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Profis und Amateure erzählen



der Doping-Fall Meier

 

Wer ist Roland Meier?

>>> zum Portrait von Roland Maier

 



- Chronologie der Ereignisse -

 
 
18.04.01  
Fleche Wallone: Vor dem Start wurde eine Blutprobe entnommen. Die Probe ist nicht auffällig, der Hämatokritwert liegt im Normbereich, der Fahrer ist startberechtigt. Roland Meier beendet das Rennen als 57. Nach dem Rennen wird er zur Urinkontrolle ausgelost. Die UCI führt erstmals diese Tests zum Nachweis von EPO-Doping durch. Das Verfahren war von einem Pariser Labor entwickelt worden. Die UCI ist der erste Verband, der diese, in Fachkreisen umstrittenen und insbesondere vom IOC nicht anerkannte Methode, anerkennt und durchführt. 
 
 
14.05.01 
Roland Meier erhält die schriftliche Mitteilung des Lausanner Labors, das als eines von zweien das neue EPO-Testverfahren durchführt, dass der Befund der beim Fleche Wallone genommenen Urinprobe positiv ist. 
 
 
15.05.01 
Die Nachricht der positiven A-Probe wird der Öffentlichkeit bekannt gegeben. Ein geschockter Roland Meier beteuert seine Unschuld und fordert die Analyse der B-Probe an. 
 
 
22.05.01 
Die Verantwortlichen des deutschen GS1-Teams Coast, bei dem der Schweizer unter Vertrag steht, stellen sich in einer öffentlichen Erklärung hinter ihren Fahrer und zweifeln die neue Testmethode an. Allerdings machen sie auch keinen Hehl daraus, dass Roland Meier im Falle einer positiven B-Probe die fristlose Kündigung drohe. Zeitlich nicht in einen Rahmen zu fassen, da nicht mit Datum an die Öffentlichkeit gelangt, ist die Information, wann die Verantwortlichen von Team Coast die Gehaltszahlungen an den Zürcher eingestellt haben. In den Medien werden im Nachhinein sowohl die Monate April und Mai als auch Juni genannt. 
 
 
08.06.01 
Auch die B-Probe von Roland Meier ist positiv. Das gibt der Schweizer Radsportverband (Swiss Cycling) bekannt. Es wird ein Verfahren eingeleitet, dem Fahrer drohen rechtliche Konsequenzen. 
 
 
11.06.01 
Roland Meier startet bei der Österreichrundfahrt. Team Coast fehlt noch immer die offizielle Mitteilung des Lausanner Labors und des Schweizer Verbandes, so dass sie sich nicht gezwungen sehen, den Start des Schweizers zu verhindern. 
 
 
16.06.01 
Roland Meier tritt zur sechsten Etappe der Österreichrundfahrt nicht mehr an. Von da an wird der Zürcher keine Rennen mehr bestreiten. 
 
 
20.08.01 
Roland Meier wird provisorisch für alle nationalen und internationalen Rennen gesperrt. 
 
 
28.08.01 
Roland Meier wird von der unabhängigen Dopingkommision des Schweizer Radsportverbandes für acht Monate gesperrt. Unter Berücksichtigung der rennfreien Monate November und Dezember kann er frühestens ab dem 19.07.02 wieder Rennen bestreiten. Außerdem wird er zu einer Geldstrafe von 4000 SFr verurteilt. Sein Anwalt kündigt an gegen das Urteil in Revision zu gehen. 
 
 
08.01.02 
Der Fall Roland Meier wird vor dem obersten, internationalen Sportgericht (TAS) in Lausanne verhandelt. Die verantwortlichen Richter prüfen den Fall und vertragen ihre Entscheidung auf unbestimmte Zeit. 
 
 
28.01.028 
Das oberste, internationale Sportgericht bestätigt das Urteil des Schweizer Verbandes von August letzten Jahres. Zudem sieht es das EPO-Testverfahrens mittels Urintest als „wissenschaftlich ausreichend“ an. 
 
 
 
 


Von Freud und Leid eines Radsportfans

 

Eine Reifenbreite am Abgrund

 

Dies ist keine Lobpreisung eines vermeintlichen Dopingsünders. Auch keine Hommage an einen, dem nie der ganz große Wurf gelang. Und auch kein Blick durch eine rosarote Brille.

