzielle Hilfen für Geschädigte



Doping-Opfer-Hilfe-Gesetze



>>> Spitzer, Wunden und Verwundungen

Häufige Dopingschäden:
Muskel-Hartspann, Körperstamm-Akne, Gynäkomastie/Mastopathie, Langdauernde Amenorrhoen, Leberschädigung, Hirsutismus, Stimmvertiefung, Eierstockerkrankungen, Mammacarcinom, Teratogene Schäden, Skelettverformungen, Gefäßerkrankungen

Das wichtigste Anliegen des Vereins war die Anerkennung kranker DDR-Sportlerinnen und Sportlern als Dopingopfer, war die Anerkennung der schweren gesundheitlichen Schäden, die das staatlich verordnete Doping bei vielen verursacht hatte und damit verbunden war auch der Kampf um eine finanzielle Entschädigung. Besonders schwerwiegend waren die Folgen, wenn die 'unterstützenden Mittel' bereits im Kinder- und Jugendalter verabreicht worden waren.





Im Mai 2001 wandten sich 13 Doping-Opfer und der DOH mit einer Petition an der Deutschen Bundestag. Sie forderten u.a. eine Rente für Doping-Opfer und Beratungsstellen in allen Bundesländern.
2001 Petition Doping-Opfer an der Deutschen Bundestag

 

2002 erstes Doping-Opfer-Hilfe-Gesetz

Es war ein mühsamer Kampf mit vielen Hindernissen bis im August 2002 das >>> Doping-Opfer-Hilfe-Gesetz in Kraft treten konnte. Dieses Gesetz sah vor, alle ehemaligen DDR-Sportler, die durch Trainer und Sportärzte oder Sportfunktionäre zur Einnahme von Doping-Mitteln gezwungen oder angehalten worden waren, durch eine Geldsumme aus dem Doping-Opfer-Fond des Deutschen Bundestags zu entschädigen.

Noch im Jahr 2001 waren die Signale aus der Politik für solch eine Entschädigung eher negativ, so dass sich Doping-Geschädigte und der DOH mit einer Petition an den Deutschen Bundestag wandten. Bis dahin hatte der Verein selbsttätig versucht, Gelder zu akquirieren, doch er konnte bis 2001 lediglich 40 000 Mark in kleinen Teilen vergeben, die kaum hilfreich waren. Einiges Geld davon kam von Strafzahlungen (Dopern) aus dem Gerichtsbezirk Erfurt. (Kontraste, 2.8.2001)



Nach Inkrafttreten des Gesetzes sah sich der DOH als Anlaufstelle für die Dopinggeschädigten des DDR-Systems. Er konnte am 15.08.2002 in Berlin seine erste Anti-Doping-Beratungsstelle am Olympiastadion unter Leitung von Birgit Boese eröffnen. Der Deutsche Sport-Bund DSB leistete finanzielle Unterstützung. Damit war eine Beratung und Hilfe der Opfer des DDR-Staatsdopings bei ihrer Antragsstellung auf Entschädigungszahlungen möglich. Anträge mussten bis zum 31. März 2003 beim Bundesverwaltungsamt in Berlin oder Köln eingereicht werden.

Diese Beratungsstelle wurde Ende 2003 aufgelöst, nachdem der Verein seinen Sitz nach Weinheim verlegt hatte. DOH-Mitglieder standen jedoch den Dopinggeschädigten weiter ehrenamtlich als Kontaktstelle und damit für Beratung und Hilfe zur Seite.

 

Wie wichtig der Einsatz des Vereins für eine Doping-Opfer-Hilfe war, zeigt eine Bilanz aus dem Jahr 2007:

Insgesamt wurden 308 Anträge auf Hilfeleistung von Dopingopfern aus der ehemaligen DDR eingereicht. 194 Antragsteller (63%) wurden als anspruchsberechtigt anerkannt, 108 Antragsteller (35%) mussten abgelehnt werden, und sechs Antragsteller (2%) haben ihren Antrag zurückgezogen. Als Ablehungsgründe ergaben sich Verfristungen (17 Fälle), fehlende Mitwirkung (42 Fälle), keine Dopingverabreichung während der Schwangerschaft (21 Fälle) und sonstige fehlende Voraussetzungen wie z.B. nicht ausreichendes fachärztliches Gutachten oder nicht nachgewiesene Zugehörigkeit zum Leistungssport (28 Fälle).

Den 194 Anspruchsberechtigten wurden bis Ende August 2005 von den zur Verfügung stehenden 2.025.00,- Euro, in mehreren Abschlägen und abhängig vom Verfahrensstand - Widerspruchs- und Klageverfahren - insgesamt jeweils 10.438,71 Euro ausgezahlt." (S: 143) (Jahresbericht der Bundesregierung zum Stand der Deutschen Einheit 2006)



 

2016 zweites Doping-Opfer-Hilfe-Gesetz

Mit Einrichtung der Doping-Opfer-Beratungsstelle (s.u.) wurde immer deutlicher, das die Zahl der Opfer wesentlich höher lag, als bislang bekannt. Im Laufe der Jahre zeigten sich bei Sportler/innen immer deutlicher schwere Schäden, die mit dem DDR-Doping in Verbindung gebracht werden können. Viele Athletinnen und Athleten konnten brachten jetzt erst ihre gesundheitlichen Probleme mit ihrer Zeit im Leistungssport in Verbindung.

