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Das kleine Lexikon der Radsportfans

Als häufer Besucher in Radsport-Foren und -Chats sind mir einige unterschiedliche Radsportfan-Typen aufgefallen, die ich hier gerne mal auflisten möchte. Es handelt sich dabei allerdings nur um Fan-Prototypen und ich gebe keinerlei Gewähr, dass sich jeder einzelne von Euch in einer der Beschreibungen wiederfindet! Anmerkungen und Ergänzungen sind sehr willkommen! Die Reihenfolge der Einteilungen erfolgte aus dem Bauch und nicht aus logisch nachvollziehbaren Gesichtspunkten heraus.

Der BFGF:

Vermutlich die größte Gruppe der (deutschen) Radsportfans.

BFGF = BekennenderFernsehGuckerFan. Er kam über das TV und in erster Linie die Übertragungen der Tour de France zum Radsport. Nach einigen TdF-Jahren und nicht abgeschreckt von den "Drei Kommentatoren" der ARD war er soweit an die Sportart gewöhnt, daß er beschloß, sich fortan "Fan" zu nennen. Selber hat er in den seltensten Fällen mal auf einem Rennrad gesessen; was ihn aber nicht davon abhält, seinen Senf zu Rennstrategien oder der Form einzelner Fahrer dazuzugeben.

Die Qualität der Radsport-Kommentatoren ist (aus naheliegenden Gründen) eins seiner Lieblings-Diskussionsthemen.

Der Statistiker:

Er kennt jeden Sieger der wichtigsten Rennen der letzten 20 Jahre (mindestens!) auswendig, inklusive aller Etappensieger und die Zeitabstände hat er natürlich auch abrufbereit.

Ebenso hat er alle GS 1 und GS 2 -Teams in ihren jeweiligen Zusammensetzungen der letzten 10 Jahre parat.

Gespräche mit ihm verlaufen meist folgendermaßen: "Als Blabla noch bei Blabla fuhr, gewann er Blabla mit Blabla-Vorsprung vor Blabla, was bedeutet, daß er bei Blabla sehr viel besser aufgehoben war, denn als er in der Saison danach bei Blabla fuhr, hat er dann Blabla-Minuten hinter Blabla gelegen, der bei Blabla nur 20 geworden ist. Blabla fährt zur Zeit übrigens bei Blabla, wußteste du das? NEIN??? Und du wußtest nicht, daß Blabla vor drei Jahren noch bei Blabla gefahren ist??? Worauf achtest du? Radfahrerhintern???"

Der Technik-Freak:

In gewisser Weise ist er mit dem Statistiker verwandt, nur dass er nicht Sieger und Vorsprünge sondern jedes Produkt der bekanntesten Radsport-Zubehör-Hersteller persönlich oder zumindest vom Hörensagen kennt und sich auch stundenlang über die Vorteile des einen und Nachteile des anderen auslassen kann.

Das Zielbereich-Chick (auch Fahrerlagerluder):

Technik, Rennstrategie und Statistiken interessieren das durchschnittliche Chick eher wenig. Dafür hat es Autogramme von all den Fahren, die ihm nicht schnell genug entkommen konnten und stellt regelmäßig aktualisierte Fahrerranglisten auf, in denen es nicht nach Leistung sondern nach Schnuckeligkeit geht! Es taucht bei soviel Rennen wie möglich auf und erfindet diverse Strategien, HINTER die Absperrungen und IN die Pressekonferenzen zu kommen. Es besitzt Fotoalben, die möglichst viele Fotos enthalten sollten: Die Mehrzahl der Bilder zeigt dabei zwei Menschen, von denen nur einer Radsportler und in möglichst vielfältiger Ausführung vorhanden sein sollte. Der andere ist dagegen meist weiblich, zwischen 13 und 20 (naja okay.. 25!) und immer derselbe ! Anhand dieser Alben, ihrer Ausführung (Umrahmungen mit Herzchen, Widmungen der Herren Radler, etc...), Qualität und Quantität erkennt man den Platz seiner Besitzerin in der Chicken-Hackordnung!

