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Dopingpraktiken, international



Dopingfälle international - Beispiel Olympische Spiele




Dieser Text ist der Rubrik Dopingkontrollpraxis, -vorfälle 1980 entnommen. Einige der folgenden Zahlen und Informationen stammen aus dem Buch von 'de Mondenard, Dopage aux Jeux Olympiques.



Olympische Spiele 1980 Lake Placid und Moskau



Dr. Arnold Beckett, 1980:
"Not all the blame should be put on the athletes. ... The people behind them should be kicked out.. ... The competition should be between individual athletes, not doctors and pharmalogists. We don't want sports people used as guinea pigs to boost the doctors behind them."

Monique Berlioux, IOC-Sekretärin, 1980:The greatest challenge is "the growing influence of politics in sport and the manipulation of athletes with drugs and the fabrication of an artificial human being."
(Th. Hunt, 2011, S. 64/65)

Von den Olympischen Winterspielen 1980 in Lake Placid wurden keine Dopingfälle bekannt. Insgesamt gab es 440 Kontrollen, 350 davon wurden nur auf anabole Steroide getestet. Es handelte sich dabei um die ersten entsprechenden Kontrollen bei Olympischen Spielen.

 

Auch die Sommerspiele 1980 in Moskau, die von 64 Staaten boykottiert wurden, erbrachten offiziell keine positiven Fälle. Insgesamt wurden 2468 Kontrollen durchgeführt. Getestet wurde 831 (oder 800?) Mal auf anabole Steroide (Doping mit Corticosteroiden und Testosteron fielen noch nicht darunter). Alexandre de Mérode, Leiter der Medizinischen Kommision des IOC frohlockte über die saubersten Spiele seit je. Der Kampf sei gewonnen. Dieses Resultat wurde jedoch schnell infrage gestellt, insbesondere von Dr. A. Beckett, ebenfalls Mitglied der Medizinischen Kommision des IOC. Zum einen wüssten die Athleten und ihre Betreuer längst, dass anabole Steroide in der Trainingsphase vor den Wettkämpfen einzunehmen seien und damit rechtzeitig abgesetzt werden mussten und zweitens gab es keine Tests auf Testosteron. Manfred Donike nutzte lediglich vorhandene Proben der Spiele von Lake Placid und Moskau für entsprechende Analysen zu Forschungszwecken. Dabei galt ein Verhältnis von Testosteron zu Epitestosteron von 1:6 als unterste Grenze zum Doping (heute gilt 1:4). Er stellte fest, dass 10 % der in Moskau kontrollierten Sportler sicher mit Testosteron gedopt waren, möglicherweise waren es sogar 15 bis 20 %. Der Anteil war bei den Frauen etwas höher als bei den Männern. Später ruderte Donike jedoch zurück und meinte, er habe keine Zahlen genannt.

 

Eine australische Regierungsstudie von 1989 bestätigte den hohen Anteil dopender Hochleistungssportler im Jahr 1980 weltweit: "Es gibt so gut wie keine Medaillengewinner der Olympischen Spiele von Moskau, und sicherlich keinen Goldmedaillengewinner ... der nicht das eine oder andere Dopingmittel (drugs) eingenommen hatte: gewöhnlich sogar mehrere. Die Moskauer Spiele können sehr wohl Chemiespiele genannt werden." (Studie 'Drugs in Sports, 1989, zitiert nach Th. Hunt, 2011) Thomas Hunt zitiert auch Andrew Jennings, dem ein KGB-Colonel berichtet hatte, dass drei als sowjetische Antidopingfunktionäre getarnte KGB-Spitzel dafür gesorgt hätten, dass sowjetische Athleten ebenso wie schwedische und ostdeutsche Athleten, nicht mit positven Proben aufgefallen sind. (A. Jennings, The new Lords of the Rings').

David Jenkins, britischer Mittelstreckenläufer, ab 1980 selbst Produzent und Händler anaboler Steroide (verurteilt 1988), gestand von 1975 bis 1980 in Vorbereitung auf die Olympischen Spiele mit anabolen Steroiden gedopt zu haben.

1981 bzw. 1989 gestanden Kaarlo Maaninka, Goldmedaillengewinner über 5 000 und 10 000 Meter und Alexander Antipov, dass sie mit Bluttransfusionen fit gemacht worden waren. Diese Methode stand aber 1980 noch nicht auf der Verbotsliste.

