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Doping-Prävention / Antidoping



Dopingprävention: FC Rheinland-Pfalz/Saar Mainz

von Manuela, März 2008, Fotos © FC Rheinland-Pfalz / Saar



C4F - Vorstellung FC Rheinland-Pfalz / Saar














Der FC Rheinland-Pfalz/Saar Mainz

Der FC Rheinland-Pfalz/Saar wurde 2007 unmittelbar im Anschluss an die Dopingenthüllungen im Profi-Radsport des Jahres 2006 gegründet. Der 1. Vorsitzende Siegfried Fröhlich will die Gründung des Vereins als bewusste Antwort auf diese Krise verstanden wissen. Er sah zur damaligen Zeit vier Hauptprobleme, die dafür gesorgt hatten, dass der Radsport in diese aussichtlose Lage geraten war:



 

- Die Trennung von Amateur- und Profi-Radsport in den 90er Jahren hat nach Ansicht Fröhlichs zu einer beispiellosen Kommerzialisierung geführt, bei der grundlegende sportethische Grundsätze auf der Strecke blieben. An die Stelle der alten Vereinsstrukturen traten auch im Elite-Bereich Profit-Gesellschaften, die sich auf Gedeih und Verderb einzelnen Monopolsponsoren anvertrauen mussten. Diese Konstruktion gab den Geldgebern die Möglichkeit, immer wieder in das Team-Management einzugreifen und entsprechende Leistung der Fahrer zu verlangen. Die Teamleiter hatten keine Chance, diesem Druck auszuweichen, indem Gelder über andere Förderer organisiert werden konnten. Das Management war schutzlos diesem Druck ausgeliefert und wurde somit in gewisser Weise erpressbar.





Fröhlich: "Ich möchte heute mit dem Profiradsport so wenig wie möglich zu tun haben."
Interview mit tour.ard.de im Juli 2007

 

- Alle fragwürdigen Innovationen im Radsport überlebt hat einzig das System der Personalauswahl im Management- und Betreuungsbereich. An allen entscheidenen Funktionärs- und Managementstellen sitzen ehemalige Profis mit einschlägiger Vergangenheit. So wird eine Erneuerung des Radsports schon strukturell unmöglich.

 

- Die Fanbindung im Radsport funktionierte immer über Identifikation mit einem bestimmten Sportler und weniger über die Begeisterung für ein Team - anders als beispielsweise im Fußball. Als Jan Ullrich beispielsweise von Telekom zu Bianchi wechselte, trugen die Fans celeste statt bianchi. Entsprechend gering ist der Markenwert der Mannschaft als solches.

 

- In den Radsport hielt seit den 80er Jahren eine immer stärkere Medikalisierung Einzug. Es wurden zunehmend Ärzte wie beispielsweise Conconi, Ferrari oder Cecchini mit der Ausarbeitung von Trainingsplänen und der Überwachung und Auswertung des Trainings beauftragt, statt dies wie in anderen Sportarten üblich, Sportwissenschaftlern und ausgebildeten Trainern zu überlassen.



Maßnahmen



Pressemitteilung des FC RLP vom 26.11.2007 zu seinem Anti-Doping-Konzept

Das Konzept des FC RLP versucht an diesen Punkten anzusetzen.

 

Der Verein finanziert sich durch Verteilung des Budgets auf viele kleinere Sponsoren, so dass Abhängigkeiten wie im Profi-Sport gar nicht erst entstehen können. Das Team steht und fällt nicht mit der wetterwendischen Gunst eines Monopol-Sponsors. Die Selbstbestimmung des Vereins bleibt gewährleistet.

 

Trainingskonzepte werden von Trainern und nicht von Ärzten ausgearbeitet und überwacht. Der FC RLP beschäftigt keine Mannschaftsärzte. Die medizinische Betreuung der Sportler liegt in den Händen ihrer Hausärzte und wird nur dann in Anspruch genommen, wenn der betreffende Fahrer akut erkrankt ist.

 

Der Verein sieht sich nicht als Werbekarawane für einen Großkonzern, sondern als Gemeinschaft von Radsportlern, die sich für die sportliche Sache begeistern.



