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Doping und Suchtgefahr



de Mondenard: Ist Kokainmissbrauch Doping?

Das folgende Interview erschien am 19.10.2007 auf der Seite escalademag, geführt wurde es von Laurence.

Anlass war die positive Probe des Kletterers Edu Marin auf Kokain 2007.



Zitate:

Man kann zur Zeit auf Internetseiten Bemerkungen wie folgt finden : "Obwohl Kokain auf der Liste der verbotenen Mittel steht, verbessert Kokain die Leistung von Kletterern nicht, es hilft höchstens gegen Müdigkeit." Wie denken Sie darüber?

Kokain ist ein Dopingprodukt, das ganz sicher leistungsverbessernd wirkt, vergleichbar den Amphetaminen. Das weiß man seit Langem (entsprechende Fälle sind seit einem Jahrhundert bekannt). Die Indios verwenden es übrigens seit dem 15. Jahrhundert um ihre physischen Leistungen zu steigern (mehr arbeiten zu können, um gegen die Kälte und den Hunger zu kämpfen, um wach zu bleiben, um zu Fuß auf Reisen gzu gehen…) und nicht um sich zuzudröhnen. Sie hatten sogar eine Entfernungseinheit „Kauen eines Kokablattes“. Das Kokain war zuerst im Ausdauersport, dann im Präzisionssport (wie Basketball oder Baseball) zu finden, da es enthemmend wirkt und das Selbstvertrauen steigert. Es gibt ein Gefühl von Macht, Unverwundbarkeit. Der Athlet fühlt sich unbesiegbar und ist zu sportlichen Dingen fähig, die er ansonsten nicht wagen würde. Kokain hat demnach einen Effekt auf die Einschätzung der Schwierigkeit, auf die Versagensangst, was im Rahmen der sportlichen Tätigkeit ganz sicher von Vorteil ist.

 

Welche Gefahren sind mit dem Kokainkonsum verbunden ?

Alles hängt von der Dosis ab. Es gibt schwerwiegende Effekte (im Fall einer Überdosis) und chronische Effekte (im Fall regelmäßigen Konsums). Im Extremfall: Angina pectoris, Herzrythmusstörungen, Gehirnblutungen, Herzstillstände… Weniger schwere Erkrankungen und klinische Störungen, die bei regelmäßigem Konsum beobachtet werden, sind: Durchlöcherung der Nasenscheidewand, beidseitige Pupillenerweiterung (dauerhaft), Gefühlshalluzinationen (z. B. das Gefühl Insekten auf der Haut zu haben)… Betonen muss man auch noch eine Fötenschädigung im Falle einer Schwangerschaft.

 

Wie lange ist das Mittel bei Kontrollen nachweisbar?

Über die Nase eingenommen wirkt es nach 20 – 40 Minuten. Nachzuweisen ist es zwischen 4 und 72 Stunden danach. Man kann daher annehmen, dass Edu Marin das Kokain sehr kurze Zeit vor dem Wettkampf zu sich genommen hat. Das ist völlig anders bei Cannabis, da dieses noch 10 bis 15 Tage später im Urin nachweisbar und möglicherweise auch bei Passivrauchern zu finden ist, die einfach nur einen Abend mit Leuten verbracht haben, die einen Joint rauchten (wie es der Fall war bei dem Snowboarder Ross Rebagliati 1998, der erst sanktioniert und dann rehabilitiert wurde). Das macht den Kampf gegen Cannabis komplexer (es ist das gegenwärtig im Urin von Sportlern am häufigsten gefundene Mittel). Es gibt hier durchaus den gesellschaftlichen Aspekt aber es ist trotz allem ein Dopingmittel, trotz gelegentlich vorgebrachter anderer Meinungen, denn es verändert die Haltung gegenüber dem Ereignis durch seine Wirkungen auf das Zentralnervensystem (enthemmt, euphorisiert und wirkt Stress entgegen).

 

Dadurch dass Kokain sowohl eine Droge als auch ein Mittel ist welches auf der Dopingliste steht, ist es schwierig zu sagen, wie man den Konsum des Sportlers einzuordnen hat: als Mittel der Leistungssteigerung oder als Partydroge. Soll Ihrer Meinung nach aus ethischen Gründen eine Unterscheidung zwischen diesen beiden Anwendungen erfolgen?

Es lohnt sich sicherlich für den Sportler Partygründe anzugeben (auch für sein Umfeld und seinen Verband). Ich selbst würde keine Unterscheidung vornehmen. Es gibt Regeln, die dem Sportler bekannt sind und die respektiert werden müssen. Es ist für die Instanzen unmöglich zu bestimmen wann der Konsum erfolgte: der Urin kann ihnen nicht sagen ob es zum Feiern oder zum Dopen geschah. Doch es gibt die Tendenz Dopingfälle herabzustufen, die auf Produkte zurückzuführen sind, die in der Gesellschaft konsumiert werden. Zum Beispiel beim Alkohol, wenn sie einen Liter Whisky trinken können sie sich nicht mehr aufrecht halten und Leistung bringen. Andererseits, wenn sie einen Schluck Cognac trinken, wie es die Tennisspielerin Suzanne Lenglen machte, dann wird ihr Schlag präziser! Die Dosis ist gering aber das Ergebnis ist klar ein gedoptes.

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s. a. Jean-Pierre de Mondenard: «De la cocaïne pour avoir la niaque» , 11.6.2008


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