Der DOH verhandelte lange Zeit mit Bundesministerien und und dem DOSB um weitere finanzielle Entschädigungen für diese Opfer.

2016 hatte er Erfolg.

Im Januar 2016 reichte die Bundesregierung den Entwurf eines zweiten Dopingopferhilfegesetzes an die Länder und Verbände zur Stellungnahme weiter. Es wurde im Juni ohne Änderungen vom Bundesrat angenommen. Das Gesetz wird damit noch im Sommer 2016 in Kraft treten. Die Regierung stellt Doping geschädigten Leistungssportlern und Nachwuchsleistungssportlern der ehemaligen DDR, die noch keine Entschädigung erhalten haben, einmalig je 10.500.- € zur Verfügung.

Das Bundesverwaltungsamt wird den Betroffenen bis zum Inkrafttreten des Gesetzes bereits jetzt alle relevanten Informationen und Unterlagen zum Antragsverfahren an dieser Stelle zeitnah zur Verfügung stellen:

Hilfeleistung für Dopingopfer

 

Im Rahmen der Diskussion um dieses zweite Gesetz ging es auch darum, dass der DOSB sich an den Zahlungen beteiligen sollte. Aus dem Innenministerium kam die Aufforderung, eine gleiche Summe zur Verfügung zu stellen. Im DOSB hatte man dies wohl falsch verstanden, denn es hieß, man wäre der Meinung gewesen, die vom BMI zugesagte Summe sei gemeinsam zu stemmen. Ein neues Angebot kam bislang nicht. (DLF, 15.11.2015)



Entschädigungen DOSB/Jenapharm



DOH 7.12.2006:
Güteverhandlung zwischen Dopingopfern und Jenapharm sowie NOK voraussichtlich im Januar.
Die Aufarbeitung der für das Verfahren bei der ÖRA Hamburg noch notwendigen Unterlagen ist nunmehr abgeschlossen. Unser Anwalts- und Vorstandsmitglied Herr Dr. Michael Lehner hat in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Werner Franke nunmehr für einige exemplarische Fälle die medizinischen Kausalitäten erfasst und wird diese zusammen mit einer umfangreichen rechtlichen Begründung an die Schiedsstelle in Hamburg weiterleiten. Dort könnte dann möglicherweise bereits am 12. Januar ein Gütegespräch zwischen den Beteiligten stattfinden. Wir fordern weiterhin Entschädigung aller Dopingopfer durch Einrichtung eines Entschädigungsfonds, der aus Zahlungen durch Jenapharm und NOK gespeist werden soll.

Im Dezember 2006 gab es einen weiteren Erfolg zu verzeichnen. Doping-Opfer einigten sich mit dem DOSB und Jenapharm auf Entschädigungszahlen. Die in der DDR eingesetzten Dopingmittel wie Anabolika, Wachstums- und Neurohormone, Psychopharmaka, Amphetamine, Herzpräparate und auch Zytostatika, die Gewichthebern gegen weiblich erscheinende Brüste verordnet worden waren, um Brustkrebs zu verhindern, kamen zum größten Teil aus dem Volkseigenen Betrieb (VEB) Jenapharm.





Klaus Latzel:
Staatsdoping: Der VEB Jenapharm im Sportsystem der DDR

"Es ist eindeutig, dass Jenapharm nicht ursächlich für die Errichtung dieses Systems verantwortlich war und im weiteren Verlaufe auch nicht zu dessen treibenden Kräften zählte. Ebenso ist aber aus heutiger Sicht eindeutig, dass der VEB Jenapharm schon durch seine Mitwirkung an diesem System als moralisch mitverantwortlich für dessen teils schwerwiegende gesundheitliche Folgeschäden bei den betroffenen Sportlerinnen und Sportlern gelten muss. Diese korporative Verantwortung des Betriebes oder des Kombinats hebt die individuelle Verantwortung seiner leitenden Wissenschaftler nicht auf."

"Bereits im Dezember 2006 hatten DOSB und Jenapharm in zwei Vergleichen mit den Anwälten der Doping-Opfer eine grundsätzliche Einigung über Schmerzensgeld-Zahlunen in Höhe von insgesamt bis zu rund 3,2 Mio. € erzielt. Seit Anfang 2007 wurde in einem mit den Anwälten abgestimmten Einzelprüfverfahren untersucht, ob die Voraussetzungen für eine Zahlung vorliegen. ... Im Ergebnis der Prüfungen wurden insgesamt knapp 2,9 Mio. € an 157 Personen ausgezahlt. " ... In besonders schwierigen Fällen wurden zudem im Einvernehmen mit den Anwälten der Sportler wissenschaftliche Gutachter hinzugezogen. Aufgrund des Ergebnisses der Einzelfallprüfungen konnten 370.000 € aus den in den Vergleichen zugesagten Mitteln nicht ausgezahlt werden. Dieses Geld soll jetzt für Härtefälle jener DDR-Dopingopfer eingesetzt werden, die sich nach Abschluss der Vergleiche gemeldet haben. Der Doping-Opfer-Hilfe e.V. hat sich dazu bereit erklärt, die Verteilung und Auszahlung dieser Mittel zu übernehmen. Er wird dabei durch einen Beirat unterstützt, dem u. a. Fachleute des DOSB und des Bundesverwaltungsamtes angehören." (DOSB, 11.10.2007, Berliner Zeitung, 14.12.2006)

 



Doping-Opfer-Rente

Wesentlich schwieriger gestaltete sich der Einsatz für eine Doping-Opfer-Rente. Eine politische Einigung kam bis heute nicht zustande. Einige schwerst kranke Dopinggeschädigte gingen vor Gericht und versuchten und versuchen eine lebenslange Rente zu erstreiten. Erste kleine Erfolge sind mittlerweile zu sehen, doch im Großen und Ganzen ist die Lage negativ einzuschätzen.

