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Savoien-Tour 2006

von MrsFlax



Urlaubsberichte



15.07.2006 ANREISE

Unsere Anreise nach Albiez Montrond wurde von einigen überflüssigen Ereignissen überschattet. Mein Aderlass beim morgendlichen Brötchen aufschneiden wäre z.B. unbedingt vermeidbar gewesen. Und dass mein Rad-Schätzchen nicht in die dafür vorgesehene Halterung des Dachgepäckträgers passte, hätten wir auch im Vorfeld feststellen müssen. Der Aufbruch verzögerte sich dadurch um ca. eine Stunde, aber letztendlich war das noch zu verschmerzen und das Reisefieber war ungebrochen.

Die Erkenntnis, dass die Raststätten und Verkehrsschilder in der Schweiz einfach schöner und die bei ersteren beschäftigten Mitarbeiter einfach freundlicher sind, setzte uns schon deutlich mehr zu. Als wir dann noch feststellen mussten, dass die Schweizer das beste Eis und die Franzosen den besten Rotwein für sich selbst behalten, waren wir wirklich geschockt.

Noch ein Tipp für Frankreich-Reisende, die einen ähnlichen Weg nehmen: Meide Annecy! Unbedingt!! Die zwei Stunden dort im Stau bei sengender Hitze waren mehr, als man üblicherweise verkraften kann. Als Ivanov 2004 auf der anderen Seeseite mit Vollgas in den Anstieg fuhr, wusste er schon weshalb.



16.07.2006 ERKUNDUNG DER UMGEBUNG

Sonntags wollten wir es noch ruhig angehen lassen und uns erstmal die Umgebung anschauen. Ich war bereits vor 23 Jahren hier bzw. in Albiez le Jeune gewesen. Die Serpentinen hinauf in diesen Geisterort waren genauso erschreckend wie in meiner Erinnerung. Dank einer Umleitung, die wir bei unserer Autobefahrung entdeckten, waren wir die ganze Woche gezwungen, einen Riesenumweg nach St. Jean de Maurienne zu fahren – und um St. Jean kamen wir nicht herum, wenn wir nicht jämmerlich verhungern wollten.

Immerhin brachte uns das die Erkenntnis, dass wir für alle geplanten Touren (außer der zum Col de la Croix de Fer) erstmal das Auto brauchten. Da war etwas stille Freude schon angebracht, denn immerhin bedeutete das, dass ich nicht allabendlich entkräftet am Anstieg nach Montrond scheitern würde.

Abends zog ein Gewitter auf, das aber nur kurz für Abkühlung sorgte, während die letzten technischen Verbesserungen am Equipment vorgenommen wurden.







Später wurde dann noch mein Schätzchen mit neuen Reifen bestückt, da die MTB-Stollenreifen, die vorher aufgezogen waren, als überflüssiger Ballast angesehen und entfernt wurden. Hinterher sah das ganze zwar etwas kastriert aus, lief aber deutlich besser und erfüllte voll die Erwartungen.







17.07.2006 COL DE LA CROIX DE FER und COL DU GLANDON

Na, endlich! Jetzt geht es los. Flax steigt aufs Rädchen.

Der Plan war: Start am Haus in Montrond -> Col de la Croix de Fer -> Rückweg auf der gleichen Strecke.

Nachdem sich meine Vorbereitung in den letzten Wochen auf einige Wochenendausfahrten im Taunus und ein wenig (ziemlich lustloses) Gonsenheimer-Wald-Laufen beschränkt hatte, ging mir nun doch ziemlich die Klammer. 'Hätte ich doch nur... Wäre ich doch nur... Wieso hab' ich nicht...?' Doch es war zu spät. Da musste ich nun durch. Verdammt!

Die Abfahrt von Montrond war toll. Obwohl die Straßenverhältnisse bis zur Abzweigung unterhalb des Ortes eher bescheiden waren, boten sich tolle Ausblicke.







Der erste Teil der Strecke war angenehm flach und ich wurde fast übermütig, obwohl ich ständig ermahnt wurde, es langsam angehen zu lassen. Pah! Was für ein Quatsch! Dass das doch kein Quatsch war, bekam ich leider kurz darauf schmerzlich zu spüren. Die Straße wurde deutlich steiler – zwischendurch so steil, dass ich es nicht fassen konnte, dass ernsthaft von mir erwartet wurde, da hoch zu fahren. Blöderweise wurde genau das von mir erwartet...

