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Radlerprosa



etc. PP - Posers Prosa

Ernstes, Lustiges, Skurriles von Radsportfan Manfred Poser



Fahrt in die Provence
Tout va bien – alles läuft gut

Wer in der Rheinebene lebt, für den ist es nur ein Katzensprung hinüber nach Frankreich. Aber das Frankreich der Träume fängt südlich von Lyon an, und der Wetterbericht verhieß dort Sonne für die nächsten fünf Tage: bloß schnell los! Ich wollte zum Meer, und das geht so: Fahr zwei Tage nach Westen, dann fünf Tage nach Süden – und du bist dort.



Baume-les Dames

Doch zunächst ging es am letzten Mittwoch im September durch zähen Nebel, ehe er sich im Sundgau auflöste, der stillen bäuerlichen Gegend im Dreieck zwischen Mülhausen im Norden, Basel im Osten und Montbéliard im Westen.

 

Man könnte gleich hinter dem Rhein dem schnurgeraden Kanal vom Rhône zum Rhein folgen (so heißt er; wir sehen es umgekehrt), der fast 200 Kilometer in westsüdwestlicher Richtung weist und neben dem ein Radweg verläuft, der immer wieder kleine Schleusen passiert. Ich stieß nach Altkirch auf ihn, folgte dem Kanal bis Montbéliard, um dann auf Radwegen neben dem romantischen Fluss Doubs herzuradeln. Da stimmt alles: gut ausgeschildert, kein Autoverkehr, und der Fluss bewegt sich kaum, so dass sich in seinen trüben Wassern alte Kähne, Häuser und stillgelegte Fabrikanlagen mit Kaminen spiegeln.




Der friedliche Lauf
des
Doubs.



Die Reste metallverarbeitender Betriebe.



Wen es in diese Ecke Frankreichs verschlägt, der sollte sich in Mülhausen die berühmte Bugatti-Sammlung der Gebrüder Schlumpf anschauen und dann in Montbéliard das Peugeot-Museum mit seinen alten Fahrrädern – ich hole das nach.





Leonidas, der asketische Radler aus der Nähe von Darmstadt.

Am ersten Tag erreichte ich den Campingplatz von Baume-les-Dames und traf bei der Einfahrt sogar einen Radler aus Deutschland, Leonidas aus einem Ort bei Darmstadt. Der hatte ein Reiserennrad und nur zwei Packtaschen am Hinterrad, aus denen er Zelt, Schlafsack und sogar einen Kocher zauberte. Dann machte er sich über mich mit meinen „157 Taschen“ lustig, in denen vielleicht, vermutete er, auch noch ein Campingstuhl stecken musste.

 

 



Jetzt denke ich auch, ich hätte mir die beiden Frontroller sparen können. Ein paar T-Shirts und Socken weniger einpacken, dafür öfter waschen; keine Bücher und Hefte; den Rest in die hinteren Ortliebs stecken. Das Regenzeug hätte ich auch nicht gebraucht. Dennoch war das Zelt am nächsten Morgen tropfnass, und das wiederholte sich drei Mal. In dieser Gegend mit den vielen Flüssen (Doubs, Saône, Rhône) ist die Luft mit Feuchtigkeit gesättigt. Einmal hielt ich auf einer Autobahnbrücke an, hängte das Zelt auf und wartete eine halbe Stunde, bis Sonne und Wind es getrocknet hatten.



In der Stadt des Buches

Ich fuhr früher ab, Leonidas holte mich ein, wir trennten uns erneut – nur, um uns in Dôle um vier Uhr nachmittags wiederzutreffen. Da entsteht durch das Zusammensein wohl eine mysteriöse Verschränkung, die einen zusammenführt. Ich machte dann bei einem Campingplatz in St.-Jean-de-Losnes Station, der fast schon geschlossen war. Das ist ein Problem: Viele Plätze machen Ende September dicht, und dann steht man da. Der Platz lag direkt vor dem Fluss Saône, und am Himmel prangten die Sterne. Es war völlig ruhig.





Blick vom Campingplatz auf eine Brücke.

