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Pierre Ballester: Tempêtes sur le Tour

Titel: 
Tempêtes sur le Tour 
 
Business-dopage-scandales 
Autor: 
Pierre Ballester 
Layout: 
Broschiert, 247 Seiten 
Verlag: 
Editions du Rocher (5 Juni 2008) 
ISBN-10:  
2268065987 
ISBN-13: 
978-2268065984 
Preis: 
ca. 17,10 Euro 
 
 
 
Das Buch ist nur auf Französisch erhältlich 


Stürmische Zeiten für die Tour


so könnte man den Titel des Buches übersetzen. Pierre Ballester zeigt die wichtigsten Probleme auf, denen sich die Tour de France zur Zeit gegenüber sieht und legt dar, wie es dazu kommen konnte. Damit kann er so manche Frage beantworten, die sich angesichts der schwierigen Situation, in der sich der europäische- bzw. Weltradsport befindet, stellen.



Doping und die Tour

Eine Betrachtung dieser Probleme schließt den Komplex Doping zwingend ein. Entsprechend beginnt Ballester seine Analysen mit diesem Thema. Er gibt einen Überblick über die Rolle, die Doping im Laufe der Jahrzehnte bei die Tour de France spielte und zeigt auf, dass die illegale Leistungssteigerung fester Bestandteil der Tourgeschichte ist und dass alle Beteiligten immer ein großes Interesse daran hatten, das Thema so klein wie möglich zu halten. Erst nach dem Festina-Prozess und der Eskalation der letzten Jahren, war das nicht mehr beherrschbar.

Er beschreibt aber auch, wie Doping letzlich nicht dazu beitrug, das Interesse von Sponsoren zu mindern, sondern dass ihnen daraus durchaus Vorteile erwuchsen. Gegenwärtig scheint sich jedoch, zumindest bei einigen, ein Wandel in der Motivation zum Sponsoring heraus zu kristallisieren, sie wollen nicht nur für Profite stehen sondern möchten Glaubwürdigkeit repräsentieren - ganz im Sinne der neuen Rolle, die Marken für viele Konsumenten darstellten, die Marke stehe für einen Wert.



Öffentlichkeit und Medien

Die Tour lebt! Die Franzosen lieben die große Schleife, nichts kann sie daran hindern, ihr weiter die Treue zu halten, auch nicht die lausigen Dopingaffairen - - dieses Bild herrscht bei uns vor. Doch stimmt das?

 

Pierre Ballester räumt etwas mit dieser Ansicht auf. Ausführlich kommentiert er Untersuchungen, die belegen, dass vielen Franzosen die Lust am Radsport abhanden gekommen ist.





Daniel Bilalian (Sportchef, France Télévisions):
"Die sportliche Darbietung wurde stinklangweilig. 2007 verfolgte ich die beiden wichtigsten Bergetappen, eine in den Alpen, eine in den Pyrenäen. Ich ärgerte mich sehr. Vorne drei ineinander verschmolzene Typen und dahinter die 150 anderen, die versuchen, noch rechtzeitig vor Schließung des Restaurants anzukommen, ehrlich, das hat nichts Begeisterndes."

Die TV-Zuschauerzahlen bei Radsportereignissen gingen seit 1999 stark zurück. Das Interesse am sportlichen Geschehen sank erheblich. Auch die Touretappen verfolgen die meisten weniger des sportlichen Wettkampfes wegen, sondern aufgrund der Landschaftsaufnahmen. Diese Erwartungen veränderten bereits die Art der Übertragungen, Aufzeichnungen von Sehenswürdigkeiten und der Landschaft ersetzen zunehmend Bilder des Renngeschehens. Ein hoher Prozentsatz der TV-Zuschauer wird zudem allein durch die Dopingaffairen zu den Übertragungen hingezogen.

 

Die staatlichen Fernsehsender zeigen längst Desinteresse an Radsportveranstaltungen. 2008 gab es keine Übertragungen hochkarätiger ausländischer Rennen wie Giro d'Italia, Vuelta á Espana, Tour de Suisse und von Klassikern wie Mailand-San Remo. Doch auch französische Veranstaltungen lohnten sich nicht mehr für die Sender, auch Paris-Roubaix verzeichnete einen starken Zuschauerschwund. Selbst die Tour de France fand nur sehr schwer eine staatliche TV-Anstalt, die sie übertragen wollte.