Nachdem wir das steilste Stück hinter St. Sorlin d'Arves hinter uns gebracht hatten (waren wohl so ca. 13 bis 14 %), war ich dann wirklich der Meinung, ein beherzter Freitod wäre die anständigste Lösung, um aus dieser Sache wieder raus zu kommen. Außer "ungeschickt vom Rad fallen" sah ich aber keine würdige Möglichkeit, diesen Plan in die Tat umzusetzen – und als Kandidat für den "Darwin-Award" wollte ich nun auch ungern enden. Also weiter!

Kurz danach bettelte ich dann aber um eine kurze Pause. Ein kleiner Parkplatz an der Straße, auf dem auch bereits ein Wohnwagen auf die Tour de France wartete, wurde dazu angesteuert. Ein vom Herrn Trainer persönlich aus völlig unverdächtigen Zutaten hergestellter Müsliriegel, reichlich Wasser und der tolle Blick ließen meine Lebensgeister wieder etwas erwachen.







Zusätzliche mentale Kräfte zog ich aus andauerndem Gejammer darüber, wie arm ich sei, wie schlimm das alles wäre und was ich mir da bloß angetan hätte. Doch in meinem privaten Peter Becker im "Amore & Vita"-Trikot auf dem "Trek" löste das keinerlei Mitgefühl aus. Im Gegenteil! Sein genervtes "Dann drehen wir halt um!" (das später als genialer Motivationstrick enttarnt wurde) brachte mich mit einem "Ich fahr' doch nicht bis hier hin und drehe dann um!!!" endgültig zurück in den Sattel.







Den letzten Teil des Anstiegs, der immer zwischen 8 und 10 % Steigung hatte, brachte ich dann mehr oder weniger schweigend und unter Auferbietung meines letzten Selbstwertgefühls recht zügig hinter mich. Das Gefühl, als ich hinter der letzten Felswand das "Col de la Croix de Fer"-Schild auftauchen sah, war eine Mischung aus Erleichterung und Erstaunen.







Von der Passhöhe aus konnte man den Glandon bereits sehen. Es ging nochmal ein gutes Stück bergab und dann ein paar hundert Meter aufwärts. Mhhhhmmm... Es reizte natürlich, ein zusätzliches Abdrückerfoto am Glandon zu machen, der ja von hier aus fast ein Scherz war. Die Gier siegte – auch wenn ich das auf dem anschließenden Rückweg (den ich bei meinen vorherigen Überlegungen natürlich komplett übersehen hatte) zum Croix de Fer ziemlich bereute...



Beim zweiten Mal wurden dann noch reichlich Fotos von der überwältigenden Landschaft gemacht, bevor es wieder zurück ins Tal ging.















Auf der Rückfahrt konnte ich es teilweise wirklich nicht fassen, diesen ganzen Weg in Gegenrichtung geschafft zu haben. Mein Respekt vor mir wuchs ins Unermeßliche

Dieser Respekt wurde aber anschließend noch gründlich erschüttert – nein! eigentlich eher pulverisiert – als mir dann die Kraft fehlte, zurück nach Montrond zu "klettern". Kurz nach der Abzweigung konnte ich einfach nicht mehr. Die Hitze, die Höhenluft und mein eigentlich katastrophaler Trainingszustand (den ich kurzfristig komplett aus meinem Gehirn getilgt hatte) ließen mich jammernd bei meinem Begleiter anfragen, ob es eventuell möglich sei, dass ich mich irgendwo am Wegesrand zum Sterben ablegen könne, während er den Restanstieg allein fahren und mich mit dem Auto abholen würde. Der Vorschlag wurde dankenswerterweise angenommen. Doch ganz kampflos wollte ich mich nicht in mein Schicksal ergeben und schleppte mich doch noch ein Stück bergan - dies allerdings ein Kapitel aus dem Buch "Für die Freunde gepflegten Selberschiebens" - bis ich mich in den Schatten der kleinen Kapelle von "St. Nicolas" (Heiliger Menchov?  ) geschleppt hatte. Auch nach ein paar Stoßgebeten um einen guten Preparatore zog es mich nicht wieder aufs Rad.