Die lange Geschichte um eine Rente kann hier nachverfolgt werden:

>>> DDR-Doping-Opfer-Rente - ein Kampf gegen Windmühlen?

 

Die Zahl der Schwerstgeschädigten, für die eine Rente in Betracht kämen, wird vom Verein doping-opfer-hilfe auf 120 bis 150 mit steigender Tendenz geschätzt. Siehe auch diese Zitate aus einem Interview mit Ines Geipel vom 6.7.2013. Die FAZ stellte im Oktober 2014 eine Liste mit Beispielen schwer betroffener Personen zusammen.

 



Die Integrative Dopingopfer-Beratungsstelle ab 2013

Seit Oktober 2013 steht Sportlerinnen und Sportlern aus Ost und West eine neue Beratungsstelle des DOH zur Verfügung. Insbesondere soll sie auch Westsportlern, die mit Doping in Berührung gekommen sind, als Anlaufstelle dienen. Das Bundesinnenministerium unterstützt das Projekt mit jährlich 20 000 €. Gehofft hatte der DOH auf Unterstützung durch Sport-Landesverbände und Landesregierungen, entsprechende Zusagen und Signale, insbesondere aus dem Land Brandenburg, hatte es gegeben. Doch diese Hoffnungen haben sich bislang nicht erfüllt (pnn, 31.5.2014, pnn.de, 9.7.2014). Ines geipel: "2014 haben wir vom DOSB 5000 Euro bekommen, das sind sieben Euro pro Opfer. Das BMI hat 2014 genau 24413 Euro für die Beratungsstelle bezahlt, das sind zwei 450-Euro-Stellen. Also: Der Sport zeigt gar kein Verantwortungsbewusstsein, die Politik ahnt immerhin, dass es so nicht weitergehen kann, überlegt aber noch vor sich hin." (SZ, 21.2.2015) Zitat:

Die Beratungsstelle des DOH steht allen Sportlerinnen und Sportlern offen, gleich welcher Sportart, welchen Alters und welcher regionalen Herkunft. Erkennbar ist die Notlage der durch das staatliche DDR-Sportsystem Geschädigten besonders gravierend, bei ihnen sind zunehmend erhebliche medizinische, psychische, soziale und wirtschaftliche Probleme festzustellen. Viele von ihnen stellen Arbeitsprozess und Arbeitsalltag vor unüberwindbare Probleme, auffallend sind sich häufende Todesfälle nach Krebserkrankungen in einem relativ frühen Alter.

 

Der DOH stellt sich aber auch den Problemen, die das systemische Doping West hinterlassen hat,das für den Bereich der früheren Bundesrepublik durch das Forschungsprojekt des Bundesinstituts für Sportwissenschaft (BISP) festgestellt worden ist. Obendrein hat die Untersuchung der Stiftung Deutsche Sporthilfe aus dem Jahre 2013 über die Dysfunktionen des Spitzensports deutlich gemacht, dass der Athlet von heute bei Problemen wie Doping, Depression, Gesundheitsgefährdung und Manipulation oft allein gelassen wird."









Die Beratungsstelle wird seit 2013 von zwei Mitarbeitern betreut. Dabei können Sie auf eine ehrenamtlich erstellte Datenbank zurück greifen. Innerhalb des Jahres hätten sich 400 ehemalige Sportlerinnen und Sportler aus der DDR beim DOH gemeldet, der Ende 2014 1000 Betroffene vertrete. Voraussichtlich sei von 2000 Dopingopfern, die langfristig Unterstützung bräuchten, auszugehen (FAZ, 1.12.2014).

 

Wie Marie Katrin Kanitz auf der Jahresmitgliederversammlung im Oktober 2014 berichtete, besteht ein großer Bedarf an Beratung und Hilfe auf dem Gebiet der Psychiatrie und Psychologie. Unterstützung sei auch gefragt bei Anträgen nach dem Opferentschädigungsgesetz.

"Bei den Erkrankungen stünden die psychischen wie Depression, Bulimie, Psychosen und Suizidversuche an oberster Stelle, gefolgt von den gynäkologischen bei den Frauen wie Fehlgeburten, Myome und Menstruationsstörungen. Außerdem lägen bei den meisten ehemaligen Athleten massive schwerste Schädigungen von Herz, Kreislauf und Stoffwechsel vor, außerdem Organerkrankungen von Lunge, Niere, Leber, Bauchspeicheldrüse, Darm und Magen. Des weiteren gebe es eine hohe Zahl von Tumor-und Krebserkrankungen sowie, als eine zentrale Erkrankungsgruppe, Schädigungen des Skeletts wie Hüftarthrosen und Prothesen, die auf Extrembelastungen durch Dopingmittelvergabe zurückzuführen sind.

