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Radlerprosa



etc. PP - Posers Prosa

Ernstes, Lustiges, Skurriles von Radsportfan Manfred Poser - manipogo



Radsport furios

Titel: 
Radsport furios. 
 
Etappensieger und Wasserträger: Geschichten 
Autor: 
Manfred Poser 
Layout: 
E-Book, 182 Seiten, ohne Abbildungen 
Sprache: 
deutsch 
Verlag: 
Hallenberger Media 
ISBN: 
9783944257112 
Preis: 
4,99 Euro 
Erscheinungstermin: 
13.2.2013 


Von kurios zu furios – ein E-Book über den Radsport


Gern mache ich das nicht, mein neues Buch selber vorzustellen. Aber so ist die Interessenlage schon zu Anfang klar, und wegen meiner Verdienste um cycling4fans darf ich das, und überhaupt: Wer könnte es besser? Hier ist ein Link zu einer

Radsport furios-Leseprobe

 




Die Vorgeschichte geht so: Vor sieben Jahren trat ein junger Mann an mich heran, der in München lebte, Verleger war und sich eine Reihe ausgedacht und sie aufgebaut hatte: „kurios“. Es gab Leichtathletik kurios, Basketball kurios, noch mehr Sportarten kurios, und ich sollte also Radsport kurios schreiben. An die Arbeit! In zwei Monaten habe ich das hingekriegt, Ende Juni 2006 legte ich letzte Hand ans Manuskript, und es war kurioserweise das Wochenende, als Team Telekom Jan Ullrich beurlaubte – kurz vor dem Start zur Tour de France 2006 – und auch andere Stars wie Ivan Basso im Zuge der Fuentes-Affäre Startverbot bekamen.



Das Buch verkaufte sich so einigermaßen, nur hatte ich nichts davon, weil der Kleinverlag mittlerweile pleite gegangen war. Ich glaube, ich habe keinen Cent dafür bekommen. Und nun, Ende vergangenes Jahr, trat erneut ein junger Mann an mich heran, der diesmal in Frankfurt lebte, Verleger war und sich etwas ausgedacht hatte: Ob wir das „alte“ Buch nicht als E-Book verlegen wollten? Klasse! Ich hatte oft gedacht, dass man es aktualisieren und anreichern sollte. In den sechs Jahren seit Erscheinen hatte ich 30 Seiten neues Material gesammelt. Ich überarbeitete das alte Buch und fügte ein Drittel neues Material hinzu. „Kurios“ war ja eigentlich belegt; also wollte ich es „furios“ nennen, und der Vorschlag stieß auf Zustimmung.

 

Nun ist der kuriose Fall eingetreten, dass das dickere, neuere und bessere Buch nur 4,99 Euro kostet und gleichzeitig das alte noch für 12,80 Euro zu erwerben ist. Nur ist das neue eben ein E-Book (wovon der Autor auch mehr bekommt).




Der Autor, wie er im Buch
abgebildet ist



An der Promenade
von
Neufchâtel, 2009



Die Arbeit an der Neuauflage hat richtig Spaß gemacht, obwohl ich, wie es Autoren geht, im Material fast ertrunken wäre und, fast ertrinkend, um mich schlug ... Zeitweise lagen sechs Bücher aufgeschlagen um mich herum, und hier war ein Detail einzufügen, dort etwas zu ergänzen. Natürlich wühlte ich auch wie wild im Internet herum. Schön war es, zu sehen, dass sich die Gliederung bewährte: Jede Geschichte passte in eines der 22 Kapitel.

 

Hatte ich bei Radsport kurios 2006 die Erfahrung gemacht, dass sich die Quellen widersprachen und keine Einigkeit darüber zu erzielen war, wie etwas genau passiert war, so erlebte ich bei Radsport furios 2012, dass die Quellen sich ergänzten und so Anekdoten plötzlich Sinn erhielten.





der junge Jacques Anquetil 1954

Ich erinnere mich etwa an die Geschichte von Jacques Anquetil, der 1964 bei der Tour de France im Nebel tollkühn einen Berg hinunter brauste. Fand ich toll. Jedoch könnte man sich fragen, warum der vorsichtige Anquetil, den alle »Buchhalter« nannten, so etwas tat.

 

In einem anderen Buch und auf der großartigen englischen Radsportseite CyclingRevealed hieß es dann, er sei mit seiner Frau am Abend zuvor in Monaco bei einer Party gewesen mit Zigarren und Champagner, am Tag darauf erklärlicherweise nicht in Form am Anstieg, worauf ihm sein Sportlicher Leiter die Wasserflasche mit Champagner befüllte (der auf dem Rücksitz des Autos lag und eigentlich für die Siegesfeier in Paris gedacht war) und meinte: „Junge, entweder du schaffst es oder nicht.“ Und Jacques brauste los.