Insgesamt waren das dann letztendlich ca. 45 km mit 1300 Höhenmetern. Auf der Abfahrt hatte ich übrigens alle meine Geschwindigkeitsrekorde gebrochen und auf meinem Tacho kurz sagenhafte 43,5 km/h gesehen.



18.07.2006 L'ALPE D'HUEZ

Wir wollten den Tag mit Abfahren des Alpe d'Huez-Anstiegs vor der Etappe verbringen und anschließend dem vorbeifahrenden Tourtross unseren Tribut zollen. Also ging es erst mal mit dem Auto nach Bourg d'Oissans, wo bereits recht früh Unmengen von Zuschauern unterwegs waren. Nach Zusammenbau der Räder rollten wir Richtung Anstieg – und mit uns Tausende anderer Hobbyradler auf Renn-, Trekking- und Klapprädern. Zu Beginn gab ich mal wieder den Beltran und fuhr mich bis zur ersten Kehre derartig kaputt, dass ich absteigen musste. Meine Herren, war das steil! So schob ich mich lustig ein Stückchen bergauf, bis ich ohne nenneswerten Gesichtsverlust und halbwegs normal atmend wieder aufsteigen konnte. In Kehre 18 traf ich auf meinen wartenden "Trainer", der ziemlich heiß darauf war, weiter zu kommen. Leicht halluzinierend fiel mein Blick auf das entsprechende Schild:







Inmitten der Massen von Fußgängern und Radfahrern war das Fahren kein wirkliches Vergnügen. Wir verabredeten, uns in Kurve 10 wieder zu treffen, da ich fand, er habe nun genug Loyalität gezeigt. Ich wünschte ihm "Viel Spaß!", übernahm selbstlos den Rucksack mit unserer Verpflegung (diese Selbstlosigkeit wurde natürlich im Verlauf des Tages noch mehrfach und wortreich von mir zum Ausdruck gebracht  ), der Kamera und ähnlichem und setzte meinen Weg allein fort. Der Anstieg wurde etwas flacher, aber ich war einfach nur genervt von den Menschenmassen am Berg – das war wirklich kein Vergleich zur gestrigen Tour.

In Kurve 10 stand ein weißer Lieferwagen mit einem hübschen "Unangemeldete Dopingkontrolle"-Schild, hinter dem ich etwas Schatten erspähte, den ich mir auch gleich unter den Nagel riss. Eigentlich wäre ich jetzt gerne weitergefahren, da es gerade ganz gut lief, aber der hübsche Schattenplatz, der sicher später nicht mehr frei gewesen wäre, gab den Ausschlag, und ich beschloss, mich endgültig niederzulassen und auf den Herrn Trainer zu warten.

Die Wartezeit wurde durch allerlei lustige Begebenheiten verkürzt: Steinschlag vom Hang auf ein parkendes Auto, dessen Besitzer gerade nicht anwesend waren, die sich aber später als ziemlich ätzendes französisches Ehepaar herausstellten; ein paar Floyd-Fans, die sich mit dem Drapieren amerikanischer Fahnen an ihrem Auto und dem Aufbringen von "Floyd"-Schriftzügen auf dem Asphalt beschäftigten; ein Deutscher, der erzählte, dass er seit Tagen hier campiere und zwei Abende vorher mit Eterichs Mutter, die offensichtlich mit dem Rad unterwegs war, ein Bier getrunken hatte; drei fanatische Basken, die bereits jetzt aufgeregt mit ihrer Fahne auf und ab liefen und der Übung halber schon mal "Lan-da-lu-ze" skandierten; ein merkwürdiger Mensch in einem hinten offenen Hasenkostüm, dessen tieferer Sinn sich mir bis heute nicht erschlossen hat.