Nach zwei Tagen gen Westen ging es bei Chalons-sur-Saône Richtung Süden. Tournus klang gut, aber der Campingplatz war verbarrikadiert. Acht Kilometer östlich lag Cuisery, und da gab es noch einen, der bis Ende Oktober geöffnet war. Da war es dann richtig nett, Stühle vor der Rezeption, man konnte Wein trinken, und im Zentrum des 1500-Einwohner-Dorfes hatte ein neues Restaurant aufgemacht, das Tout va bien hieß, etwa: alles läuft gut, und das wurde dann zum Motto meiner Reise.





Cuisery, die Stadt des Buches.

Tout va bien residierte in der Mitte des Ortes (Tout va bien) in einem vollverglasten Vorbau, aus dem man zusehen konnte, wie die Vierzigtonner, die die Stadt Bourg-en-Bresse mit dem Nötigsten versorgen, vorbeirollten und um eine Haarnadelkurve bogen. Ich war der einzige Gast, die Betreiberin war eine junge Orientalin, und der Koch ein früherer Grundschullehrer, sympathische Leute. Außerdem ist der Ort Cuisery eine offizielle Ville du Livre, eine Stadt des Buches mit Buchmarkt jeden ersten Sonntag im Monat, Lesungen und Konzerten.



Lyon und Jean-Louis



Insel am nördlichen Eingang Lyons.

Wenn man nur durch la douce France rollen könnte, das sanfte ländliche Frankreich, wäre eine Radtour ein ungetrübtes Vergnügen. Doch es gibt die Städte. Der Campingplatzchef hatte locker gesagt: Am Eingang von Lyon gibt es einen Platz, kein Problem. Aber dort musste man den Berg hoch, hinauf in die Welt der Tankstellen, Billighotels und Einkaufszentren, bis man den Campingplatz erreicht hatte, ein Vier-Sterne-Ding für 17 Euro die Nacht, in dem ich beim Aufbauen des Zelts erst einmal in Hundescheiße trat.

 

Hier sei auch gesagt, dass Frankreich ein teures Reiseland ist. 2,50 Euro für den nicht bedeutenden Milchkaffee am Morgen, 10 Euro für die Pizza (in Apulien habe ich für 7 Euro Pizza mit Wein bekommen) oder ein anderes Gericht, von dem man nicht einmal richtig satt wird. Der Campingplatz schlug dagegen manchmal nur mit 7 Euro zu Buche, und wenn man eine Baguette mit ein wenig Käse und Schinken im Supermarkt kaufte, stimmte das Tagesbudget, das für mich auf Radreisen bei 35 Euro liegt.





Der Lyon-Marathon beginnt!

Sonntags hinunter in die Millionenstadt und auf breiten Radweg entlang der Saône, in die erst zwei Kilometer weiter die große Rhône aus Genf einmündet und das Kommando übernimmt. Eigenartig: Für einen Sonntag sprangen viele Polizisten herum, und viele Leute waren unterwegs, und am Ende einer Straße ... war da nicht ein Gewühle, ein Heer von Menschen? Es war der Sonntag des Lyon-Marathons! Die Ordner ließen mich überall bereitwillig durch (in Deutschland wäre das nicht möglich gewesen), und bei Kilometer 21 fuhr ich eine Weile hinter Läufern her. Die leiden alle ziemlich. Nein, Marathon kann nicht gesund sein, fahrt besser rad, Leute!



Dann konnte ich auf der Departmentstraße 86 dem Fluss folgen, und ich blieb auf ihr fast bis Avignon. Auf meiner gesamten Reise konnte ich nicht über viel Verkehr klagen, und die Auto- und Lastwagenfahrer waren sogar höflich und zockelten lang hinter mir her, bis das Überholmanöver endlich möglich war. Gegen Abend Tournon und ein Campingplatz, der das ganze Jahr geöffnet und – o Wunder – sogar in der Stadtmitte und dennoch ruhig gelegen war.



Dort stieß ich auf den nächsten Gefährten: Jean-Louis aus St.-Claude bei Genf, der mit Rad und Hundeanhänger (voll mit Gepäck) sowie mit 30 Euro auf einer Pilgerfahrt nach St. Maximin war. Jean-Louis, der auch gut ein tibetischer Mönch sein konnte, war schon einmal zu Fuß nach Rom und einmal sogar nach Jerusalem gepilgert. An seinem Ziel wollte er Marie Madeleine treffen, Maria Magdalena also, von der man weiß, dass sie im Jahr 40 nach Jesu Tod in Südfrankreich am Meer ankam, in die Berge wanderte und dort in einer Grotte lebte und starb.

