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Doping-Geschichte des Radsports



1961 Toen Pierlet, KBWB (Belgien)

Rechtsanwalt Toen Pierlet war 1961 Mitglied des Königlich Belgischen Radsportverbandes KBWB und Vorsitzender der Untergliederung von Brabant. Alarmiert von der hohen Dopingrate unter Sportlern, insbesondere Ratsportlern versuchte er die Radsportwelt wach zu rütteln und eine Änderung der vorhandenen Akzeptanz und Gleichgültigkeit herbei zu führen. Dabei nahm er kein Blatt vor den Mund. Er prangerte insbesondere die hohe Sucht- und Todesrate an, die der Amphetaminmissbrauch unter Radfahren verursachte. Er beschuldigte die Funktionäre im Radsportverband und anderswo, zu helfen, diese 'Schweinerei' zu vertuschen.





Karel Van Assche
Dossier Doping, 1968

Karel Van Assche zitiert aus einem Brief, den Pierlet 1961 an den bekannten Journalisten Karel Van Wijnendaele schrieb und den dieser unter der Überschrift "Wahrheit" veröffentlichte. Pierlet wurde daraufhin vom Verbandsvorsitzenden Arnold Standaerd verwarnt. Am 17. November 1961 hielt Pierlet in Kampenhout-Sas dennoch eine flammende Rede vor versammelter Verbandsrunde mit dem Ergebnis, dass er zum Rücktritt von seinem Vorsitzenden-Amt gedrängt wurde. 1962 wurde er aufgefordert, seinen Mund zu halten. Pieret zog sich enttäuscht vollständig aus dem Verband zurück.

Auch seine Bemühungen, Politiker auf seine Seite zu bekommen, waren fehl geschlagen. Etwas Unterstützung erhielt Pieret von Professor E.J. Ariens von der Universität Nijmegen. Auch dieser stellte eine ernst zu nehmende Entwicklung fest, doch solange von den Verbänden kein klares Für oder Wider zu Doping käme, könne man den Sportlern keine Vorwürfe machen und sie nicht belangen.

 

Die Diskussion war jedoch im Gange, nicht nur in Belgien, die Niederlande und Frankreich konnten sich den Tatsachen nicht mehr verschließen. Am 6.5.1965 trat in Belgien ein Anti-Doping-Gesetz in Kraft, der K.B.W.B. folgte mit entsprechenden Regularien 1967.



Zitate aus dem veröffentlichten Brief, überschrieben mit "Wahrheit"

Es ist bekannt, dass ich mich schon verschiedene Male strikt gegen Doping ausgesprochen habe. Dass ich mich nicht nur auf Sportveranstaltungen sondern auch vor dem Rat des K.B.W.B. mit Nachdruck auf dieses dramatische Problem, das sich in allen Sportlermilieus stellt, hin gewiesen habe. Wenn wir nicht drastisch eingreifen, müssen wir in der Zukunft mit schweren Folgen rechnen.

Wir können nicht nachdrücklich genug darauf hinweisen, dass der Sport sauber sein und bleiben muss. Die Sportler müssen mit ihren natürlichen Voraussetzungen, die ihnen Mutter Natur gegeben hat, versuchen, die bestmöglichen Leistungen zu erzielen. Von diesem Prinzip sollte man nicht abweichen.

 

Radfahrer und andere Sportler haben nicht das Recht, ihre Gesundheit, ihr Familienleben und ihre Zukunft aufs Spiel zu setzen, nur um kurzlebiger und vergänglicher Erfolge willen.

Sponsoren und gewissenlose Fans haben nicht das Recht, nur um ihres eigen Vorteils Willen, ihre Fahrer so zu hetzen, dass sie zu anderen als natürlichem Mitteln greifen.

Man kann nicht zulassen, dass unsere Sportler zu menschliche Wracks werden, nur damit der Name einer Firma auf dem Trikot eines Siegers prangen kann.

 

Wie können wir diese kriminellen Praktiken verhindern und unmöglich machen? Ich spreche von KRIMINELLEN Praktiken, da man damit das Leben junger Menschen verdirbt und ihre Gesundheit zugrunde richtet. Das ist ein krimineller Tatbestand, ein verbrecherischer Anschlag auf das Leben dieser junger Menschen.

 

Damit betrügt man ehrliche Sportler um ein sicheres Einkommen, dass sie nur mit gleichen Waffenwahl verdienen könnten, mit der Einnahme von ... Mitteln.

 

Meiner bescheidenen Meinung nach gibt es nur eine Lösung; wir müssen versuchen, die Betrüger zu bestrafen. Dafür brauchen wir eine Zusammenarbeit von Ministerium, Staatsanwaltschaften und Sportverbänden. Auch braucht es hierzu eine überzeugende Öffentlichkeitsarbeit. Es müssen Aufklärungskampagnen gestartet werden, damit die jungen Sportler die Gefahr kennen.

Es ist bedauerlich, dass man alle dieses Maßnahmen ergreifen muss, damit sich nicht weiterhin diese Dramen mit tödlichem Ausgang ereignen!

 


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