 

Die größte Gefahr für die Tour und anderer Radsportveranstaltungen liegt nach Ansicht vieler darin, dass sie zu kommerziellen Spektakeln für Voyereure degenerieren.

Doping spielt hierbei ein große Rolle, 90% der Franzosen fühlen sich dadurch verraten. Das Misstrauen sitzt tief. Doping erklärt aber nicht den gesamten Wandel, in dem sich der Radsport in Frankreich befindet und der sich auch auf die zukünftige Rolle der Tour auswirkt. Vieles ergibt sich aus allgemeinen gesellschaftlichen Veränderungen. Die Franzosen wenden sich anderen Sportarten zu oder nutzen ihre Freizeit vielfältiger. Das Radsportpublikum wird immer älter, die Jungen fehlen, neue Möglichkeiten und Ansprüche fordern ihren Tribut. Immer weniger Radsport-Lizenzen werden vergeben, die Anzahl der Elite-Rennen sinkt drastisch. Von 1999 bis 2008 sank die Zahl um 36 %. Der französische Radsportverband steht vor großen finanziellen Problemen, die finanzielle Macht liegt bei der ASO.



ASO versus UCI

Wie wird die Zukunft der Tour aussehen? Das wird ganz entscheidend davon abhängen, wohin der Konflikt ASO-UCI führen wird. Entsprechend ausführlich hat sich der Autor mit den Hintergründen der Beziehungen beschäftigt. Er schildert die Entwicklung hin zum Bruch zwischen den beiden Organisationen, belegt die Machtkämpfe mit Zitaten aus Briefen, die die Protagonisten des Konflikts Hein Verbruggen, Patrice Clerc, Pat McQuaid und Jean-Marie Leblanc austauschten und sprach dazu mit einigen von Ihnen. Hinter beiden Gruppierungen stehen finanzstarke Personen, nicht unbedingt hinter der UCI aber hinter Hein Verbruggen, der maßgeblich an der heutigen Situation Mitschuld trägt. Er konnte eine starke Armada durch seine Aktivitäten im IOC um sich versammeln. Interessant zu lesen, wie der Ton immer schärfer wurde und mit welchen Methoden gearbeitet wurde und wird.

Mit dem Sport hat das alles überhaupt nichts zu tun, sondern allein mit Macht, Geld und Einfluss auf beiden Seiten. Die Tour selbst scheint in ihrer Ausführung nicht gefährdet, finanziell steht sie blendend da. Doch welche Rolle sie in Zukunft spielen wird, ist noch unklar.

 

Pierre Ballester sei Dank für seine Arbeit. Einiges wird deutlicher.



Greg Lemond erläutert seinen Rücktritt

Abgeschlossen wird das Buch mit einem Text von Greg Lemond. Er schildert seine Radsportbegeisterung in jungen Jahren und wie seine Liebe zur Tour begann und wuchs. Und er zeigt auf, wie er die Ankunft von EPO im Peloton erlebte, welch bis dato unbekannten Erfahrungen er plötzlich machen musste. Verweigerer hatten schnell keine Chancen mehr. Er klagt das gesamte System an, hofft aber immer noch darauf, dass der Antidopingkampf mit verschäften Methoden, die er einfordert, seinen geliebten Radsport noch retten kann.



 

Pierre Ballester war von 1989 bis 2001 Journalist bei der französischen Sportzeitung l'Èquipe. Heute arbeitet er als freier Journalist und Autor. Seit 1998 ist Doping eines seiner Haupthemen. So schrieb er gemeinsam mit David Walsh die Bücher L.A. CONFIDENTIEL und L.A. OFFICIEL, in denen die Karriere Lance Armstrongs akribisch auf Dopinghinweise untersucht wurde und entsprechende Dokkumentationen vorgelegt wurden, wie die Aufarbeitung des Prozesses Lance Armstrong contra SCA Promotions 2005/2006.

die Bücher: Pierre Ballester, David Walsh - Lance Armstrong



 

von Maki, September 2008


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