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(Doping)Mittel und Methoden



Bluttransfusionen



Blutdoping-Bluttransfusionen:
Bis vor Kurzem wurde bei uns die Methode der Bluttransfusionen mit Blutdoping bezeichnet. Das hat sich geändert. Mittlerweile wird weltweit unter Blutdoping jedwede Manipulation der Hämoglobinmenge verstanden. D. h. Bluttransfusionen (direkte Methode), EPO-Doping und Doping mit anderen Ersatzstoffen (indirekte Methode) fallen unter den Begriff des Blutdopings.
(SIAB)

Siehe hierzu auch
Prevalence of Blood Doping in Samples Collected from Elite Track and Field Athletes

 

Unter Bluttransfusionen versteht man die Verabreichung von Eigen- oder Fremdblut - Vollblut oder Zubereitungen - mit dem Ziel der Leistungssteigerung. Ziel ist die Sauerstofftransportkapazität des Blutes zu erhöhen. Die Präparate, die rote Blutkörperchen enthalten, werden intravenös injiziert.

 

autologe Transfusion: Eigenblutransfusion

homologe Transfusion: Fremdbluttransfusion

heterologe Transfusion: Transfusion zwischen verschiedenen Gattungen

 

Das Eigenblut wird normalerweise einige Wochen vor dem Wettkampf abgenommen, behandelt und eingefroren. Der Körper bildet neues nach. Die Transfusion erhöht den Anteil der roten Blutkörperchen und damit den Sauerstofftransport. Häufig wird das Blut auch nach einem Höhentraining, wenn es einen hohen Hämatokrit hat, entnommen. Bislang musste aufgetautes Blut innerhalb von 24 Stunden übertragen werden. Dank eines neuen Verfahrens (Haemonetics ACP 215), das auch den Hauptverdächtigen in der spanischen Affaire um Fuentes und Co. zur Verfügung stand, kann das Blut 14 Tage aufgetaut gelagert werden. Fremdblut kann bereits kurze Zeit nach der Abnahme dem Spender zugeführt werden. Damit die Blutkörperchen schneller aktiviert werden können, reichert man das Plasma vor der Transfusion am besten mit Sauerstoff an.

 

Verbessern läßt sich die Wirkung noch durch die Einahme von EPO während einer Zeit, in der das Risiko einer entsprechenden Kontrolle minimal ist. Das so angereicherte Blut zapft man sich oder einem Spender ab, trennt Plasma und Blutkörperchen, gibt das Plasma gleich zurück und injiziert sich zum rechten Zeitpunkt die Konserve. Das Fehlen des Plasmas hat den Vorteil, den indirekten EPO-Nachweis zu unterlaufen. (NZZ, 23.9.2004)

Gesundheitliche Gefahren bestehen bei falscher Lagerung der Konserven und bei Fremdblut, wenn das Spenderblut nicht auf HIV oder Hebatitis geprüft wurde. Zudem steigt die Trombose-Gefahr, wie nach EPOgaben, wenn der Hämatokrit zu hoch ansteigt.

 

Die Zufuhr von Fremdblut, Blut eines Spenders mit derselben Blutgruppe wie der Empfänger, ist mittlerweile nachweisbar, Taylor Hamilton und Santiago Perez gingen 2004 in die Falle.

dopinginfo.de: Fremdblutnachweis

 

Eigenblutdoping ist daher gegenwärtig die bevorzugte Variante. Martial Saugy, Leiter des Lausanner Antidopinglabors, auf die Frage, warum seit Hamilton und Perez kein Fremdblutdoping mehr nachgewiesen wurde: "Heute dürfte wieder vermehrt mit Eigenblut gedopt werden, weil dies nicht nachweisbar ist. Andererseits besteht auch die Möglichkeit, dass Fremdblut so ausgewählt und bearbeitet wird, dass wir es mit unserem Test nicht mehr nachweisen können. Eine grosse Organisation, die mit Hämatologen zusammenarbeitet, kann herausfinden, mit welchen Markern wir den Nachweis erbringen können. Diese Leuten können mit unserer Technologie kompatibles Blut suchen, das nicht mehr als Fremdblut erkennbar ist." (Tages Anzeiger 31.5.2006)

Eigenblutdoping wird bislang nur durch Indizien erkennbar. Regelmäßige Analysen der Blutparameter, hier insbesondere der Reticulocyten (noch nicht ausgereifte rote Blutkörperchen), lassen Schlüsse auf Blutdoping, Fremd- oder Eigenblutdoping, zu. So testet die UCI bei Blutkontrollen morgens vor dem Start neben dem Hämatokrit auch die roten Blutkörperchen. Auffälligkeiten führen zu weiteren Maßnahmen. Ein anerkannter Dopingnachweis ist dies allerdings nicht.