"Echte Kerle dopen nicht"



Trikotspruch als Programm

Mit diesem Spruch auf den Trikots gingen die Rheinland-Pfälzer bereits in ihrem ersten Rennen an den Start. Der Spruch soll nicht nur ein Spruch sein, sondern gleichzeitig das Programm des Vereins auf den Punkt bringen und den Fans ein pointiertes Identifikationsangebot machen.

 

Im Fahrerfeld trifft dieses Programm allerdings auf geteilte Resonanz: Viele Beteiligte empfinden den Schriftzug geradezu als Angriff auf die eigene moralische Integrität und setzen sich entsprechend verbal zur Wehr.

 

Trotz aller Widerstände: Für Fröhlich und seine Fahrer ist das Trikot steter Motivationsanreiz, den sportethischen Grundsätzen des Vereins treu zu bleiben.



100% medikamenten- und attestfreie Fahrer

Der FC RLP legt Wert darauf, keine Fahrer mit chronischen Erkrankungen starten zu lassen. Niemand hat eine Ausnahmegenehmigung. Niemand tritt während medikamentös behandelter Erkrankungen bei Rennen an. Die Initiative dazu ging von den Fahrern selbst aus. Nachdem es im vergangenen Jahr zu heftigen Diskussionen im Fall Petacchi gekommen war, der wegen zu hoher Salbutamolwerte, die er mit Überdosierung eines Asthmapräparates erklärte, auffällig geworden war, wollte man derartige Situationen gar nicht erst enstehen lassen.



"Gläserne" Rheinland-Pfälzer



"Echte Kerle dopen nicht!" - Die Fahrer des FC haben nichts zu verbergen
Veröffentlichung der Fahrer-Blutwerte

Bei regelmäßigen Arztterminen werden die Blutwerte der Fahrer erfasst und anschließend vom Team (anonymisiert) auf der Internetseite veröffentlicht. Schwankungen in den Blutprofilen werden auf diese Weise sofort auffällig. Die physiologische Geschichte des einzelnen Athleten wird dokumentiert. Alle Abweichungen müssen von den Athleten plausibel erklärt werden können.

 

Der FC RLP entschied sich bewusst für diese 'Politik der Transparenz', um auszuschließen, dass die Sportler bei einem möglichen Wechsel ins Profilager mit "runderneuerten" physiologischen Parametern an den Start gehen.

 

Ab der Saison 2009 wird diese Offenlegung der Werte verpflichtend in die Fahrerverträge aufgenommen.



Erfolg trotz Anti-Doping-Kurs?


Dem strikten Anti-Doping-Programm zum Trotz hält Fröhlich an ambitionierten sportlichen Zielen für die kommenden Jahre fest: "2012 wollen wir die U23-Bundesliga mitbestimmen. Für die Olympischen Spielen 2016 wäre unser Traum die Teilnahme eines Ex-Rheinland-Pfälzers."

 

Inwieweit sich diese Ambitionen mit dem strikten Antidoping-Kurs des Vereins vereinbaren lassen, bleibt angesichts einer Radsportwelt, in der nach wie vor andere Prinzipien gelten, dahingestellt. Aus Sicht eines engagierten Fans wünschte man sich, dass die Lernprozesse, die die Fahrer beim FC RLP machen, auch in deren potentiellem Profileben ihre Gültigkeit nicht verlieren. Über vergleichbare Initiativen im Elitebereich wäre vielleicht endlich ein Mentalitätswandel im Profiradsport möglich.

 

März 2009: Das Experiment ist gescheitert - nicht weil im Team gedopt wurde, sondern weil sich kein Sponsor bereit fand, das Team zu unterstützen. "Doch anstatt eine breite finanzielle Unterstützung für dieses Anti-Doping-Konzept zu erhalten oder innerhalb der Szene gar Nachahmer zu finden, habe es viele dumme Sprüche gegeben und den Vorwurf, Fröhlich und die Seinen würden sich aus rein populistischen Gründen derart weit aus dem Fenster lehnen."

FR: Kein Geld für sauberen Profiradsport

 


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