 

1983 konnte Manfred Donike Wachstumshormone (Somatropin) in seinen Analysen finden. Er äußerte die Vermutung, dass das Mittel sowohl im Osten als auch im Westen längst bekannt sei und angewandt werde, auch schon zu den Spielen von Moskau.



Olympische Spiele 1984 Sarajewo und Los Angeles



Zitat aus der
NZZ, 4.7.1984

NZZ, 19.5.1984:
"Robert Kerr kam als aktiver Rugbyspieler bereits vor knapp zwanzig Jahren mit anabolen Steroiden in Berührung. Zwölf Jahre lang verwendete er das Schweizer Produkt «Dianabol», ungünstige Neben- oder Nachwirkungen will er keine festgestellt haben. Daraus zieht er den Schluss, dass bel massvoller und medizinisch vorgeschriebener Anwendung der Steroide keinerlei negative Auswirkungen zu befürchten seien. Eine imposante Anzahl von Sportlern, darunter Olympia-Athleten aus über einem Dutzend Ländern und Weltrekordinhaber, hat Kerr Vertrauen geschenkt - nicht zuletzt deshalb, weil unter Anleitung des kalifornischen Arztes die entsprechenden Dopingtests anstandslos passiert wurden, in Caracas und anderswo. Wer allerdings glaube, anabole Steroide auf eigene Faust verwenden zu müssen, gefährde die eigene Gesundheit aufs schwerste, betont Dr. Kerr. Zahlreiche Sportler, vor allem in Kraft-Disziplinen (Gewichtheber, Kugelstößer, Diskus- und Hammerwerfer), wollen die Stärkung der Muskulatur nicht geduldig abwarten sondern schlucken Präparate in grossen Mengen. Dass dabei Nierenschäden und andere Nebenwirkungen auftreten, sei so nahelirgend wie die Entstehung von Magengeschwuren bei ungezügeltem Gebrauch von Aspirin, meint Kerr."

Thomas Hunt, 2011:
Der amerikanische Sport stand unter hohem politischem Druck (Roanld Reagan). Einerseits sollte offiziell nicht gedopt werden, andererseits mussten sie im Interesse der 'freien' Welt gewinnen, insbesondere gegenüber der Sowjetunion.
Mike Fraysse, US Cycling Federation, verantwortlich für das Blutdoping-Programm: "We've been looking into this stuff for years and years and years. We weren't gonna fall behind the Russians or East Germans any more."

1982 kam Testosteron auf die IOC-Dopingliste, da ein Nachweisverfahren zur Verfügung stand (ein Testosteron/Epitestosteron-Verhältnis über 1:6 galt als Doping). Für Koffein wurde der Grenzwert, ab denen Sportler als positiv gewertet wurden, niedriger gesetzt.

 

Bei den Winterspielen in Sarajewo wurden 424 Kontrollen durchgeführt. Ein Athlet der nordischen Disziplinen wurde positiv auf anabole Steroide getestet (de Mondenard, 1996). Der finnische Langläufer Aki Karvonen gab 1985 zu mit Bluttransfusionen gearbeitet hatte.

 

Die Sommerspiele in Los Angeles wurden im Gegenzug zu Moskau 1980 von 37 Staaten boykottiert. Auch hier fand somit der Wettstreit zwischen den politischen wichtigsten Ost-West-Blöcken nicht statt.

Während der Sommerspiele 1984 in Los Angeles gab es insgesamt 1507 Kontrollen. 12 positive Fälle (11 Männer, 1 Frau) wurden festgestellt: Ein Volleyballer auf Ephedrin, 7 Sportler mit Nandrolon, 2 mit Metenon. Zahlreich waren beantragte Ausnahmegenehmigungen für Medikamente: 119 Mal betraf es Beta-2Agonisten, 67 Coricosteroide, 45 Mal Lokalanästhetika, 18 Mal Beta-Blocker.