Insgesamt würde die Beratungsstelle gut angenommen. In den meisten Fällen gehe es den Betroffenen trotz ihrer wirtschaftlichen Notlage weniger um eine Entschädigungszahlung, vielmehr stehe bei ihnen die Vermittlung an engagierte und für ihre speziellen Schäden versierte Ärzte im Mittelpunkt. Viele Geschädigte lebten am Existenzminimum." (Protokoll JMV 2014)

 

2015/2016 wurde deutlich, dass immer mehr ehemalige Sportler/innen der DDR sich ihres Dopings während der aktiven Zeit bewusst wurden und dieses mit gesundheitlichen Schäden in Verbindung brachten. Ca. 1000 Personen hatten sich beim DOH gemeldet. Das zweite Dopingopferhilfe-Gesetz trägt diesem Bedarf Rechnung. Im Juni 2016 konnte der DOH zum ersten Mal eine weitere Anlaufstelle für Dopingopfer in Schwerin, Mecklenburg-Vorpommern, anbieten. Rostock und Neu-Brandenburg sollen folgen. (svz.de, 22.6.2016)

 

Zur Entwicklung der Antragsteller-Zahlen siehe die Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN vom 24.9.2018

Drucksache

19/4491, Mögliche Regelungslücken beim Zweiten Dopingopfer-Hilfegesetz

 

Weiterführende Informationen wie Aufgaben, Ziele und Öffnungszeiten der Beratungsstelle sind auf der Homepage des DOH zu finden.

 



Dopingprävention

Dopingprävention gehört seit 1999 zu den wichtigen Zielen des DOH. Allerdings hatte sich dessen Ausgestaltung mangels Möglichkeiten schwierig gestaltet. Der DOSB hatte zwar 2006 versprochen, Dopingopfer in seine Präventionsarbeit an Eliteschulen einzubinden, doch dies fand nicht statt.

Nachdem sich 2007 an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg das Zentrum für Dopingprävention gegründet hatte und mit der Deutschen Sportjugend eine umfangreiche Kooperation eingegangen war, erschlossen sich auch für Dopinggeschädigte entsprechende Aktivitäten. Im Rahmen des dsj-ZDP-Projektes "Sport ohne Doping" ließen sich 2010 Andreas Krieger und Ute Krieger-Krause zu Antidoping-Referenten ausbilden (c4f: dsj-ZDP-Projekt Antidoping-Referenten). Mit dem djk-Sportverband besteht seit 2012 ein enger Austausch (djk, 8.7.2012).

 

Andreas Krieger, Präventionsbeauftragter des DOH wird im Protokoll der JMV 2014 wie folgt zitiert:

Zur Präventionsarbeit sei er über Prof. Dr. Gerhard Treutlein gekommen, der ihn und seine Frau Ute Krieger-Krause zu Anti-Doping-Seminaren der Deutschen Sportjugend (DSJ) eingeladen habe. Dabei sei deutlich geworden, dass man – wie in ihrem Fall als ehemalige DDR-Spitzenathleten - aus eigener Erfahrung des DDR-Doping-Missbrauchs besser und eindringlicher die jugendlichen Zuhörer/Innen erreiche, als wenn man lediglich Theoretiker sei. Inzwischen versuche man, weitere Dopingopfer bzw. DOH-Mitglieder als Referent/Innen in die Präventionsarbeit einzubinden. Außer mit der DSJ gebe es eine sehr gut funktionierende Zusammenarbeit in der Doping-Prävention zwischen DOH und dem Katholischen Sportverband (DJK).

Andreas Krieger und Ute Krieger-Krause haben zudem an Schulungen für Multiplikatoren teilgenommen, denn neben der eigenen Doping-Geschichte stehe bei einer Präventionsveranstaltung eine fachspezifische Behandlung und Weitervermittlung der Doping-Problematik im Mittelpunkt.



2016 verabschiedete die DOH ein eigenes Präventionskonzept:

>>> DOH Dopingprävention

 



der Heidi-Krieger-Preis, die Heidi-Krieger-Medaille - ab 2016 Anti-Doping-Preis

Heidi Krieger, geboren 1965 in Berlin, wurde 1986 Europameisterin im Kugelstoßen in Stuttgart. 1997 entschloss sich Heidi zu einer geschlechtsangleichenden Operation und ist seither als Andreas Krieger bekannt - bekannt vor allem aufgrund seines offensiven Umgangs mit seiner DDR-Dopingvergangenheit als Hochleistungssportlerin und der Offenheit, mit der er sein Schicksal schildert, aber auch weil er nicht müde wird, auf das begangene Unrecht hinzuweisen. Er war Nebenkläger in den Doping-Prozessen und von Beginn an aktives Mitglied des DOH. 2000 stiftete er seine Europameister-Medaille für einen Anti-Doping-Preis.





DOH: Brigitte Berendonk-Franke.
"Brigitte Berendonk-Franke hat in Zusammenarbeit mit ihrem Mann Prof. Werner Franke, Heidelberg, den massiven Einsatz von Dopingmitteln im Spitzensport zuerst aufgedeckt und auch publiziert. Ihrer Initiative verdanken wir die heutige seriöse Diskussion über die Gefährlichkeit des Dopings für Menschen und die formelle Verbannung des Dopings aus dem Sport."
.................................
1969 Berendonk:
Züchten wir Monstren?