 

Mit ihr waren auf einem Schiff Marie Jacobé und Marie Salomé gekommen, zwei entfernte Verwandte von Jesu’ Mutter, die am Meer eine Kirche gründeten. Daher heißt der Ort Les Saintes Maries de la Mer, die heiligen Marien des Meeres, und dorthin wollte ich fahren. Zwei Marien für mich, eine für Jean-Louis.




Jean-Louis,
der Pilger aus
St. Claude.



Mit dem
Hundegepäckträger
stramm unterwegs.



Orange und das Meer

Wir fuhren gemeinsam los, verstanden uns prächtig, machten Mittag; heiß war es, und nachmittags spannte ich mich vor – Jean-Louis musste ja 50 Kilo vorwärts bewegen – und zog das Tempo an. Im Rückspiegel sah ich, wie gut er mithielt, der ja auch schon 57 Jahre alt war, älter noch als ich. Bei Rückenwind machten wir 15 Kilometer in einer halben Stunde, bis Jean-Claude 25 Kilometer vor Orange um etwas langsameres Tempo bat. Der Campingplatz dort hatte leider geschlossen, doch der Schlagbaum war hoch, und da ein paar Dauercamper beteuerten, sie hätten uns nicht gesehen, stellten wir dort unsere Zelte auf. Ich holte Proviant vom Intermarché, und wir tafelten.

 

Später rauchte ich, an einen Baum gelegt, trank mein Bier, und wir philosophierten über Intuition, wie man sich vom Leben führen lassen könne und über unsere Pläne. Jean-Louis nannte mich seinen „Engel“, und er war mein Engel, denn bevor ich ihn traf, war ich melancholisch gewesen. Auf diesen Radfahrten tritt man mechanisch in die Pedale und denkt unausgesetzt über etwas nach, und meistens kommen einem Szenen in den Sinn, die nicht gerade rühmlich waren; man wird betrübt, doch Jean-Louis heiterte mich auf.

 

Vor Châteauneuf-du-Pape mussten wir uns trennen. Ich teilte mit ihm brüderlich meine verbliebenen 40 Euro (ich konnte mir ja jederzeit wieder Geld holen), fuhr schnöde an Avignon vorbei und folgte immer den Schildern Les Saintes Maries. Am späten Nachmittag des siebten Tages seit der Abfahrt rollte ich in den Ort ein und sah das Meer. Weiße Mauern vor tiefblauem Himmel blendeten mich, es war noch hochsommerlich, und der Camping La Brise hatte Sandboden, so gehört sich das am Meer.




Mein Rad, am Meer angekommen, mit mir.



Stierkampf, Pferde, Flamingos

Da wollte ich eine Weile bleiben. Natürlich hatte ich vorgehabt, weiterzufahren bis Narbonne, aber dann der ganze Rückweg ... irgendwie bin ich unvernünftig und plane nichts. Habe aber meistens Glück und alles ergibt sich.





Da muss man schnell sein!



Achtung, Stier und Pferde auf den Straßen!

Am Mittwoch sollte ein Stierkampf sein in der Arena. Sie war vollbesetzt, als 13 junge weißgekleidete Männer versuchten, neun Stieren Kokarden von ihren Hörnern zu klauben. Der Stier stirbt dabei nicht, und der Sprecher verkündet regelmäßig den Wert der Kokarde, den lokale Unternehmen allmählich erhöhen. 40 oder 50 Euro kann sie schon wert sein, aber ob man für diese Summe das Risiko eingehen würde? Man muss den Stier reizen, vor ihm weglaufen, im Umdrehen versuchen, die Kokarde mit einem kleinen Greifer dem Stier vom Horn zu ziehen, und da der Stier schnaubend hinter einem her ist, muss man mit einem Fuß auf die einen Meter hohe Palisade springen und dann hoch zu einem Gitter, wo man sich festhält. Anstrengend. Darum sind das alles junge sehnige Burschen, schnell wie der Wind. Das war unterhaltsam.