Als gedopte Athleten wurden bekannt: der japanische Volleyballer Mikiyasu Tanaka wurde Ephedrin nachgewiesen, da dies hatte aber ein Masseur zu verantworten hatte, erging keine Sanktion; die griechische Speerwerferin Anna Verouli wurde mit Nandrolon und der finnische 10 000m-Läufer Maritti Vainio mit Metenon positiv getestet; beim Schweizer Markus Ryffel wurden Corticosteroide gefunden, die aber von seinem Arzt Segesser entschuldigt wurden, denn der Sportler habe wegen eines zuvor erlittenen allergischen Schocks aufgrund einer Infusion mit Vitaminen und Mineralien medizinisch mit Cortison versorgt werden müssen; der französische Hochspringer Franck Verzy wurde wegen eines Schmerzmittels, das er wegen akuter Kniebeschwerden erhalten hatte, aus dem Wettbewerb genommen.

6 weitere positive Fälle mit anabolen Steroiden betrafen 5 Gewichtheber und 1 Ringer. Die Gewichtheber waren der Schwede Göran Pettersson, der Libanese Mahmoud Tarha, der Algerier Ahmed Tarbi, der Österreicher Stefan Laggner und der Grieche Serafin Grammatikopoulos, bei dem Ringer handelte es sich um den Schweden Thomas Johansson.

 

Vor den Spielen wurde in Westdeutschland sorgte der positive Test des Bahnradfahrers Gerhard Strittmacher für Aufregung. Er wurde aus dem olympischen Aufgebot herausgenommen ebenso wie US-Diskuswerfer Ben Plucknett und US-Speerwerfer Duncan Atwood, die wegen anaboler Steroide im Vorfeld der Spiele, nicht aufgestellt worden. Mehr Glück hatte der spätere Goldmedaillengewinner des Straßenrennens Alexi Grewal aus den USA, der eine Woche zuvor positv mit Ephedrin aufgefallen war, dessen Entschuldigung aber akzeptiert wurde.

 

Der Kanadier Ben Johnson gestand später während der Durbin-Untersuchungen nach dem Skandal 1988, dass er bereits seit 1981 gedopt gewesen sei, somit auch in Los Angeles. 1992 wird bekannt, dass die niederländische Diskuswerferin Ria Stalman ihre olympische Goldmedaille mit anabolen Steroiden, die sie seit Jahren nahm, erreicht hatte. Zudem war sie kurz vor den Spielen an der amerikanisch-mexikanische Grenze mit 800 Anabolika-Tabletten aus der Veterinärmedizin erwischt worden und hatte eine Strafe zahlen müssen.

Auch die US-amerikanische Sprinterin Diane Williams gab zu, sich für die Olympia-Qualifikation mit Anabolika gedopt zu haben. Ihre Trainerin Pat Connolly ergänzte noch um Wachstumshormone. Zudem sei sie während der Spiele positiv getestet worden. Diese Resultate wurden aber nach Auskunft des IOC nicht weiter verfolgt, da die Ergebnisse nicht eindeutug gewesen seien.





der Spiegel, 27/1985:
"Aus einem US-Trainingslager im Olympiajahr 1984 wurde inzwischen eine Frankensteinsche Szene bekannt: In einem Zimmer des Motels Ramada Inn in Carson (Kalifornien) ruhten im Doppelbett ein Bahnradler und ein Verwandter. Ein Arzt kontrollierte die Bluttransfusion an den Athleten.
Sieben Olympiastarter nahmen nacheinander Blut auf, John Beckman von seiner Frau. Vier, darunter Steve Hegg und Leonard Nitz, erkämpften in Los Angeles Medaillen. Drei behandelte Fahrer brachen ein. Mark Whitehead klagte: "Ich wurde krank und ruinierte mich für die Olympischen Spiele."

Viel Aufmerksamkeit erregten die Aussagen des Radteamarztes Thomas B. Dickson, die von anderen Funktionären bestätigt wurden. Er gab an, dass das US-amerikanische Radteam, darunter die Medaillengewinner Steve Hegg, Leonard Harvey Nitz, Pat McDonough und Rebecca Twigg, Bluttransfusionen erhalten hatten. Aber auch das italienische Schwimm-Team soll entsprechend behandelt worden sein, enthüllte Aronne Anghileri, Journalist bei La Gazetta dello Sport, allerdings soll sich dies negativ auf die Leistungen ausgewirkt haben, die Schwimmer hatten versagt.