1977 Berendonk:
Der Sport geht über den Rubikon


Dieser Preis wurde seit 2000 bis heute insgesamt 8mal vergeben:

 

2016: Yulia Stepanowa

2014: Prof. Dr. Werner Franke

2012: Herbert Fischer-Solms

2009: Johanna Sperling, Henner Misersky, Hansjörg Kofink und Horst Klehr

2007: Anne-Katrin Elbe

2005: Antje Harvey-Misersky

2003: Dr. Giselher Spitzer

2001: Brigitte Berendonk-Franke

2000: Prof. Dr. Christian Strasburger

 

Weitere Informationen siehe unter

doping-opfer-hilfe: Heidi Krieger Preis für engagiertes Wirken gegen Doping



Im Dezember 2007 vergab der DOH einen weiteren Preis, einen Preis für Sportjournalisten, genannt "das Protokoll". Geehrt wurden "die Mitglieder der Sportjournalistenvereinigung "das Netzwerk" für ihre kritische und unerschrockene Berichterstattung zum Thema Doping".

 

Es blieb bei einer einmaligen Verleihung.

 



öffentliche Auseinandersetzungen, Debatten



Trainerdebatte 2008 / 2009






1993 - 2013 Diskussion Dopingaufarbeitung
Hintergrund Texte, Briefe, Petitionen

Im Juli 2008, kurz vor den Olympischen Spielen in Peking, wurde bekannt, dass immer noch ehemalige DDR-Doping-Trainer im Einsatz und Teil der deutschen Olympia-Delegation waren. DDR-Dopingopfer Gerd Jacobs hatte im ZDF die Gelegenheit über sein Schicksal zu berichten. Seine ehemaliger Trainer Werner Goldmann war 2008 Trainer der deutschen Goldhoffnung im Diskuswerfen Robert Hartung und hatte vom DOSB die Erlaubnis mit nach Peking zu fahren, da er die geforderte 'Ehren - und Verpflichtungserklärung' des DOSB unterschrieben und damit versichert hatte, niemals mit Dopingpraktiken in Verbindung gestanden zu haben.

Erstaunlich daran war allerdings, dass über Goldmanns Verstrickungen in das DDR-Dopingsystem viele Informationen offen zugänglich waren und er zudem im September 1999 wie viele andere mit einer Geldbuße belegt worden war. Er hatte 4000.- DM zu zahlen. Zwei ehemalige von ihm trainierte Sportlerinnen hatten damals Strafantrag gegen ihn gestellt. Annette Wolf und Simone Kischnick (Bock) hatten beide vom ihm Oral-Turinabol erhalten, ohne über die gesundheitlichen Gefahren aufgeklärt worden zu sein. Simone Kischnick war noch minderjährig als sie die Anabolika zum ersten Mal bekommen hatte und ist heute anerkanntes Dopingopfer.

 

Beim DOSB und dem DSV fiel man angeblich aus allen Wolken, man habe nichts gewusst. Schnell richtete man eine Kommission ein, die zu dem Schluss kam, Goldmann trotz der Vorwürfe nach Peking schicken zu können, aber man nach den Spielen die Angelegenheit gründlich bearbeiten wolle.

 

Diese Angelegenheit schlug hohe Wellen und führte zu heftigen Reaktionen bei Sportlern, Funktionären und in der Presse. Goldmann wurde gekündigt, klagte aber auf Wiedereinstellung. Am 20. September 2009 gab der DLV auf seiner Spitzensporttagung in Kienbaum bekannt, dass Werner Goldmann ab sofort wieder als Diskustrainer der Frauen arbeiten wird, 2012 gehörte Trainer Goldmann wieder dem deutschen Olympiateam an.

 

Für die DDR-Opfer und damit dem DOH war dies eine aufreibende Zeit. Während sie auf der einen Seite gegen das Vergessen der DDR-Doping-Vergangenheit und für die Unterstützung der Opfer kämpften, wurden die Forderungen auf der anderen Seite, doch endlich unter die Vergangenheit einen Schlussstrich zu ziehen, immer lauter.



Eine Gruppe prominenter DDR-Dopinggeschädigter um Andreas Krieger, Ute Krieger-Krause, Ines Geipel und Uwe Trömer meldeten sich sehr kritisch mit Kommentaren und öffentlichen Erklärungen am 1.3.2009 und am 1.4.2009 zu Wort und kündigten Widerstand bei der Leichtathletik-WM, die vom 15. bis 23. August in Berlin stattfinden würde, mit vielfältigen Aktionen an. "«Als Geschädigte fühlen wir uns dafür verantwortlich, den Sport nicht in den alten Mustern weiterzuführen», sagte die frühere DDR-Sprinterin Ines Geipel in einem Gespräch mit dem «Deutschlandfunk». «Wir wissen, welcher Preis dafür bezahlt wird und wie viele Opfer er erzeugt.»" (dpa, 26.4.2009)

 

Der Doping Opfer Hilfe-Verein wandte sich mit einer >>> Petition an den Deutschen Bundestag, die aufgrund einer Stellungnahme des BMI, in der das Ministerium sich selbst entlastete, im Petitionsausschuss nicht weiter behandelt wurde. (BMI-Stellungnahme zur DOH-Petition)