 

Dies ist vielmehr die Sicht eines Fans. Der andere, meist wenig beachtete Blickwinkel. Eine Art Brief an einen, der positive und negative Seiten des Radsports für einen Fan in sich vereint.

 

Ich glaube nicht, dass er es selbst irgendwann lesen wird. Auch wenn das Internet ein weltumfassendes, unendliches Medium ist, das ich hier nutzen möchte. Dennoch sind mir diese Zeilen ein Anliegen. Weil es nicht nur Teil der Geschichte des betreffenden Radprofis, sondern auch Teil meiner Geschichte als Radsportfan ist.

 

Fast ein dreiviertel Jahr ist vergangen seit jenem Tag im Mai als das eintraf, was ich immer für unmöglich gehalten hatte. Ich bin kein Illusionist, nie gewesen. Wer zum denkbar schlechtesten und schwärzesten Zeitpunkt beginnt, sich für den Radsport zu interessieren, der hat schnell gelernt, dass Illusionen keinen Platz haben in dieser so eigenen Welt dieses merkwürdigen, aber doch so unglaublich faszinierenden Sports. Ich bin vielmehr Optimist.

 

Aber mit dieser Meldung hatte ich nie gerechnet: „Roland Meier unter Dopingverdacht.“ steht da. Fleche Wallone, neues EPO-Testverfahren, positive A-Probe.

 

E P O  - drei Buchstaben, die den Horror jedes Radsportfans bedeuten.

 

Drei Buchstaben und ein Name, die für mich nicht zusammen passen, nicht zusammen gehören.

 

Einem, dem ich es nie zugetraut hatte nimmt mir das letzte bisschen an Glauben an die Sauberkeit meines Sports.

 

Was in diesem Moment auf mich einstürzte lässt sich schwer beschreiben. Fassungslosigkeit? Wut? Trauer? Nein! Ohnmacht! Der Fans als das kleinste und schwächste Glied der Kette. Zum Zuschauen und Abwarten verdammt.

 

Wie gesagt, Illusionist war ich nie. Aber eben Optimist. Und so bleibt die Hoffnung auf Unregelmäßigkeiten eines unausgereiften, neuen Testverfahrens und der schwache Funke, auf eine negative B-Probe.

 

Hoffen, bangen, Daumen drücken. Im Internet recherchieren, immer auf der Suche nach News, die die Hoffnung nähren. In allen Sprachen, deutsch, englisch, französisch, auch wenn ich diese Sprache nur so halb verstehe. In italienisch und spanisch, die ich überhaupt nicht verstehe. Und alles wird gesammelt. Vor allem in den schweizer Medien werde ich fündig.

 

Dazwischen – Alltag. Die Radsportwelt dreht sich weiter. Natürlich bin ich auch Fan von anderen Fahrern und verfolge deren Leistungen.

 

Die nächste Enttäuschung, positive B-Probe, mehr ein resigniertes Hinnehmen der fast schon erwarteten Tatsache. Die Sperre ist kaum mehr abzuwenden. Die Schweiz hat neben Frankreich eins der strengsten Dopinggesetze. Das Urteil soll im August fallen.

 

Der Realist gewinnt die Oberhand über den Optimisten. Und die Vorfreue auf die Tour de France ist stärker als alle Enttäuschung und Resignation. Das Radsportfanleben geht weiter!

 

Beim Start der Tour aber kehren die Erinnerungen zurück.

 

Alles begann an einem sonnigen Mittwochnachmittag im Juli des Jahres 1998. Noch nicht lange zurück. Aber Erinnerungen sind etwas schönes. Die Etappe zum Plateau de Beille, die Mammutflucht, der Sturz über die Leitplanke metertief ins Gebüsch, der unbeirrbare Weg zum Ziel und der nicht gekrönte Triumph. An diesem Tag war auch der Zweite ein Sieger. Team Cofidis? Kenn ich nicht! Roland Meier? Wer ist das? Aber die Sympathie ist sofort da. Nicht gleich für den Fahrer, eher für die Leistung. Der Rest der Tour verschwimmt im Nebel. Radsport war damals noch nicht ganz meine Sache. Aber die Sympathie rettet sich über den Winter bis zur nächsten Tour. Und aus Sympathie wird Faszination. Und Faszination macht einen Menschen zum Fan. Zum Fan von Roland Meier, zum Fan von Team Cofidis, zum Radsportfan. Ein Stein zieht immer weitere Kreise.