Ein Licht auf den verbreiteten Anabolika-Konsum im Gewichtheben warfen die Fälle des britischen Gewichthebertrainers Anthony Fitton, der 1982 und 1984 mit anabolen Steroiden festgenommen wurde, des deutschen Olympiasiegers von Los Angeles Karl-Heinz Radschinsky im Gewichtheben (bis 75kg), dem ebenfalls Handel mit Anabolika nachgewiesen wurde (s.o.) sowie des Finnen Pekka Niemi, Olympiasieger 1984 im Gewichtheben (bis 100kg), der wegen Kaufs illegaler Anabolika vor Gericht stand.

 

Wie wenig aussagekräftig die Testresultate während der Wettkämpfe waren, zeigt z. B. das Ergebnis des vorolympischen Testprogrammes des US-amerikanischen Olympischen Komittees (USOC). Um positive Fälle zu vermeiden, wurden alle US-amerikanischen Sportler und Sportlerinnen, die zur Auswahl standen, auf verbotene Substanzen kontrolliert. Dabei sollen nach Aussagen des USOC insgesamt 86 Athleten mit verbotenen Substanzen aufgefallen sein. Insgesamt sollen 19 Medaillengewinner, darunter auch Carl Lewis, im Vorfeld der Olympischen Spiele positv getestet worden sein (BBC, 18.4.2003, cyclingnews, 29.4.2005). Ursprünglich habe die USamerikanische Seite versucht beim IOC durch zu setzen, dass keinerlei Tests während der Spiele stattfinden.

 

1994 wurden in der BBC von Laborangestellten Anschuldigungen gemacht, wonach 9 bis 20 weitere positive Fälle (darunter 5 auf anabole Steroide) nicht weiter verfolgt wurden. Beckett gab dazu an, die Unterlagen seien mysteriöser Weise im Hotelzimmer von Alexandre de Mérode verschwunden. In Verdacht steht das LAOOC. Der kanadische Durbin-Bericht von 1990 zitiert die US-amerikanische Trainerin Pat Connolly, die angab, dass nach ihrer Kenntnis, ihren Beobachtungen, von den ca. 50 US-amerikanischen Teilnehmerinnen bei den Spielen in Los Angeles wahrscheinlch 15 Sportlerinnen, darunter auch Medaillengewinnerinnen, gedopt gewesen seien. Insgesamt sollen nach Robert Kerr 20 Medaillengewinner betroffen gewesen sein.

 

Bestätigt wurden die vernichteten Dopingfälle von Ollan Cassell, damals Vizepräsident des IAAF, im Jahr 2016. (Japan Times, 5.11.2016, insidethegames.biz, 6.11.2016)

1992 enthüllten V. Simon und A. Jennings, dass es 1983 ein von dem USOC veranstaltetes Trainingsprogramm für Athleten gab, dass diese angeblich mit dem Kontrollablauf bekannt machen sollte, aber dazu diente, zu zeigen, wie man positive Kontrollen vermeiden konnte.

 

Einen Einblick in tatsächlichen Gegebenheiten rund um Dopingeinstellungen der Funktionäre, Testprogramme und Verschleierungen von Resultaten gibt Mark Johnson in seinem 2016 erschienenen Buch 'Spitting in the Soup'.



Olympische Spiele 1988 Calgary und Seoul




Die Dopingliste des IOC wurde gegenüber 1984 verschärft. Jetzt sind Bluttransfusionen und Wachstumshormone sowie Medikamente, die der Dopingverschleierung wie Diuretika dienen, verboten. Explizit aufgeführt werden auch Betrugsmethoden wie das Abliefern von Fremdurin.

 

1988 wurden in Calgary 492 Dopingkontrollen durchgeführt. Der polnische Eishockeyspieler Jaroslav Morawiecki wurde als einziger Athlet positiv auf anabole Steroide getestet.





>>> der Dubin-Report

Charlie Francis:
"Ein paar Monate hatten die Sportler Angst, und Edwin Moses meinte, die Dopingzeiten seien vorbei, weil die Athleten wieder magerer würden. Aber in der letzten Woche wurden zwei US-Weltrekordler wegen Anabolikamißbrauchs erwischt: der Kugelstoßer Randy Barnes und 400-Meter-Läufer Butch Reynolds.
...
Man muß als Anti-Doping-Verfechter gelten, um ungestört dopen zu können. Wären wir in Seoul nicht geschnappt worden, wären Ben und ich heute die eifrigsten und überzeugendsten Kämpfer gegen die bösen Drogen."