Nachdem bereits eine Weile der Hubschrauber über den mythischen Kehren kreiste, tauchte irgendwann ein Lieferwagen auf, der offensichtlich auf Anweisung des Hubschraubers hin, bestimmte Fahrbahnbeschriftungen zu übermalen hatte. Sehr lustig! Unter "Buh!!!"-Rufen der Umstehenden widmete man sich einem "Dr. Fuentes – Sprechstunde 9 bis 18 Uhr"-Schriftzug mit einem Pfeil, der auf den Campingbus einiger Zuschauer wies. Nett auch der "createur d'enthusiasme"-Aufkleber auf dem Zensur-Fahrzeug







So verging die Zeit recht schnell bis zur Rückkehr meines Begleiters, der von entmenschten Holländern ab der Kapelle von Huez berichtete, die sich allerlei Kurzweil dadurch verschafften, dass ihre halbnackten Freundinnen den Eingang zur Kapelle durch Tanzeinlagen entweihten und sie die vorbeifahrenden Radler mit Bier und Wasser übergossen.

Irgendwann kam dann die Werbekarawane und mit ihr tauchte auch das merkwürdige französische Ehepaar auf, das durch den Steinschlag eine überaus hässliche Beule an einer von der Straße nicht einzusehenden Stelle seines Autos hatte. Eine – wie mir scheint – gerechte Strafe des Herrn für den Versuch, mir einen Kühlschrankmagneten wieder abzunehmen, den ich später bei der Werbekarawane erbeuten würde

Dann nahten die Fahrer. Ausgewählte wurden angefeuert: Seppel Lang, der fast ungläubig aussah, als er seinen Namen hörte. Menchov, der sich über unsere "Go! Nicolas! Go!"-Rufe irgendwie nicht zu freuen schien. Thomas Voeckläääääääär, der auf mein Rumgechicke mit einer Geste der Resignation und Erschöpfung reagierte, die jedoch nur meine Muttergefühle neu anstachelte. Matse Kessler, den man schon von weitem an der kreativen Gestaltung seines Unterhemds erkennen konnte. Eterich Zabel, der sein eigenes Grupetto VOR dem McEwen-Grupetto anführte.















Als der Spuk vorbei war, machten wir uns möglichst schnell auf den Weg bergab. Da alle anderen dummerweise exakt den gleichen Plan verfolgten, kam es zu einem bombastischen Chaos aus Radlern, Fußgängern und Autos, in dem ein Fortkommen kaum möglich war. Nach einer Vollbremsung der Radfahrerin direkt vor mir kippte ich seitlich in eine Mauer und zog mir ein paar dekorative Schürfwunden und Hämatome zu, die sich aber nach späterer Besichtigung als halb so schlimm herausstellten.

Selberfahrertechnisch nicht gerade ein erfolgreicher Tag, war es doch sehr unterhaltsam gewesen.



19.07.2006 LA TOUSSUIRE

Für diesen Tag war nochmals Tour de France live geplant, aber diesmal wollte ich doch etwas erfolgreicher sein und den Schlussanstieg komplett fahren. Zuerst ging es mit dem Auto nach St. Jean de Maurienne, wo man uns in einem Fahrradladen freundlicherweise Ersatz für die am Vortag beim Zerlegen meines Rades auf unerklärliche Art und Weise abhanden gekommene Feder aus dem Schnellspanner des Vorderrads schenkte. Sehr nett! Danke!

Anschließend fanden wir einen genialen Parkplatz, auf dem wir uns der Fiat-Sauna entledigten und auf die Räder umstiegen. Bei 41 Grad und kaum Schatten auf den ersten Kilometern schleppten wir uns voran über Fahrbahnbeschriftungen, die sicher hinterher dem "createur d'enthusiasme"-Fahrzeug zum Opfer fallen würden, das wir eben bereits erspäht hatten ("Fuck Lance", "Lance go home" und "Ulle du Wurst"). Am Straßenrand stand ein Schild, das wir abends in den französischen Nachrichten wiedersahen und das auch nicht entfernt wurde:







Der Durst wurde groß und größer, das Trinkwasser in den Flaschen knapp und widerlich warm. Mir lag schon ein fröhliches "Wir lagen vor Madagaskar und hatten die Pest an Bord. In den Kesseln da faulte das Wasser..." auf den Lippen, als wir in Fontcouverte auf einen Brunnen stießen. Die Gier ließ mich das "non controllée"-Schild geflissentlich übersehen, das eigentlich nur aus einem Grund dort angebracht zu sein schien: den Absatz des danebenstehenden Getränkestandes zu retten. Anstandshalber kauften wir noch eine Dose Cola, die sich dann als die köstlichste Cola meines Lebens herausstellte. Mein Gott! War die gut!!! Vor Rührung küsste ich den auf der Dose abgebildeten Willy Sagnol. Nicht einmal das Wissen um seine Vereinszugehörigkeit konnte mich davon abbringen.

