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Doping, warum bloß?

 

15.08.2002

 

Die Angst vor dem bösen Wolf

 

Doping, das Phänomen im Radsport fasziniert und beschäftigt mich schon seit einiger Zeit. Ich stellte mir auch oft genug die Fragen: Warum greifen ein Großteil der Fahrer zu gesundheitsruinierenden Mittel? Warum riskieren sie in Italien sogar dafür Gefängnisstrafen? Ist es der persönliche Ehrgeiz? Das Streben nach Ruhm und Geld? Einfach Existenzangst, beim Nachlassen der Leistung keinen neuen Job mehr zu bekommen? Eine Sucht? Es waren für mich alles einleuchtende und logische Erklärungen für den Drogenmißbrauch gewesen. Aber ich lag falsch mit meinen Vermutungen. Heute ging mir ein Licht auf, als ich einen Artikel bei radsportnews.com las. Der Titel: R......: "Werfe mich nicht Wölfen zum Fraß vor"

 

Die einleuchtenden Worte von einem kleinen Fahrer, aus einem kleinen, unbedeutenden Land im Nordosten des Kontinents, das schon so viel Leiden und Ungerechtigkeit über sich ergehen lassen mußte und jetzt wieder durch die europäische Großmacht Frankreich erdulden muß, öffneten mir die Augen. Es ist die blanke Angst vor den wilden Tieren. Die Angst von ihnen während des Rennens in irgendeiner wilden und gottverlassenen Gegend zerfleischt zu werden, zwingt sie förmlich verbotene Medikamente zu schlucken, zu spritzen oder sich per Zäpfchen in den Hintern zu schieben. Im Falle von dem kleinen, litauischen Fahrer war es die Furcht vor menschenfressenden Wölfen. Er hoffte vermutlich mit Hilfe der leistungssteigernden Substanzen, die man bei seiner Frau, die in Litauen besser als Lady Di des Baltikums wegen ihrer großen Fürsorge für ihre Schwiegermutter bekannt ist, gefunden hat, bei einem eventuellen Angriff der Bestien in der Wildnis der französischen Alpen schneller in die Pedale treten und flüchten zu können.

 

Andere Fahrer entwickelten andere Methoden, sich vor den Tieren zu schützen. Ein Texaner mit seinem italienischen Wunderdoktor setzt auf die Spinning-Taktik. Sie ist für mich um einiges erfolgversprechender. Er versucht dabei so schnell er kann seine Pedale kreisen zu lassen. Ein Wolf, der sich auf der Jagd befindet und sein Opfer fest im Visier hat, dem muß beim Anblick dieser Trittfrequenz schwindlig werden, dass er orientierungslos gegen den nächsten Felsen oder Baum läuft.

 

Ein italienischer und ein deutscher Rennfahrer versuchen die Schrecken der Wälder mit Augenkontakt in die Flucht zu schlagen. Dafür nehmen sie illegale Drogen aus dem Milieu, Kokain oder Extasy-Tabletten, was ihnen halt zwischen die Finger kommt, erweitern damit ihre Pupillen, bauen sich vor den Wölfen auf, die sehen die unnatürliche Augen, bekommen Angst und ergreifen sofort die Flucht. Eine einfache und geniale Methode.

 

Als Konsequenz nach meinen Erkenntnissen kann es nur eines geben. Die bei den Dopingkontrollen erwischten Fahrer müssen freigesprochen werden. Denn wenn wir ehrlich sind, würden wir anders handeln, wenn wir von bösen, bösen Wölfen bedroht werden. Ich vermutlich nicht, ich würde auch wie der kleine Litauer alles versuchen um zu entkommen. Alles?!? Nein, doch nicht, meine Familie würde ich wahrscheinlich nicht für mich opfern, ich hoffe, dass ich soviel Anstand besitze.

 

Beitrag von Werner


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