Während der Spiele in Seoul gab es sieben Dopingfälle. So wurde der australische Fünfkämpfer Alexander Watson wegen Koffein-Missbrauchs während der Wettbewerbe ausgeschlossen. Auch fünf Gewichtheber waren betroffen. Zwei Bulgaren wurde ein Diuretikum, einem Spanier eine Stimulanz und zwei Ungarn anabole Steroide nachgewiesen. Damit wurde die lange Dopingtradition des Gewichthebens fortgesetzt. Dem IOC platzte der Kragen und rs drohte dem Verband ernsthaft mit dem Ausschluss aus der olympischen Familie.

 

Doch die Disqualifikation des kanadischen Supersprinters Ben Johnson nach dessen Sieg über 100m stellte alle bislang bekannten Dopingskandale in den Schatten. Die weltweite Aufmerksamkeit war riesig. Plötzlich ließ sich das Anabolika-Problem nicht mehr klein halten. In den anschließenden Untersuchungen wurde zudem deutlich, dass es sich hier nicht um einen Einzeltäter handelte, sondern Arzt Jamie Astaphan und Trainer Charlie Francis seit Jahren ein Dopingprogramm verfolgt hatten.

Erstaunen rief das Verhalten des kanadischen Sprinters Mark McKoy, der von denselben Leuten trainiert wurde wie Johnson, hervor. Nach der Disqualifikation Johnsons verließ er Seoul, er sei deprimiert von den Vorfällen gewesen. Dafür wurde McKoy später für zwei Jahre gesperrt.

Für Aufregung, zumindest in London, sorgte die Aussage von Arnold Beckett, der im britischen Fernsehen enthüllte, das Linford Christie sowohl nach dem 100m als auch nach dem 200m Lauf positiv auf Ephedrin getestet worden war. Die medizinische Kommission hatte Christie jedoch frei gesprochen, angeblich sei die Menge unterhalb einer bestimmten Grenze gewesen, nach de Mondenard war so eine Grenze aber nicht bekannt bzw. wenn es sie doch gab, hätte das Laboratorium die Proben nicht als positiv melden müssen.

 

Im Vorfeld der Spiele wurden einige Sportler positiv getestet und daraufhin nicht nominiert: der US-amerikanische Radfahrer Steve Hegg wegen einer positiven Probe auf Koffein, die US-amerikanische Schwimmerin Angel Myers, ein schwedischer und vier kanadische Gewichtheber aufgrund von Anabolika. Der Dubin-Report enthüllte wenig später, dass das gesamte kanadische Gewichtheber-Team manipuliert hatte (der Spiegel, 27.8.1990, Urin aus dem Bierkühler).

 

Nach den Spielen untersuchte Manfred Donike in Köln 1600 Urinproben der Spiele. Die festgestellten Steroidprofile legten den Schluss nahe, dass 5 % der Athleten, ca. 50 männliche Sportler, in Seoul im Vorfeld der Spiele gedopt aber die anabolen Steroide rechtzeitig abgesetzt hatten, damit sich keine positiven Befunde ergaben. M. Donike dementierte aber später, er habe nie Zahlen genannt, was wiederum bestritten wurde (der Spiegel, 26.6.1989: Barer Unsinn).

Trainerin Pat Connolly, schätzte laut Dubin Report den Anteil der gedopten Frauen auf 40 % und spricht von vielen Gerüchten und Unterstellungen.

In der bereits genannten australischen Studie werden folgende Zahlen für diesen Zeitrahmen genannt: Insgesamt würden 70% der australischen Sportler, die an internationalen Wettkämpfen teilnähmen, sich dopen. In Seoul seien 25% der australischen Sportler gedopt gewesen.

 

Wenige Jahre später wurde zudem bekannt, dass der schweizer Olympiateilnehmer und Weltmeister im Kugelstoßen Werner Günthör ebenso wie beiden deutschen Kugelstoßer Claus-Dieter Föhrenbach und Kalman Konya in Seoul gedopt waren (C4F-Link1, C4F-Link2).



 

Monika, November 2011


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