Zitat: "It is important to note that a very low number of circulating reticulocytes cannot be the consequence of other non forbidden ways of increasing the total number of red cells, like living in altitude or using simulated altitude devices8. By the way, only severe medical conditions can be responsible for an important reticulocytopenia, but these pathologies are incompatible with the practice of sport at very high levels, and therefore cannot explain such results in a competing athlete. More than that, as it is stated by Gore et al.7,9 “it should be noted that the haematological milieu of increased haemoglobin together with abnormally low reticulocytes levels has not been ascribed to any known pathological abnormality in the literature”. This combination of results is not known in the medical community, and is in all likelihood due to prior use of forbidden substances that induce bone marrow stimulation, or to blood transfusion."

 

Ein weiterer indirekter Nachweis wurde geschaffen. Dazu wurde der "Blutpass eingeführt, in dem verschiedenen Werte, darunter die Hämoglobin- und die Retikulozytenmenge kontinuierlich dokumentiert werden. Auftretende Schwankungen müssen dann interpretiert werden

 

Siehe: dopinginfo.de: Blutdoping und Der Blutpass als Dopingkontrollmaßnahme

 

Pottgiesser T, Sottas PE, Echteler T, Robinson N, Umhau M, Schumacher YO: Detection of autologous blood doping with adaptively evaluated biomarkers of doping: a longitudinal blinded study.



Bluttransfusionen mit langer Tradition



die Zeit, 4.6.1976:
"Zuerst hörte man darüber aus Schweden, jetzt aber wird, hinter vorgehaltener Hand, geraunt, daß die Leistungen der Ausdauersportler der DDR durch Blutdoping noch zusätzlich verbessert werden. Ein Sportmediziner, der noch im vorigen Jahr aus der DDR fliehen konnte, weiß darüber Genaueres zu sagen. Einige Wochen vor einem entscheidenden Kampf wird dem betreffenden Sp,ortler von seinen etwa fünf bis sechs Litern Blut ein Liter entnommen. ... Bei der Winterolympiade in ... Seefeld trat der Verdacht auf, daß die DDR-Sportler durch Eigenbluttransfusion gedopt waren. Eine Möglichkeit des Nachweises durch eine Dopingkontrolle besteht hier leider nicht. Aber die Tatsache, daß viele DDR-Sportler lange Wettkampfpausen vor großen Kämpfen einlegen, spricht ebenso dafür wie die Tatsache, daß die Spitzenkönner vor Europa- und Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen in einer Klinik aufgenommen werden."




Der positive Effekt des hohen Sauerstofftransports in die Muskeln und das Gewebe auf die Ausdauerleistung war schon in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts bekannt und  bereits um 1950 wurde mit Blutdoping experimentiert. 

Tour-Arzt Dumas soll 1960 die Methode Nencini kennengelernt haben, so nannte er die Bluttransfusionen, die sich der damalige Tourgewinner von seinem Arzt verabreichen ließ. Von Jacques Anquetil wird berichtet, dass er sich 1970 in eine diskrete Luxusklinik begeben habe, um dort sein gesamtes 'verbrauchtes' Blut gegen frisches austauschen zu lassen. Eddy Merckx dagegen soll sich 1972 vehement geweigert haben, sein im Höhentraining angereichertes Blut abnehmen und später reinjizieren zu lassen, so wie es damals vor allem in Leichtathletikkreisen gerne praktiziert wurde. "1972 zapfte der schwedische Professor Björn Ekblom sieben Sportlern zwischen 0,8 und 1,2 Liter Blut ab. Zwei Wochen später führte er ihnen das Blut wieder zu und staunte nicht schlecht: Die Probanden steigerten ihre Leistungen nach der Transfusion um bis zu 23 Prozent. Noch im gleichen Jahr bestimmte der damalige Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOK), Lord Killanin: «Transfusionen sind kein Doping.»" Obwohl nicht verboten wurden Bluttransfusionen daraufhin nicht offen sondern heimlich angewandt. Niemand weiß wohl wie verbreitet sie wirklich waren. "Der Läufer Lasse Viren, dem an den Olympischen Spielen 1972 und 1976 jeweils das Double 5000 m / 10 000 m gelang, wurde von seinen Gegnern offen des Blutdopings bezichtigt. Er weist diese Unterstellungen aber bis heute weit von sich. Auch über die Methoden der DDR-Athleten wurde spekuliert. Hans Howald erinnert sich, dass 1976 an den Sommerspielen in Montreal des Gerücht ging, in einer Interflug-Maschine auf dem Flughafen, die Tag und Nacht an einem Generator hing, sei eine Blutbank untergebracht. Bewiesen wurde das nie." (NZZaS, 9.5.2004)