 

Am 30. Juni 2009 trafen sich Andreas Krieger, Uwe Trömer, Bernd Richter und Ines Geipel mit Vertretern des DOSB wie Thomas Bach und Michael Vesper. Einen Tag zuvor veröffentlichten die Dopinggeschädigten ein Pressemitteilung, in der sie noch einmal ihre Standpunkte und Forderungen darlegten: PM Dopingopfer, 29.6.2009. DOSB-Vize zeigte sich daraufhin verärgert und fand das Vorgehen wenig zweckdienlich, doch später wurde die Atmosphäre des Treffen doch als freundlich bezeichnet. Einige Differenzen wurden ausgeräumt oder zumindest deren Lösung auf weitere Gespräche hin vertagt. In der Problematik der Weiterbeschäftigung dopingbelasteter Trainer gab es jedoch keine Annäherung.

 

Kurze Zeit nach dem Treffen mit dem DOSB, am 6.7.2009 hatten Ines Geipel und Ute Krieger-Krause ein Gespräch mit Christoph Bergner, CDU, aus dem sie nach eigenen Angaben ernüchtert hervor gingen. Hoffnungen, dass die von Ihnen kritisierte 'Medaillenrekord und Sieg-Mentalität' hinterfragt würde, seien enttäuscht worden. "Wir haben immer argumentiert, wir sind nicht das Problem oder eines der Probleme des Sportes, sondern wir sind Teil der Lösung. Für diese Sicht gibt es im Moment wenig Ansprechpartner, dennoch muss man sagen, in dem Gespräch Bach-Vesper konnte man zumindest in einigen Details Offenheit erfahren und was sicherlich der Wert des Gesprächs war, dass Uwe Trömer, Bernd Richter und Andreas Krieger mit ihren konkreten Geschichten, die sie auf den Tisch legten und man schon das Gefühl hatte, dass zumindest Herr Bach und auch Herr Vesper da sehr erreichbar waren. "

Andere Punkte, wie eine Rente für Schwerstgeschädigte, ein Beratungsstelle usw. wurden eher abgeschmettert, so zumindest war das Fazit des Gesprächs mit Bergner.

 



August 2009, Leichtathletik-WM



Für Diskuswerfer Robert Harting, trainiert von Werner Goldmann, geriet dies zu einer Provokation, die er mit aggressiven Äußerungen gegenüber den Dopingopfern kommentierte und die weitgehend in der medialen Öffentlichkeit auf Unverständnis und Widerspruch stießen. Der DLV sah sich zu einer Erklärung veranlasst und kündigte nach der WM Gespräche mit Harting, der sich kurze Zeit darauf den Weltmeistertitel holte, an. Allerdings hat dieses angekündigte Gespräch wohl nie stattgefunden. Harting: ""Es macht auch keinen Sinn, sich wegen der Vergangenheit an einen Tisch zu setzen. Für Kaffeekränzchen habe ich keine Zeit".
Hartings Äußerungen

Interview mit Clemens Prokop

Wie angekündigt nahm der DOH die Leichtathletik-WM in Berlin, August 2009, zum Anlass für weitere Aktionen. Eine Reihe von DDR-Dopingopfern wandte sich mit einem eindringlichen Appel zum Umdenken insbesondere in der Frage der Weiterbeschäftigung von belasteten Trainern an an Innenminister Schäuble. " Es fehlt nicht an traurigen Bilanzen, auch nicht an Ränkespielen, wenn es etwa um arbeitsrechtliche Belange belasteter Trainer geht. Wir fordern Sie noch einmal mit allem Nachdruck auf, Ihre Entscheidung in dieser Causa zurückzunehmen! Das ist ein Irrweg. Doch der kranke Sport braucht mehr noch als diese Revision. Er braucht wirkliche politische Verantwortung, mit einer klaren Haltung und mit Konsequenz. Bitte handeln Sie! Jetzt! " (der Offene Brief vom 12.8.2009)

 

Zudem richteten sie Appelle an das Publikum der WM-Wettkämpfe. Unter dem Motto "Ich will das nicht sehen!" verteilten sie Dopingschutzbrillen und entsprechende Flyer. Diese Aktion geriet durch die Reaktion von Diskusweltmeister Robert Harting zum Eklat. Der DLV sah sich durch den Sportler zwar herausgefordert, doch Konsequenzen gab es keine.

 



DOH-Öffentlichkeitsarbeit u.m. 2013 und 2014

Im März 2013 übernahm Ines Geipel den Vorsitz des Vereins doping-opfer-Hilfe. Damit begann nach 2009 eine weitere offensive Phase, die sich in zahlreichen Pressemitteilungen und Interviews zu aktuellen Themen und Konfliktbereichen ausdrückt.

Der Einsatz für die Dopingopfer-Rente wurde zum Hauptanliegen. Zudem wurde vom DOSB die Umsetzung des bereits 2006 gegebenen Versprechens auf den Einsatz von Dopingopfern in die Doping-Präventionsarbeit eingefordert.

Mehrfach am Pranger stand die mangelhafte Aufarbeitung der DDR-Doping- und Stasi-Vergangenheit und damit auch die unkritische Beschäftigung einiger belasteter Personen in Politik und Sportorganisationen.