Flamingos in einem Salzsee.

Man kann mit dem Rad über den Deich zum Leuchtturm radeln und sieht dabei Flamingos, die mit ihren langen Hälsen im Wasser herumsuchen. Dann hört man Hufschlag, und ein Trupp Touristen auf weißen Pferden kommt vorbei. Der Strand ist endlos, man hat ihn für sich allein.

 

 



Wetterumschlag

Doch nach der Hitze kam jener erste Freitag im Oktober, an dem das Wetter umschlug. Am Meer machte sich das durch nächtliche Luftbewegungen bemerkbar. Der berüchtigte Mistral von Nordwesten wehte zwei Tage lang heftig. Frédéric Mistral heißt auch der berühmte Dichter der Region. Er wurde 1830 geboren, schrieb als 30-Jähriger das Epos Mirèio (oder Mireille) im „prouvençalischen“ Dialekt, und zehn Jahre vor seinem Tod, 1904, erhielt er den Nobelpreis für Literatur.




Stadt
Les Saintes Maries
mit Arena.



Hinter den Pferden die festungsähnliche Kirche der Saint-Maries.



In Les Saintes Maries steht eine Statue, die Mireille verkörpert, die übrigens tragisch endet: in der Kirche der beiden Marien. Sie habe ich oft besucht, in Glaskästen sind viele Ex-votos zur Schau gestellt, auf denen Menschen sich für Heilung und Hilfe bei den beiden Marien bedankten, und im Untergeschoß unter der Altar steht eine Statue der dunkelhäutigen Sara, der Zigeuner-Patronin, die dick mit Gewändern bepackt ist. Neben ihr leuchten Hunderte Kerzen.





Sara mit den vielen Kerzen.

Neben ihr leuchten Hunderte Kerzen. Man zündet eine an, und dann muss man mit der Hand Saras Gewand berühren und die Hand zum Munde führen. So überträgt sich die Wirkung des Zaubers. Jeden Tag war ich dort, und kurz vor der Abfahrt erlebte ich noch die Samstagabend-Messe mit, wobei der Priester ganz in Grün gekleidet war.



Sonntag wollte ich zurück. Anfang Oktober und überhaupt im Herbst wird es früh dunkel. Du hast um sieben Uhr oder um acht Uhr gegessen, der Wind bläst, nirgendwo gibt es eine ruhige Ecke für einen, der gern raucht, und also zieht man sich ins Zelt zurück, trinkt Rotwein, räuchert sich die Hütte voll und denkt irgendwie planlos herum. Geht früh schlafen, um zehn oder um halb elf. Mir fehlen dann meine Bücher und mein Schreibtisch und ich dachte: Fahr zurück. Samstag hatte es geheißen: 43 Kilometer Wind pro Stunde. Sonntag: 39. In Nîmes 28, immer aus Norden. Montag 31. Ich war besorgt. Besser etwas tun. Samstag abend fuhr ich probeweise hinaus aus der Stadt Richtung Norden, ja, es würde gehen.



Unverhofft schnelle Rückreise

Dann blieb die Nacht auf Sonntag wundersamerweise ruhig, und auch der Sonntag bot mir fast Windstille. Da hilft manchmal ein Gott. Ich verabschiedete mich von der netten Frau am Empfang des Campings La Brise, der in den letzten beiden Tagen seinem Namen alle Ehre gemacht hatte. Am Empfang kann man übrigens schön und lange kostenlos im Internet surfen (camping-labrise-Email). So radelte ich also vergnügt und verträumt über das flache Land und bestaunte die ebenfalls flachen Wolken am Horizont. Ich besichtigte die Kathedrale von St. Gilles, passierte den Flughafen von Nîmes, ließ die Stadt selbst links liegen und bewegte mich auf Remoulins zu, weil ich zunächst am Pont du Gard, der bekannten zweistöckigen vielbogigen römischen Wasserleitung den Campingplatz aufsuchen wollte. Ich wurde übermütig. Das lief doch gut! Ich würde es vielleicht bis Bagnols-sur-Cèze schaffen, dann am nächsten Tag bis Tournon, wo ich den Platz schon kannte und danach: Lyon. Zurück von dort mit einem Zug.