 

1976 hat Franz Beckenbauer in einem Stern-Interview davon gesprochen, dass es ihm mit der Injektion von Blut gelänge, auf Top-Niveau zu bleiben (Le Monde, 24.5.2006).   Auch Jupp Kapellmann hat sich mit dieser Methode behandeln lassen. (Doping im Deutschen Fußball)

 

1985 wurde offenbar, dass bei den Olympischen Sommerspielen 1984 rund ein Drittel der amerikanischen Radmannschaft Bluttransfusionen erhielt. 

Aus Finnland und Italien ist ebenfalls bekannt, dass zu der Zeit mit Blutdoping praktiziert wurde, in Italien war es besonders Professor Conconi mit Kollegen an der Universität Ferrara, der sich mit Hilfe dieser Methode um herausragende Ergebnisse kümmerten - in schönem Einklang mit dem Nationalen Olympischen Komitee Italiens (CONI). Francesco Moser hat später gestanden, dass sein Stundenweltrekord 1984 mit Hilfe von Bluttransfusionen zustande kam. Sandro Donati deckte diese Praktiken auf. UCI und IOC verboten diese Manipulation 1986. Diese Methode erbrachte in Labortests eine fast ähnlich hohe Leistungssteigerung wie später EPO, d.h. mit 5% kann man rechnen: "Bei einer Gesamtlänge der Tour de France von 3.500 Kilometern würde der Vorsprung gegenüber einem nicht gedopten Radprofi rein rechnerisch 175 Kilometer betragen - fast eine Etappenlänge." (Meutgens, TOUR 8/2006)

 

Aufgrund der Nachweisbarkeit von EPO nach 2000 wurde diese alte Methode wiederbelebt, wie es der Skandal in Spanien um Dr. Fuentes und Manolo Saiz besonders deutlich macht. Doch bereits 2003 konnte am Antidopinglabor in Lausanne anhand der Blutparameter festgestellt werden, dass drei große Radsportteams Blutdoping angewandt hatten. (Libération, 22.12.2003) Bestätigt wurden diese Praktiken durch die Aussagen von Jesús Manzano (s. hier), ehemals Kelme. Laut Matthias Kamper, Leiter der Dopingbekämpfung des Sportwissenschaftlichen Institutes SWI in Magglingen, gingen einzelne Radgruppen so weit, dass sie die Helfer anhand der Blutgruppe des Teamleaders selektionierten: "Der Wasserträger wird zum Blutträger, sein Blut kann dem Leader zugeführt werden." (NZZ, 9.5.2004)

Die UCI hatte eine Studie in Auftrag gegeben, die in Auszügen vorliegt, und nahelegt, dass nach 2001/2002 Bluttransfusionen wieder in Mode kamen.  (>>> die Kurzfassung der Studie).

 

Der amerikanische Arzt Prentice Steffen beschrieb 2005 ein angeblich gebräuchliches Vorgehen der Eigenbluttransfusion wie folgt: Um nicht aufzufallen, injizieren die Sportler die Präparate an rennentscheidenden Tagen erst nach den stattgefundenen Blutkontrollen am Morgen bzw. nach der Zeit, in der diese zu erwarten waren. Am Abend wird ihnen dann wieder Blut entnommen, damit ein zu hoher Hämatokrit beim Schlaf nicht zu gesundheitlichen Problemen führt und eventuell zu erwartende Kontrolleure am nächsten Morgen normale Parameter vorfinden. Auch das ist ein Grund, warum viele mittlerweile fordern, Dopingkontrollen direkt am Start vorzunehmen zu lassen (l'Equipe 6.10.2005, RSN, 6.10.2005).

 

Genaue Schilderungen lieferte auch Tyler Hamilton 2012. Er beschreibt in seiner vor der USADA und in seinem Buch 'Die Radsport-Mafia' ausführlich die Blutdopingpraxis im Team US Postal und als Klient von Eufemiano Fuentes.

 



"Laborratten des Sports"

Bengt Saltin, Chef der Medizinischen Kommission der FIS und Leiter des Kopenhagener "Muscle Research Center", äußert sich in einem Interview mit dem Spiegel vom 10.6.2004 wie folgt:

 

(...)