 

Daumen drücken, hoffen, mitzittern, mitfiebern. Das Interesse beschränkt sich längst nicht mehr auf die Tour, längst nicht mehr auf einen Fahrer. Nur dem Team wird die Treue gehalten.

 

Erinnerung an die erste Tour live vor Ort. Juli 2000, Bad Krozingen, südlich von Freiburg gelegen. Alle Fahrer zum ersten Mal live. Begeisterung, Faszination. Als Roland Meier beim Einzelzeitfahren an mir vorbeirauscht weißt ich, wofür, warum und wem ich es zu verdanken habe.

 

Dieses Jahr bei der Tour fehlt er. Warum ist bekannt, aber daran denken mag ich nicht.

 

Als die Nachricht der achtmonatigen Sperre kommt bin ich seit zwei Tagen zurück aus Zürich, seiner Heimatstadt, wo ich beim Weltcuprennen war. Am 22.08. war Roland Meier zum ersten Mal Vater geworden. Nur sechs Tage nach dem wohl schönsten Erlebnis folgt das niederschmetterndste. Unschuldsbeteuerungen noch immer und ein Zitat:

 

Es gibt eine Gerechtigkeit. Und sie wird gewinnen." [1]

 

Ich möchte so gerne daran glauben. An seine Unschuld, an die Gerechtigkeit und daran, dass diese beiden Worte in seinem Fall kein Widerspruch sind.

 

Glaube ich an seine Unschuld? Glaube ich an das Scheitern des neuen Testverfahrens? Woran glaube ich überhaupt?

 

Aber ich habe Hoffnung. Und Geduld, die auf eine harte Probe gestellt und am Ende nicht belohnt wird. Vor wenigen Tagen hat das oberste internationale Sportgericht in Lausanne die Sperre bestätigt. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Die Hoffnung starb am 28.Januar 2002.

 

Was bleibt ist Mitleid und tiefes Bedauern. Ein Radprofi, 34 Jahre, verheiratet, Vater eines fünf Monate alten Kindes. Sportlich und finanziell am Ende.

 

Der Fan sieht zu, kann nicht helfen. Wieder diese Ohnmacht des schwächsten und kleinsten Gliedes der Kette.

 

Als die Hoffnung starb erwachte der Glaube an die Unschuld zu neuem Leben.

 

Wenn die Gerechtigkeit wirklich siegt, dann trägt Roland Meier in den Tagen nach dem 18. Mai wieder das Trikot eines Profiteams.

 

Am Ende ist es nicht ganz das geworden, was es hatte werden sollen. Kein Brief, aber eine Geschichte. Persönliche Worte fallen eben doch schwer.

 

Aber eines ist klar:

 

Ein Fan hält zu seinem Star! Egal was kommt! Ich habe immer die Fans von Richard Virenque bewundert, die immer zu ihm gehalten haben.

 

Ich, als Fan von Roland Meier, möchte den selben Weg gehen. Ich bin Fan von ihm und ich werde Fan von ihm bleiben! Egal ob seine Karriere nach Ablauf der Sperre weiter gehen wird oder nicht!

 

Und irgendwie habe ich ihm viel zu verdanken. Denn ich bin nicht nur Fan von ihm geblieben. Ich bin auch Radsportfan geblieben. Und ich bin noch immer Fan von Team Cofidis. Vielleicht mehr als je zuvor.

 

Deshalb ein dickes DANKE und hoffentlich auf ein baldiges Wiedersehen. Egal ob im Fernsehen oder live an der Strecke.

 

Denn die Faszination wird bleiben!

 

D a n k e , R o l a n d !

 

[1] Zitat Roland Meier, Quelle: "Blick" vom 28.08.01

 

von Tine


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