Erfrischt und voll neuen Tatendrangs setzten wir unseren Weg fort. Die am Fahrbahnrand lagernden Zuschauer sparten nicht mit Anfeuerungsrufen (sah ich so  jämmerlich und mitleiderregend aus?), das vorbeifahrende T-Mobile-Fahrzeug hielt an, um mich mit einem aufblasbaren Winke-Trikot zu beglücken (sah ich so deutsch aus?) und eine Weile später lief eine Gruppe fahnenschwenkender Basken ein Stück hinter mir her (konnte es eventuell an meinem orangen Oberteil liegen?).







Etwa fünf Kilometer vor dem Ziel wurde ich zum ersten Mal von einem Gendarmen energisch vom Rad gewunken. Unbeeindruckt setzte ich hinter der nächsten Kurve meine Fahrt fort – allerdings nur, um einige hundert Meter weiter wieder zum Absteigen gezwungen zu werden. Ein Stück hinter der "4km-bis-zum-Ziel"-Bande war dann endgültig Feierabend, da offensichtlich der V.I.P.-Bereich auf dem Hochplateau nicht von dahergelaufenen Hobbyradlern überflutet werden sollte. Selbst mein "Trainer", der es erzwingen wollte, kam nicht viel weiter, obwohl er sich zwei Belgiern mit seit fünf Jahren abgelaufener "Pez-Cycling-News"-Akkreditierung anschloss, die furchtlos "Nous sommes journalistes!"-rufend die Gendarmen auszutricksen versuchten, bis man alle drei nach hektischem Funkkontakt beherzt vom Rad zerrte.

Also suchten wir uns ein hübsches, schattiges Plätzchen und harrten der Dinge, die da kommen sollten. Zwischendurch erfuhren wir aus dem Radio eines französischen Autos gegenüber ein paar Details zum Etappenverlauf. Landis abgehängt? Die Vorfreude wuchs

Doch vor die Fahrer hat der Herr die Werbekarawane gesetzt, und wir erbeuteten wiederum allerlei Nutzloses und Nützliches (gut gekühlte Aquarel-Flaschen!). Das Highlight war allerdings ein "Bouygues-Telecom"-Comic, von dem ich auch noch ein Exemplar abzugeben hätte (vielleicht an einen Mathieu-Sprick-Fan?  ).

Dann tauchten endlich die Fahrer auf. Bis Voeckler kam, dauerte es allerdings eine ganze Weile, da er an unserem Standort gerade aus dem Grupetto zurückzufallen drohte. Wir peitschten ihn mit wilden Rufen wieder zum Anschluss. Vorher durften wir jedoch Zeuge werden, wie ein offensichtlich völlig entkräfteter Floyd Landis am Hinterrad von Axel Merckx (wie deprimierend muss das eigentlich sein?) den Berg hinauf an uns vorbeigeschleppt wurde.







Das erfreute Gesicht von Herrn Lang war abermals die "Go! Seppel! Go!"-Rufe wert.







Unser Nachbar, der Holländer / Niederländer / Herr im orangen Shirt, peitschte sein Idol Boogerd unter einem nicht endenwollenden Wortschwall den Anstieg hoch.







Hier noch Beppe Guerini – für die Liebhaberinnen italienischer Käsebrötchen...







... und Matse Kessler im gewohnt luftig-kreativen Outfit:







Die Abfahrt hinterher war wesentlich besser organisiert als am Vortag in Alpe d'Huez, da man erstmal sämtliche Autos zurückhielt. Da ging es zügig bergab im erfrischenden Fahrtwind. Die Fahrbahnbeschriftungen im unteren Teil waren wie vorhergesehen unkenntlich gemacht worden. Alle – bis auf eine: Das "Ulle du Wurst" prangte nach wie vor in seiner ganzen Pracht mitten auf der Straße.