Nichts Neues im Westen

Ich finde immer noch, dass kurios (und furios) ein gelungenes Format bietet, und da muss man auch einmal dem Pionier von damals danken, der den Einfall hatte: Tobias Drews. Durch Schnappschüsse und Schlaglichter oft humoristischer Art werden nun Geist und Schönheit des Radsports gefeiert, und solch eine Gesamtdarstellung ist selten. Bücher schildern ja meist die Karriere eines Fahrers, das Profil eines Rennens, den Verlauf einer Disziplin. Aber alle Protagonisten in den 120 Jahren Radsport, wenn wir das Jahr 1891 als Startpunkt nehmen, haben an der Geschichte mitgeschrieben, die an heroischen und unglaublichen Episoden nicht arm ist.





Ein Siegerrad von Fausto Coppi



und Coppis Ausrüstung

Die Betonung liegt auf der Geschichte, auf den großen Namen des Radsports. Von heutiger Sicht aus könnte man rügen, dass Doping zu wenig Platz einnimmt, aber wer hat vor 1998 viel davon gesprochen? Alle großen Fahrer warfen sich irgendwelche Pillen ein, was jedoch das Klassement im Gegensatz zu den 1990-er Jahren nicht völlig durcheinanderwarf. Schlimm war, dass dann die Spritzen aufkamen, und sogar der von mir verehrte Fausto Coppi bat am Ende seiner Karriere (wie im Buch geschildert wird) seinen Kollegen Defilippis, ihm eine herzurichten. Ja, er wollte sich nicht blamieren und um jeden Preis vorn sein und bejubelt werden: Die Versuchung war groß.



Erst nach Fertigstellung las ich das Buch von Tyler Hamilton, das auch auf cycling4fans vorgestellt wurde. Eigentlich hätte es darin noch viel Material gegeben, es ist auch eine packende Lektüre, aber dann findet man es immer abstoßender: Es geht nur noch darum, wann der richtige Tag ist, dem Fahrer den Inhalt seines Blutbeutelchens einzuträufeln. Lance Armstrong hat der Szene viele Jahre seinen Stempel aufgedrückt. Die ganze Automatisierung und der Wahnsinn des Radsports der vergangenen Jahre tragen seine und irgendwie amerikanische Züge. Die Welt ist so geworden. Und zum Doping, was gibt es Neues?





Ein Trikot von
Fausto Coppi



Nostalgie:
Ein Fahrer mit historischer Kleidung: Hans Grether

Die Universität Freiburg wollte nach dem Skandal 2007 ihre Geschichte aufarbeiten und setzte eine „Evaluierungskommission Freiburger Sportmedizin“ ein. Komplizierte Sache, Missverständnisse, Schuldzuweisungen ... jedenfalls wird auf den Bericht immer noch gewartet. Dann gab es die Meldung, dass der Radsport-Weltverband UCI in den Jahren 2009 und 2010 nur mehr rund 3300 Blutkontrollen durchführen hat lassen, verglichen mit 6711 im Jahr 2009. Man hatte Mitte Juni 2010 beschlossen, das Antidoping-Budget von 6,3 auf 3,0 Millionen Euro zu kürzen. Ganz klar: 6 Millionen Euro, 6000 Bluttests; 3 Millionen Euro, 3000 Bluttests. Da ist der Aufklärungswille wohl nicht besonders stark. Kürzen kann der Radsportverband ja vieles, aber Antidoping ..? Man fasst sich an den Kopf.

 

Gerade las ich auch, dass auch der schöne Italiener Mario Cipollini in Verdacht geraten ist, angeblich gab es Blutbeutel von ihm bei Fuentes, und genannt wird das Jahr 2002, das erfolgreichste Jahr von „Re Leone“ mit dem Sieg bei der Straßenweltmeisterschaft. Was sagte Mario als erstes: „Absurde Verdächtigungen. Blödsinn.“ Hatten wir nicht anders erwartet. Ja. Völlig absurd. Aus der Luft gegriffen. Mario? Nie. Nie im Leben. Auch der italienische Radsportverband protestierte sofort. Ihre Ikone soll nicht beschmutzt werden.

 

Aber man hat uns schon so oft belogen. Das Dopen an sich könnte man ja noch verstehen, doch das Üble sind und waren die schäbigen Lügen, dieses Schmierentheater von windigen furchtsamen Leuten oder auch armen Hunden, die sich an ihren Fleischnapf anklammerten. Wer den Mund aufmachte, gehörte nicht mehr dazu, wurde geächtet. Mittlerweile finde ich die Radsportler und ihre ganze verheuchelte Szene nicht mehr der Beachtung wert. Ich will nichts mehr vom Radsport wissen. Radsport furios ist mein furioser Epitaph für ihn, meine Rede an seinem offenen Grab.



 

© Text und Fotos Manfred Poser, Februar 2013


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