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Bette, Schimank: Die Dopingfalle

 
 
 
 
Titel:  
Die Dopingfalle 
 
 
 
Soziologische Betrachtungen 
 
 
Autoren: 
Karl-Heinrich Bette, Uwe Schimank 
 
 
Layout: 
kartoniert, 276 Seiten 
Verlag:  
transcipt Verlag 2006 
 
 
ISBN:  
3-89942-537-5 
 
 
Preis:  
26,80 € 
 
 


 




Heftigste Erschütterungen in 2005 und 2006 beutelten den Radsport und die Leichtathletik und letzlich den gesamten Hochleistungssport.

Nicht irgendwelche Sportler unter ferner liefen, sondern Gallionsfiguren wurden des Dopings überführt oder sehen sich schweren Anschuldigungen ausgesetzt. Politik, Verbände, Medien und einige Sponsoren standen Kopf und entwickelten hektische Betriebsamkeit. Die Fans schwanken zwischen Unglauben, Zynismus und Verweigerung.

Was ist schiefgelaufen, warum musste es soweit kommen? Und vor allem, gibt es Wege aus dem Schlammassel oder heißt die Zukunft Resignation und Dopingfreigabe?

 

Die Soziologen Karl-Heinrich Bette und Uwe Schimank versuchen im vorliegenden Buch Antworten auf diese Fragen zu finden. Ihre soziologische Betrachtungsweise des Hochleistungssports hinterfragt die Strukturen und Zwänge, in welche die einzelnen Akteure oder Gruppierungen eingebunden sind. Da ist der Sportler, um dessen Auftreten, dessen Leistungen sich der gesamte Aufwand dreht und der im Falle des Scheiterns meist allein die Konsequenzen zu tragen hat; da sind die Verbände mit ihren Funktionären, die Trainer und Mediziner, die abhängig sind von den Erfolgen der Athleten; da sind die Sponsoren, Medien und die Politik, die sich von ihrem Engagement im Hochleistungssport Vorteile versprechen und da ist das Publikum, das aus vielerlei Gründen nach Sportidolen verlangt und selbst Objekt der Begierde von Sponsoren, Medien und Politikern ist.

Die dem Sport erteilte Aufmerksamkeit, die ihm entgegengebrachte Gunst und die damit verbundene finanzielle Unterstützung sind direkt abhängig von Erfolgen. Bleiben diese aus, können die Sportler und alle die von ihnen abhängen, einpacken - so einfach stellt sich dieses oft dar. Jeder Sportinteressierte dürfte entsprechende Namen und Entwicklungen nennen können. Hochleistungssportler müssen, um erfolgreich zu sein, immer stärker ihr Leben dem Sport unterordnen, immer höheren Ansprüchen genügen, alternative Lebensperspektiven können schnell aus dem Blickwinkel verschwinden. Erfolge lassen sich aber nicht leicht planen, zu hart ist der Konkurrenzdruck, zuviele Unwägbarkeiten können den Sportler aus der Bahn werfen. Hier kommt die illegale Leistungssteigerung ins Spiel, oft schleichend und nicht im Sinne einer fairen Entscheidungsmöglichkeit. Dopen kann zum Muss werden, wollen die Sportler nicht ausgesondert werden. 

Auch die Verbände müssen sich an den Erfolgen messen lassen. Sie benötigen Gelder und mediale Aufmerksamkeit, bleiben diese aus, versinkt die Sportart in der Bedeutungslosigkeit. Daher gilt schnell auch hier, Erfolg um jeden Preis oder zumindest Augen zu und durch.

 

Die Autoren nehmen alle beteiligten Gruppen unter die Lupe und analysieren deren Handlungsmöglichkeiten und -willigkeit. Dabei werden häufig sich widersprechende Anforderungen sichtbar, die den Teilsystemen zusetzen, deren Reaktionen und Strategien bestimmen und einschränken und die vor allem das gesamte Beziehungsgeflecht der Akteure untereinander kaum entwirrbar machen. Deutlich wird, dass die Personalisierung der Dopingproblematik, d. h. die Abwälzung der Last auf den einzelnen Sportler, für viele zwar der bequemste Weg ist, aber keinesfalls den Kern des Problems trifft. Sie trägt eher dazu bei, die (Doping)Problematik weiter zu verschärfen, als dass sie bei deren Abbau hilft. "Kann - und sollte - man wirklich davon ausgehen, dass es im Spitzensport so viele "charakterschwache" Individien gibt, die sich durch kein Unrechtsbewusstsein von Normvertößen abhalten lassen?" Die Antwort der Autoren auf diese Frage ist ein klares Nein. Doping ist keine Frage  des Charakters allein. Doping ist Ausdruck des modernen Leistungssports mit seiner unerbittlichen Leistungsmoral. Wer diesen Weg eingeschlagen hat, läuft Gefahr in die Falle zu laufen und vergeblich auf Hilfe zu warten.  

 

Folgt man den Analysen der Autoren, kann es sein, dass Hilflosigkeit und Resignation einsetzen. Zu komplex wirkt alles, zu negativ sind die Erfahrungen. Viel wurde in der Vergangenheit geredet aber kaum etwas erreicht und die Vermutung liegt nahe, dass dies auch so gewollt war. Gibt es jetzt nach den jüngsten Skandalen Aussicht auf Änderungen?

Die Autoren geben die Hoffnung nicht auf und schlagen Wege vor, die einzuschlagen sich lohnen könnten. 

Ich wünsche mir daher, dass die verschiedenen Akteure ihre Verantwortung annehmen und gemeinsam an Lösungen arbeiten. Auch wenn das Ergebnis nicht vorhersagbar ist, einen Versuch ist es allemal wert.

 

Mein Fazit: Sehr empfehlenswert

 

Maki, Oktober 2006


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