20.07.2006 "WANDERTAG"

Der anschließende als Regeneration geplante Bergwandertag zur "Basse du Gerbier" mit über 1000 Höhenmetern erwies sich leider als taktische Fehlleistung. Trotz atemberaubender Landschaftseindrücke...















... war ich abends von den Folgen des ziemlich schnellen Abstiegs wie gelähmt: Muskelkater in Oberschenkeln und Waden, fette Blasen am Fuß und insgesamt sieben Bremsenstiche machten mich zu einem körperlichen Wrack. Ob das die richtige Vorbereitung auf die geplante Madeleine-Tour war?



21.07.2006 COL DE LA MADELEINE

Trotz meiner zahlreichen körperlichen Gebrechen (allerdings ohne den beherzten Griff in die Hausapotheke, nach der mein gequälter Körper förmlich schrie  ) wollte ich nicht nach Hause zurück, ohne mich an meinem Lieblingsberg zumindest versucht zu haben. So brachen wir also zeitig mit dem Auto nach La Chambre auf, um wenigstens einen Versuch zu wagen. Irgendwie war ich nun doch heiß auf eine weitere Nah-Todes-Erfahrung 

Auto abgestellt – Räder raus – los ging's! Der Muskelkater erwies sich als beim Rad fahren vernachlässigbar. Laufen konnte ich zwar nicht mehr, aber radeln ging einwandfrei. Der erste Teil der Strecke verlief größtenteils im Schatten, was bei Temperaturen um die 40 Grad eine echte Wohltat war. Da ging es trotz der 10 % Steigung recht zügig voran.







Erst als irgendwann vor St. Francois-Longchamps das Trinkwasser knapp wurde und ich auf eine mit einem "l'eau non potable"-Schild versehene Quelle zurückgreifen musste, wurde es etwas unangenehm. Hinzu kam, dass mich mittlerweile wieder die Bremsen wie Aasgeier umkreisten (merkwürdigerweise NUR mich...  ), was mich die Fahrt nicht wirklich entspannt fortsetzen ließ. Doch auch hier gab es unterwegs immer wieder Stellen, die ein Foto unbedingt wert waren:







In St. Francois-Longchamps gab es dann eine eiskalte Cola und frisches Trinkwasser. Ich war erstaunt, wie gut die Fahrt bisher für mich verlaufen war. Im Ort ging es nochmals ziemlich steil bergauf, was hinter Longchamps aber wieder etwas nachließ.







Lustig beim Überfahren waren die zahlreichen Fahrbahnaufschriften, die die ganze Angelegenheit etwas unterhaltsam gestalteten. Es ging durch Wiesen über langgezogene Kehren Richtung Passhöhe. Mittlerweile gab es keinen Schatten mehr und die Hitze setzte mir doch ziemlich zu. Ungefähr vier Kilometer vor dem Ende des Anstiegs entdeckten wir folgende Aufschriften:











Obwohl das Ziel unserer Fahrt langsam näher rückte, waren diese letzten Kilometer doch noch eine wirkliche Prüfung für Moral und Kondition. Mit dem Bild des Harzers am "Col de la Madeleine"-Schild vor meinem inneren Auge stand ich aber auch auch das durch. Als hinter der letzten Kurve plötzlich und unerwartet eben dieses Schild vor mir auftaucht, konnte ich es kaum fassen: geschafft!







Die tolle Aussicht und die kalten Getränke entschädigten für die Leiden des Anstiegs.







Gestärkt ging es in die Abfahrt, auf der ich meinen Bergab-Rekord mit einer Geschwindigkeit von 46 km/h geradezu atomisierte.







FAZIT

Entgegen all meiner Befürchtungen und übler Vorahnungen war es ein toller Urlaub. Ich bin jetzt noch erstaunt, dass ich überlebt habe. Sicherlich erscheint das ganze den Hardcore-Selberfahrern (mit oder ohne Helm ) mehr oder weniger lächerlich.

Sollte ich vielleicht noch ergänzen, dass ich anschließend erstmal den Rhein bis nach Worms gegen die Strömung geschwommen bin, eine kleine GA1-Runde mit 43er Schnitt und ca. 4500 hm durch den Taunus gedreht habe und dann noch einen Marathon in unter zwei Stunden locker ausgelaufen bin? Natürlich nur zur Regeneration...


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