Saltin: (...) (Blutdoping) erlebt eher eine Renaissance. Da wir inzwischen verlässliche Tests auf das Hormondoping mit den Wirkstoffen Epo und Nesp durchführen, besinnen sich die Athleten auf eine altmodische Technik, die wir derzeit nur mit sehr großem Aufwand nachweisen können.

 

SPIEGEL: Wann war die Eigenblut-Transfusion denn das erste Mal in Mode?

 

Saltin: Beschrieben wurde sie bereits Ende der sechziger Jahre, und in den Siebzigern wurde sie zum Renner unter den Ausdauersportlern. Die Leichtathleten haben sie zuerst angewandt, später die Radfahrer, dann die Skilangläufer. Aber mit dem Aufkommen von Epo Ende der Achtziger geriet die Eigenblut-Gabe nahezu in Vergessenheit.

 

SPIEGEL: Wie funktioniert das Doping mit Eigenblut?

 

Saltin: Ein Athlet zapft sich einen Liter Blut ab und zentrifugiert es - so trennt er die roten Blutkörperchen vom Blutplasma. Das Plasma kippt er in den Ausguss, die roten Blutkörperchen friert er ein, mit Trockeneis bei minus 78 Grad. Irgendwann taut er sie wieder auf und spritzt sie sich einen Tag vor dem Wettkampf zurück. Das ist alles. Einfach, sauber, sicher. Im Grunde ist es wie bei einer Blutspende, nur dass da dem Patienten das Blut unbehandelt verabreicht wird.

 

SPIEGEL: Welchen Effekt hat das Verfahren?

 

Saltin: Exakt denselben wie Epo. Epo ist ein Mittel, das rote Blutkörperchen bildet, es verbessert also den Sauerstofftransport im Blut. Und je mehr Sauerstoff in den Adern unterwegs ist, desto größer ist die Leistungsfähigkeit des Menschen. So ist es auch bei der Eigenblut-Transfusion. Ein durchtrainierter Ruderer hat rund dreieinhalb Liter rote Blutkörperchen. Wenn er sich nun zusätzlich einen halben Liter davon injiziert, steigert er seine Ausdauerfähigkeit um gut zehn Prozent. Die Wirkung hält eine Woche bis zehn Tage.

 

SPIEGEL: Bei einem Sportler, der mit Epo dopt, verschlammt das Blut, es können sich Thrombosen bilden, es kann zum Herzstillstand kommen. Wie gefährlich ist das Injizieren von Eigenblut?

 

Saltin: Man kann sich eine Infektion holen, aber das ist unwahrscheinlich. Wer weiß, wie man die Kanülen und Schläuche steril hält, bekommt keine Probleme.

 

SPIEGEL: Wenn das alles so einfach ist, warum war die Eigenblut-Transfusion als Dopingmethode zwischenzeitlich verschwunden?

 

Saltin: Weil Epo effizienter ist. Sich eine Spritze mit Epo zu setzen dauert ein paar Sekunden - das Blut abzuzapfen und wieder zurückzuführen erfordert wesentlich mehr Zeit. Außerdem: Wenn ein Sportler einen Liter Blut abgibt, muss er den erst einmal nachbilden, und dafür braucht er etwa einen Monat. Und mehr als einen Liter Blut kann er nicht abgeben, weil er sonst zu schwach wäre, um noch vernünftig zu trainieren. Daher kann er auch nicht mit Eigenblut nachhelfen, wenn der Dopingeffekt abklingt.

 

SPIEGEL: Wieso nicht? Er könnte sich doch ein Depot mit Eigenblut anlegen.

 

Saltin: Nein, könnte er nicht, denn selbst gefroren kann man rote Blutkörperchen maximal fünf Wochen lagern. Ein Marathonläufer kommt wunderbar mit seinem eigenen Blut aus. Nicht aber Athleten, die am Anfang und am Ende der Olympischen Spiele einen Wettkampf haben, oder Radfahrer bei der Tour de France. Diese Sportler müssen von Kollegen oder Freunden versorgt werden.

 

SPIEGEL: Wie hat man sich das vorzustellen?

 

Saltin: Die Athleten spritzen sich das Blut eines anderen Menschen, der die gleiche Blutgruppe hat. So ein Gemisch aus Eigen- und Fremdblut ist auch kaum nachweisbar. Ich bin mir sicher, dass es Radteams gibt, die Blutspender für ihre Fahrer haben.

(...)

 

 

Maki, Mai 2006

 


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