Der Radsport-Snob:

Er hält sich für die Crème de la Crème der Radsportfans, weil er nicht erst seit Jan Ullrichs Erfolgen Radsportfan ist! Liebend gerne erzählt er von Indurain (dem letzten "echten" Radsportler!) und dessen Weggefährten. Überhaupt war früher alles besser, wobei "früher" sich auf die Ära-Indurain bezieht, denn vorher war er auch noch kein Fan. Allerdings gibt es Radsport-Fans die auch zur Nostalgie neigen und schon anno-dunnemals dabei waren, die Radsport-Fossile. Sie halten auch Indurain für ein Weichei und schwören auf die alten Recken, die noch jedes einzelne Rennen der Saison mitgefahren sind und mindestens fünf Sprintankünfte, drei Einzelzeitfahren und 6 Bergetappen pro Saison gewonnen haben.

Der Selberfahrer:

Auch der Selberfahrer ist einem gewissen Snobismus erlegen, meint er doch, man dürfe nur Radsportfan sein, wenn man selbst mindestens 100 km die Woche abstrampelt. Taucht er in einem Radsport-Chat auf, ist die erste Frage (meist sogar ohne vorherige Begrüßung!): "Fährt hier auch wer selber? Oder seid ihr alle bloß Fans...."

Der Doping-Experte:

Diesen Typus gibt es in unterschiedlichen Ausführungen. Da gibt es die Fatalisten, die mit Genuß alle Radsportler als drogenabhängig beschreiben und die Verdränger, die einen kollektiven Persilschein ausstellen. Sehr verbreitet ist auch die Spezies des Doping-Experten, die zwar allen Radprofis Dopingmißbrauch unterstellt, den eigenen Helden aber selbstverständlich von jedem Verdacht reinzuwaschen versucht!

Der Erfolgsfolger:

Er ist an keine bestimmte Sportart gebunden, sondern verfolgt den Sport, in dem die Deutschen gerade einen Siegertypen stellen. Auf den Radsport bezogen, so jubelt er Jan Ullrich zu, wenn er gerade einmal gut fährt, liebt es aber genauso, über ihn herzuziehen, wenn mal wieder zuviel Speck auf den Rippen sitzt. Er tauchte 1997 in Radsportkreisen (naserümpfend vom Radsport-Snob registriert) auf, wird aber auch sofort verschwunden sein, sobald Herr Ullrich sein Rad in die Ecke gestellt hat.

Der TeamTelekom-Fanatiker:

Steht in der Wertung hierarchiebewußter Radsportfans ziemlich weit unten (knapp vor den Zielbereich-Chicks). Er tauchte massenweise 1997 auf (vereinzelte Expemplare existieren seit ca. 1995) und rekrutierte sich zumeist aus BFGFs und Erfolgsfolgern, die zufällig hängengeblieben sind.

Für sie zählt nur das Team Telekom, das möglichst JEDES Rennen gewinnen soll! Klappt das einmal nicht nach Wunsch, wird der jeweilige Gegner gerne mit Doping in Verbindung gebracht, während die Magenta-Helden mit Zähnen und Klauen gegen selbige Verdächtigungen verteidigt werden.

Positiv herauszustellen ist seine Treue zu "seinem" Team, jeder Fanartikel wird brav bestellt, Rettungsringe werden in pinke Trikots gequetscht und Telekom-Käppies mit Stolz getragen. Lieblingsthema ist ab August jeden Jahres, wie "unser" Jan bei der nächsten Tour de France abschneiden wird.

Leider kennt der TT-Fanatiker kaum ein anderes Thema...

Der Nonkonformist:

Er sieht sich selbst gerne als Gegenteil des Team-Telekom-Fanatikers. Bis 1997 war er vielleicht sogar noch Telekom-Fan aber da er nicht gerne mit der Masse schwimmt und auch (seit 1997) auf KEINEN Fall für einen Telekom-Fan gehalten werden will (er hat ja viel mehr Ahnung vom Radsport als die....), hat er sich der zweiten Garde Deutschlands zugewandt oder auch ausländischen Teams. Gerolsteiner zu unterstützen ist viel cooler, die Erfolge der Nürnberger aufzählen zu können beweist Insidertum und wer von den popeligen Telekom-Fans kennt sich schon mit den Fahrern von Euskaltel aus oder überhaupt nur den Namen "Team Colpack".

Der Möchtegern-Auskenner:

Dieser Typus des Radsport-Fans ist weit verbreitet und überschneidet sich oft mit anderen Gruppen. Man könnte wohl auch sagen: mit allen Gruppen! Hier haben wir einen allgemeinen Definitonsansatz des Fans an sich: hat eigentlich keine Ahnung, was ihn aber nicht daran hindert seinen Senf zu allem möglichen dazuzugeben.

 

von Inga


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