Mit einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Merkel 2013 verwies der Verein auf die lange Liste der Doping-Opfer, insbesondere auch an die bereits verstorbenen Athletinnen und Athleten in Ost und West und forderte von Merkel deren Einsatz für eine breite Diskussion um den zukünftigen Weg des Hochleistungssports.

Und die Politik? Es ist eine lange Geschichte um die gefährliche Nähe zwischen Sportprominenz, Funktionären und Politik. Der Jubel in den Stadien dient allen, die zum Bild gehören. Unmittelbar vor dem Endspiel zwischen FC Bayern und Borussia Dortmund im Wembley-Stadion sagten Sie, verehrte Frau Bundeskanzlerin, im ZDF, dass der Sport nicht missbraucht werden dürfe. Tage später wiesen Sie auf der Weltsportministerkonferenz in Berlin Korruption, Wettspielbetrug und Doping in die Schranken. Dabei müsse eine internationale Lösung gefunden werden, verlautbarten Sie. Schon richtig. Auch global steckt der Sport in der Krise.

 

Doch die Frage, was für einen Sport eine Gesellschaft will, und welchen Preis sie bereit ist, dafür zu zahlen, muss auf nationaler Ebene beantwortet werden. Diese Antwort kann nicht weiter verschoben werden, sie würde nur weitere Leben kosten. Denn der Sport in unserem Land weist eine Schadensbilanz auf, die durch nichts mehr gedeckt ist. Und sie wächst chronisch. Die Nachgeschichten des Sports sind all zu oft bitter und alarmierend. Die Gesellschaft jedoch nimmt sie – so sie überhaupt davon erfährt - nur noch achselzuckend zur Kenntnis genommen. Das kann nicht angehen.

 

Ein Wegmoderieren der ausgemachten Dopingkrise im Land sowie der Kollateralschäden im Effizienzkartell Sport, verehrte Frau Bundeskanzlerin, ist nicht mehr hinnehmbar, unter gar keinen Umständen. Was es akut braucht, ist Glaubwürdigkeit und Entschiedenheit, auch von Ihnen. Der Sport in diesem Land ist überfordert, er braucht ein neues Modell. Die zunehmende Zahl seiner Opfer aber braucht endlich konkrete Hilfe. Sie sind mit ihren enteigneten Körpern allein.



Aufmerksamkeit erreichte der Verein doping-opfer-hilfe 2014 anlässlich der Heidi-Krieger-Preisverleihung an Werner Franke mit einem gemeinsam mit der Heinrich-Böll-Stiftung durchgeführten Symposium "Über Doping. Sport als Spiegel der Gesellschaft.". Neben Dopingforscher Mario Thevis (Köln), Mediziner Perikles Simon (Mainz), Kriminologe Dieter Rössner (Tübingen) war als Gastreferent aus den USA Richard Young, Chefjurist der USADA angereist. Ausführlich berichtete er über die Erfahrungen mit dem Balco-Skandal und den Ermittlungen um Lance Armstrong. Die Videos der Beiträge und der Dopingdiskussion sind >>> hier bei youtube anzusehen.

 

Die Pressemitteilingen und der Offene Brief können >>> hier nachgelesen werden.



Am 29. Oktober 2014 konnten sich Ines Geipel, Andreas Krieger und DOH-Pressesprecher Herbert Fischer-Solms in Berlin bei der deutschen NADA mit Travis Tygart, dem Leiter der amerikanischen Doping-Agentur USADA, von dem der Wunsch für dieses Treffen ausgegangen war, austauschen. Tygart äußerte dabei die Hoffnung, eine DDR-Dopinggeschichte auf der Seite der USADA veröffentlichen zu können und bekundete seine Bereitschaft eventuelle Versuche des DOH bei internationalen Gremien wie z.B. der WADA, um finanzielle Unterstützung nachzufragen, zu unterstützen. (dradio, 30.10.2014: Nachhilfestunde mit US-Chefermittler Tygart)







Bericht der Enquete-Kommission „Aufarbeitung von Geschichte und Folgen der SED-Diktatur in Deutschland" 1994:
Vor allem aber bleibt die kaum meßbare Schuld an seelischen Schäden und Verkrümmungen, die Funktionäre und Mediziner den Sportlern zugefügt haben. ...
Es ist, wenn möglich, aus Mitteln von Institutionen der früheren DDR ein Fonds einzurichten, der auf unbürokatische Weise bei Härtefällen Not zu lindern versucht und spezifisch Benachteiligten, für deren Ansprüche es [noch] keine rechtliche Grundlage gibt, hilft. Zu denken ist auch an Opfer des Dopings im DDR-Sport.

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Interview mit Ines Geipel, Stuttgarter Zeitung 17. Oktober 2014, Zitate:

 

Welche Ziele verfolgen Sie mit dem Dopingopfer-Hilfe-Verein?

Der DOH ist eine Institution, die über das Bild konkret Auskunft gibt, was unserer Gesellschaft der Sport wert ist. Wir sind fanatisch, wir jubeln, klar, aber wenn die Medaillen verteilt sind, wenn der Glanz Geschichte ist, dann sieht das Ganze oft nicht mehr so schön aus. Aber der DOH kann nicht Verwalter dieses Bildes sein. Was wir fordern, ist eine andere Idee und eine andere Haltung zum Sport, das heißt auch eine Struktur, die unsere Talente maximal schützen kann.