 




Das Portal der Kathedrale von St. Gilles .



Der berühmte
Pont du Gard.



Übermut tut selten gut. Der Wind wurde stärker, das Fahren beschwerlich, und da man viel Gepäck fortbewegt, spürte ich ein wenig die Muskeln an der Hüfte, die die Beine auf- und abwärts bewegen: die Adduktoren. Nein, bis Bagnols doch nicht. Ich übernachtete am Pont du Gard. Solche Reisen gestalten sich eigentlich von alleine. Sie drängen dir ihren Ablauf auf, die Vernunft will eine Lösung, und meine hieß: Avignon, 25 Kilometer westlich gelegen. Da gibt es sogar einen Bahnhof für die schnellen französischen Züge, die Trains à Grand Vitesse (TGV).




Abflughalle, nein: Abreisehalle der TGVs bei Avignon.



Montag mittag war ich also dort, dann wurde es ein wenig chaotisch und unschön. Ich wollte nach Lyon, hatte nicht genau geschaut, wo der Fahrradwaggon zum Halten kommen würde, und das war unendlich weit weg von mir, und da lagen noch meine acht Gepäckstücke ... Zug verpasst. Doch das war ein Segen, denn der nächste fuhr sogar bis in meine Nähe, Mulhouse. Da landete ich dann abends um acht an, nach einer Odyssee, da das Nachlösen nicht richtig klappte (die Visa-Card wurde nicht akzeptiert), aber letztlich stand ich Montag abend auf dem Bahnhof Mulhouse, schlang an einem Sandwich und fuhr bei Vollmond die letzten 40 Kilometer durchs Elsaß und am Rhein entlang nach Hause. Dieser Bahntransport war das Anstrengendste und Nervendste der ganzen Reise ... aber halt, ich hatte nette Mitfahrer, Daniel und Pauline aus Lyon, die mit mir zum Ausgangspunkt einer Radreise fuhren. Sie wollten von Basel aus nach Montbéliard und am Doubs entlang – wie ich zwei Wochen vorher. Ich hatte die Erfahrung hinter mir; sie waren jung und freuten sich darauf. Die einen kehren heim, die anderen brechen auf.



Resumee

Noch ein Wort zu Frankreich, auch als Ergänzung zu meinem Apulien-Bericht: Wie in Deutschland und in der Schweiz baut man dort schöne Straßen und richtet immer wieder an ihnen herum. Es war ein Genuss, in Richtung Süden auf glatten, neuen Belägen zu fahren. Vor 40 Jahren schon fingen die Franzosen an, ihr Straßennetz zu modernisieren und stürzten sich deshalb in Schulden, während die Italiener seit damals immer nur über ihr zermürbtes Straßennetz klagen und nur die Autobahnen erneuern, weil diese in der Hand von Konsortien sind, die dafür hohe Benutzungsgebühren einstreichen. Der Rest, in staatlicher Hand, bleibt, wie er ist. Die Zeitung La Repubblica schrieb aber, eine italienische Straße bekomme im Durchschnitt alle elf Jahre einen neuen Belag.

 

Die Franzosen sind flexibel wie die Italiener und Freunde der Ordnung wie die Deutschen. Auf einen netten Franzosen kommt einer, der unerbittlich ist und keinen Spaß versteht. Sie vermitteln zwischen uns und den Italienern, ihren „Cousins“, die ich dennoch lieber besuche, weil sie fast immer offen, freundlich und spontan sind.

 

So hatte ich also die Saison schön abgeschlossen, - „chiuso in bellezza“, wie der Italiener sagt. Im Mai, als viele Campingplätze noch nicht geöffnet waren, hatte ich mich durch Apulien hinunter bis nach Santa Maria di Leuca bewegt, zur Basilika am Ende der Welt, und nun, im Oktober, war ich, als viele Campingplätze bereits geschlossen waren, hinabgefahren zu den Saintes Maries de la Mer. Schön komponiert, alles gut gegangen, und einen stillen Dank an die braven Marien und Sara, die ja Radfahrern, den Fahrenden im Tourismus, gerne helfen.






Der Strand und in der Ferne das Meer.



 

© Text und Fotos Manfred Poser, Oktober 2011


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