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Giro 2002: Ein Fahrer erinnert sich an Tage des Sturms und des Sonnenscheins

 

Gut, der ist vorbei – eine dreiwöchige Tortur. Mein Po schmerzt, meine Knie schmerzen, mein Ellbogen schmerzt, nach einem Sturz, bei dem ich die ganze Haut am Asphalt zurückließ, alles schmerzt. Seit über einer Woche finde ich keinen richtigen Schlaf, meine Nase läuft immer noch auf Grund einer Erkältung, die ich mir wegen dem Mistwetter einfing und ich bin mir nicht sicher, ob ich noch jemals eine Portion Spaghetti herunter bekommen werde. Regen, Regen, Regen und die Kälte – wie kann es nur so kalt sein in Italien und das im Mai?

 

Aber es gab auch sonnige Tage – buchstäblich sonnig und warm. Das Wiedersehen alter Freunde, das erfahren der letzten Neuigkeiten – wer wechselt wohin, wer bleibt bei seinem Team, wer hat geheiratet, wer wurde Vater. Die Freude über den Erfolg der Oldies Heppner und Cipollini. Dann ist da das reine Vergnügen Rennen zu fahren, die Genugtuung, die man empfindet, nicht nur am Giro teilzunehmen sondern ihn auch zu Ende zu fahren.

 

Wenn du meinen Namen im Endklassement suchen willst, dann mußt du ziemlich weit unten in der Liste suchen. Aber ich bin zufrieden mit meiner Leistung – ich war tatsächlich besser, als ich erwartet hatte. Eine Menge Leute werden wieder die Nase rümpfen und sagen, gut, aber ein Feuerwerk hast du nicht gerade abgebrannt, oder? Nein, aber das war auch nicht meine Aufgabe. Ich tat das, wofür ich bezahlt werde: Meinen Kapitän zu unterstützen, ihn die Berge hinauf zu ziehen, ihn aus dem Wind zu nehmen, Bidons, Helme und Regenjacken zu schleppen. Und ich tat meine Aufgabe gut. Er bestätigte es und auch mein Sportdirektor. Das ist meine Belohnung und sie reicht mir.

 

Es gab auch schwarze Wolken über den Giro, überwiegend waren es Dopinggeschichten. Wieso nimmt ein erfolgloser Fahrer eine Droge, die ihm angeblich nützt, und dann fährt er erst recht hinterher? Nimmt ein Fahrer Kokain um seine Leistung zu steigern oder zieht er es nur aus „Spass“ rein – und das während dem zweitwichtigsten Radrennen des Jahres? Ein anderer Fahrer zeigt sein wahres Gesicht, in dem er einen Kollegen absichtlich in die Barrieren drängt und ihn so verletzt, dass er ins Krankenhaus muß? Oder ist er einfach unter dem Druck, den Giro gewinnen zu müssen, zusammengebrochen? Ich kenne nicht die Antworten dieser Fragen, ich glaube keiner kennt sie, außer den Leuten, die involviert sind, ich würde mich nicht wundern, wenn es selbst sie nicht wüßten.

 

Ein bestimmter makaberer Humor entwickelte sich im Feld – Wie viele Minuten wird der Pirat heute in den Bergen verlieren? Welche der Favoriten fliegt als Nächster raus? Und aus welchem Grund? Jedes Mal, wenn bekannt wurde, dass am nächsten Tag einer der Favoriten aussteigen würde, dachten wir alle automatisch: Oh, was hat er genommen, das er versuchte zu verschleiern? Und entweder wurden sie von den Veranstaltern rausgeschmissen oder ihr Team zog sie aus den Rennen zurück – wurden sie gezwungen oder gingen sie freiwillig – was ist der Unterschied? Das Resultat bleibt dasselbe.

 

Die letzten Tage kam die Sonne wieder hervor und alles wendetet sich zum Positiven. Tatsache ist, als alle großen Namen eliminiert waren, wurde es ein spannendes und aufregendes Rennen – ein richtiges Rennen, nicht nur die Krönung eines dominierenden einzelnen Fahrers. Wie konnte „Opa“ Heppner so lange das Rosa Trikot behalten? Wie viele Etappen kann das Chef-Zebra gewinnen? Wie bluteten unsere Herzen für den jungen Cadel Evans – aber wir wußten, dass Rosa Trikot so zu verlieren, wie er es tat, das war für ihn eine wichtigere Erfahrung als dessen Gewinn. Und wer würde am Ende gewinnen – wer würde höher fliegen – der amerikanische Adler oder der italienische Falke?

 

Ja, der Giro ist vorbei und ich bin dankbar für meine Rennpause, die jetzt folgt. Aber ich bin genauso dankbar, dass ich ein Teil dieses skandalösen, sagenhaften, aufregenden und einzigartigen Dramas war – der Giro d’Italia, mit all seinen dunklen Wolken und dem Sonnenschein!

 

Von Tick (Susan Westemeyer, die damit einen der dritten PLätze beim Daily Peloton schreibwettbewerb zum Giro 2002 belegte!)

Übersetzung : Werner

 

 


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