 

Was machen Sie konkret?

Als Grundlage für diese Forderung haben wir jetzt Hunderte von Fällen systematisch zusammengetragen. Die Entschädigung, die es 2002 nach dem Dopingopfer-Hilfe-Gesetz gegeben hat, war wichtig, aber einmalig. Reichlich 9000 Euro für einen völlig kaputten Körper, das reicht beileibe nicht aus. Wir kämpfen nach wie vor um eine politische Rente für die DDR-Opfer, weil es die Anerkennung staatlicher Willkür bedeuten würde. Bitter, dass sie sich vor den Sozialgerichten heute noch immer anhören müssen: Was? Staatsdoping? So was hat es doch gar nicht gegeben.

 

Und darüber hinaus?

Wir sind dabei, einen Hilfsfonds für Akutfälle aufzubauen, in den vor allem der Sport investieren müsste. Und wir arbeiten am Aufbau einer tragfähigen Nachsorgestruktur. In letzter Zeit melden sich immer häufiger Athleten, die nach 1990 aktiv waren und heute in Not sind. Es geht schon lange nicht mehr um Vergangenheit allein, sondern immer stärker um das Jetzt.



 

Interview mit Ines Geipel, Süddeutsche Zeitung 21. Februar 2015, Zitate:

 

Was fordern Sie konkret?

Im Prinzip geht es um drei Säulen. Zum einen um eine politische Rente als Anerkennung für das, was im DDR-Sport geschehen ist. Das zweite wäre ein Hilfsfonds für Akutfälle. Ich denke da an Roswitha Bonk, die Frau von Gerd Bonk. Sie hat mehr als 30 Jahre lang ihren Mann gepflegt, konnte nicht arbeiten und ist nun, nach seinem Tod, durch nichts aufgefangen – kein Übergangsgeld oder etwas in der Art. Ich denke aber auch an eine frühere Turnerin, die als Zwölfjährige schon Spritzen ins Rückenmark bekommen hat. Sie fragte an, ob sie in ihrer Wohnung einen Lift eingebaut bekommen kann, weil sie mittlerweile völlig bewegungsunfähig sei. Ihre Rente auf Berufsunfähigkeit ist über mehrere Prozesse immer wieder abgeschmettert worden.

...

Und was wäre die dritte Säule?

Da geht es um den Aufbau eines Stabs von Spezialärzten. Mit Kliniken in Greifswald und Schwerin ist das vorbesprochen. Die Dopingopfer brauchen zuallererst Ärzte, die sich mit den Verläufen ihrer vergifteten Körper auskennen. Das sind die drei Säulen, und das müsste jetzt mit Sport und Politik finanziell durchgerechnet werden.

 

An welche Form denken Sie?

An eine öffentlich-rechtliche Stiftung, vergleichbar mit der Contergan-Stiftung.

 

Liegt die Zurückhaltung des Sports womöglich weniger an finanziellen als an prinzipiellen Erwägungen? Dass man sich das volle Ausmaß der Dopinggeschichte nicht eingestehen will?

Die Dopingopfer anzuerkennen, hieße auch, sich der Dopingproblematik in Ost und West ernsthaft zu stellen – auch der von 1989 bis heute. Aber will man das? Wir können durch die Arbeit unserer Beratungsstelle dokumentieren, dass das Doping-Problem eben nicht, wie gerne suggeriert wird, pünktlich 1989/90 aufgehört hat. Inzwischen melden sich Athleten bei uns, die bis 2004 aktiv waren.

...

Das gehört zu dem neuen Sachstand, von dem der DOSB weiß, ihn aber übergeht. Es kommt da nur eine auffällig laute Pause, wenn ich sage: Der Athlet hier war bis 2004 aktiv.

 

Sagen diese Athleten auch, von wem sie die Mittel bekommen haben?

Von ihren Trainern. ... der DOSB ist informiert.

...

Wie bewerten Sie denn die Aufarbeitung der DDR-Sportvergangenheit insgesamt? Erfahren Sie immer noch neue Dinge?

Durch die Berichte der Opfer wird zunächst mal deutlich, was alles noch offen ist. Die Rolle des illegalen Forschungsinstituts FKS in Leipzig vor und nach 1989; die illegalen Menschenversuche im DDR-Sport; die Rolle der DDR-Sportmedizin, die Kontakte zur Westpharmazie. Bei uns haben sich jetzt auch häufiger Athleten gemeldet, die davon erzählten, dass sie in einer Doping-Forschungsklasse waren. Andere berichten, dass in den Achtzigern an ihnen Gendoping, Epo, Wachstumshormone ausgeforscht wurde. Sie erzählen, in welchem Turnus sie nach Leipzig ans FKS gefahren wurden und was man dort im Keller mit ihnen angestellt hat.

 

Bekannt ist hingegen, dass viele belastete Personen von damals heute immer noch im Sport aktiv sind.

Das große Datum für den ostdeutschen Sport war der 3. Oktober 2000. Ab da griff die strafrechtliche Verjährung. Mit dem Tag war alles, was die juristische Aufarbeitung anging, ad acta zu legen – und viele belastete Leute sind ganz gezielt wieder in die Strukturen zurückgerudert.



 

Monika, Januar 2015


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