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Radlerprosa



etc. PP - Posers Prosa

Ernstes, Lustiges, Skurriles von Radsportfan Manfred Poser - manipogo



Die Rad-Revolution - „Cycle Revolution“

„Cycle Revolution“ heißt eine Ausstellung im Londoner Design Museum, die im November 2015 eröffnet wurde und Ende Juni 2016 ihre Tore schließt: Exhibition "Cycle Revolution"

 




So ging’s hinein in die Ausstellung



Die Fahrradgeschichte und England: Man neigt ehrfurchtsvoll sein Haupt. Zwar hatten Franzosen das Laufrad des Carl Drais entscheidend weiterentwickelt, doch das echte originale Fahrrad war wohl das „Rover Safety“ von John Kemp Starley und Sutton aus Coventry, das 1885 vorgestellt wurde. Der irische Tierarzt Boyd Dunlop brachte mit dem Luftreifen drei Jahre später den letzten Schliff an.

Eineinhalb Jahrzehnte vorher war der Engländer James Moore der erste Fahrradprofi gewesen. Er gewann 1865 in Paris das erste Bahnrennen und 1869 in Rouen das erste große Straßenrennen der Geschichte. Die Hochrad-Bewegung kam in England zur Blüte, und Fahrer der Insel holten sich jeden denkbaren Rekord. Das Rennen von Bordeaux nach Paris über 560 Kilometer gewann 1891 George Pilkington Mills vor Montague Holbein und Selmyn Francis Edge: alle Engländer.

 




Start zu einem Hochradrennen 1890




Hochradrennen
2012



Die großen Etappenrennen führten zum Nationalismus, die französischen und italienischen Fahrer waren heiß, die Briten arm und weit weg, und so dauerte es bis in die 1960er Jahre, dass ein Engländer wieder von sich reden machte: Tom Simpson, der 1967 dann zugedröhnt vom Rad fiel und nicht mehr aufstieg. 1962 hatte er einmal das Gelbe Trikot der „Tour“ getragen, und 50 Jahre später gewann sie dann sein Landsmann Sir Bradley Wiggins, und Christopher Froome erfreute zwei Mal die britische Radfahrnation. (In den 1990er Jahren waren noch Chris Boardman aktiv und Graeme Obree, „the Flying Scotsman“.)

 

Im Jahr 2000 schrieb Charlie Woods das Buch „Bikie“ und beklagte sich über die englischen Autofahrer; viele seiner Freunde seien auf der Straße gestorben. Acht Jahre später wurde Boris Johnson, ein begeisterter Radfahrer, Bürgermeister von London und setzte sich für das Rad ein. Nun kann man da fahren, es gibt sehr viele Stationen mit Leihrädern (von der Banco Santander) und breite Cycle Highways entlang der Themse. Die schönsten Projekte – etwa ein Radweg auf (!) der Themse – kamen jedoch bis zu Johnsons Abschied im Mai 2016 nicht zustande. Und gefährlich ist das Fahren immer noch, wegen des Autoverkehrs und des Linksverkehrs.

 

Das Design-Museum in der Nähe der London Bridge mit Blick auf die Themse zeigte die Pläne und ließ (in Video-Interviews) englische Fahrradpioniere und –liebhaber zu Wort kommen. Die Ausstellung „Cycle Revolution“ war von hohem Niveau. Schon das Bild am Eingang in die Schau konnte einen begeistern.



Und die ersten Exponate waren das Rad, mit dem Chris Boardman 1992 eine Goldmedaille im Zeitfahren gewonnen hatte, das Rad von Eddy Merckx aus seinem Triumphjahr 1969 und ein Zeitfahrrad von Wiggins aus dem vergangenen Jahr. Natürlich hing da auch das „Rover Safety“.

 




Das Rad von Chris Boardman 1992



Der Renner von Mercks 1969



Sir Bradley Wiggins‘ Zeitfahrrad



Das berühmte „Rover Safety“



Auf Bildschirmen konnte man die Rennen aus der Sicht der Fahrer (mit Kamera am Helm oder am Rahmen) sehen. An einer weiteren Längswand hingen Transporträder jeglicher Art, zusätzlich ein paar kuriose Modelle, die illustrierten, dass das Rad in vielen Menschen Kreativität weckte. Wie baue ich es möglichst klein, praktisch oder schön? Aufgehängt waren Modelle aus Holz und Bambus, aus Karbon und Stahl.

 




Die Wand mit den Transporträdern



Ein Strida SX von 1987



Ein Moulton-Modell 1962



Ein schönes Holzfahrrad



1882 schaffte Keith-Falconer 1000 Meilen in 13 Tagen, als er von Land’s End in Südengland bis hinauf nach Schottland fuhr. Ob man das heute noch riskieren könnte? Wenn man sich länger Zeit ließe, ja. Nach Oxford von London radeln an der Themse entlang wäre schön, 80 Kilometer, aber der Radweg dazu fehlt leider. London allein macht noch keinen Sommer; auch das United Kingdom ist Autofahrerland. Besser könnte es werden, wenn die Briten die Euro-Zone verließen und Boris Johnson Ministerpräsident würde …

 



© Text und Fotos Manfred Poser, Juni 2016


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