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Saisonvorschau Gerolsteiner 2006

von Steamboat, Fotos: * Velo-Photos, ** Tick, *** Cyclingimages

 



Gerolsteiner strebt zuversichtlich der neuen Saison entgegen. Die Zusammensetzung des Kaders hat sich nicht wesentlich verändert. Verlassen haben die Equipe Uwe Peschel, Torsten Schmidt, Marco Serpellini und Thomas Ziegler. Besonders den Fortgang von Ziegler zum Konkurrenten T-Mobile muss man verschmerzen und auch das Karriereende von „Akki“ Peschel hinterlässt eine Lücke. Hingegen dürfte der Abgang der anderen beiden Fahrer weniger ins Gewicht fallen.

 

Verpflichtet wurden dafür Torsten Hiekmann von T-Mobile, den Gewinner von „Rund um Köln“ David Kopp (Wiesenhof) und Stefan Schumacher (Shimano). Ferner stößt der Bruder von Markus Fothen, Thomas, zum Team hinzu. Er soll langsam an die Luft gewöhnt werden, während die anderen drei Fahrer schon klare Positionen in den Vorstellungen des Teammanagers Holczer ausfüllen. Sie sollen helfen, dass Gerolsteiner auch 2006 wieder eine schlagkräftige Gemeinschaft wird und bei vielen Rennen weit vorne landet.

 

Die Zielsetzung bleibt für die neue Saison nahezu identisch mit der des Vorjahres und auch die allgemeine Teamstruktur hat im Wesentlichen weiter Bestand.




Gerolsteiner 2006 mit grossen Zielen **



Zielsetzung

Gerolsteiner hat wieder einen guten Kader beisammen, der den möglichst vielen verschiedenen Anforderungen der Saison gerecht werden soll. Das bedeutet, dass sowohl schlagkräftige Klassikerformationen als auch ambitionierte Delegationen an den Rundfahrten teilnehmen sollen. Neben der Pro Tour werden auch die Rennen in Deutschland sowie Österreich, Schweiz, Italien und eventuell auch wieder in den Vereinigten Staaten auf dem Programm stehen.

 

Im letzten Jahr wurden die Rollen im Team früh verteilt. Letztlich bildeten Davide Rebellin, Levy Leipheimer, Georg Totschnig, Danilo Hondo und Frank Hoj die Korsettstangen im Teamkonzept. Ihnen waren bevorzugt die Kapitänsrollen zugedacht. Die positive Dopingprobe von Hondo brachte dieses Konzept etwas ins Wanken, da nun der exponierte Sprinter für die Tour de France und Klassiker fehlte. Allerdings beeinträchtigte dieser Verlust die anderen Eckpfeiler im Team weniger. Allerdings musste mancherorts die Teamstrategie umgestrickt werden, da ab dem Zeitpunkt des Ausschlusses dauerhaft nur ein Fahrer die Sprintposition besetzen konnte, nämlich Robert Förster. Da der nicht überall fahren konnte, hoffte man auf erfolgreichere Ausreißergruppen bei einigen Rennen.

 

Auch in diesem Jahr soll sich an dem Prinzip der Rollenverteilung wenig ändern, wenngleich einige Modifikationen nötig sein werden.

 



Kernziele



Auf ihm ruhen grosse Hoffnungen: Davide Rebellin ***

Das Hauptaugenmerk wird auf die Rennen von Rebellin sowie auf die Tour de France ausgerichtet sein.

 

Rebellin wird bei vielen Klassikern seine Chancen suchen. Den Ardennenklassiker gilt  wieder die erhöhte Aufmerksamkeit, da er 2004 das Ardennen-Tripel holen konnte. Ein gutes Abschneiden ist erforderlich damit Rebellin in den Kampf um die Krone der Pro Tour wirkungsvoll eingreifen kann. Im Fokus bleiben für ihn selbstverständlich viele Herbstklassiker (GP Ouest-Plouay, Lombardei, Züri-Metzgete), bei denen das Team 2005 insgesamt gut abschneiden konnte. Nur bei der Flandern-Rundfahrt, Paris-Roubaix, Gent-Wevelgem sowie Paris-Tours wird er auf eine Teilnahme voraussichtlich verzichten, da er sich an diesen Orten nicht viele Chancen ausrechnen kann. Auch bei den einwöchigen Rundfahrten wird er wieder die Hauptverantwortung tragen. Die Ergebnisse des Vorjahres untermauern, dass diese Vorgehensweise sinnvoll ist. Man darf mit ihm bei Paris-Nizza, im Baskenland und bei der Volta A Catalunya rechnen.

 

Für die GTs bedarf es anderer Stützen. Bei der Tour de France wird Teammanager Holczer vermutlich wieder der Doppelspitze Totschnig/Leipheimer sein Vertrauen aussprechen. Leipheimer hat bereits Ansprüche für das Podium in Paris angemeldet. Deshalb ist es vorstellbar, dass sich der Österreicher stärker in den Dienst des Amerikaners stellt denn umgekehrt. Es darf aber auch wieder ein heroischer Etappensieg sein.

 

Nicht ganz uninteressant wird sein, welche Vorbereitungsrennen beide in Erwägung ziehen. Leipheimer fuhr recht erfolgreich 2005 bei der Dauphine Libere mit, während Totschnig die Tour de Suisse zum Feinschliff wählte. Vielleicht proben beide die gemeinsame Taktik bei einer Rundfahrt.

 

Selbstverständlich gelten beide auch wieder als Anwärter für den Gewinn der Deutschland-Tour. Natürlich startet man als Titelverteidiger bei der Deutschland-Tour mit großen Erwartungen und steht deswegen in der Pflicht, den anderen das Siegen schwer zu machen.

 



Weitere Eckpunkte



Was kann der Däne Frank Hoj 2006 leisten? ***

Frank Hoj wurde 2005 geholt, um das Manko des Teams bei den Frühjahrsrennen zu beheben. Geholfen hat es wenig. Bei den Veranstaltungen der Pro Tour blieb ihm in Bezug auf Punkte das Nachsehen. Er träumte vom Sieg. 2006 kann er zeigen, dass er imstande ist, in Flandern und in der Hölle des Nordens mehr zu leisten.

 

Die Position des Topsprinters bleibt 2006 z.T. weiter verwaist. Danilo Hondo wurde leider auf dem Gerichtswege nicht rehabilitiert und muss seine Sperre absitzen. Er wurde in der letzten Saison von Robert Förster bei der Tour und auch zuvor beim Giro vertreten. Förster ist sicherlich in der Lage, passable Ergebnisse zu erzielen, aber er kann die wirklichen Cracks nicht ernsthaft in Gefahr bringen. Zumindest war das der Eindruck 2005, wobei man ihm allerdings attestieren muss, den gestiegenen Anforderungen halbwegs gerecht geworden zu sein. Vielleicht kann er sich 2006 bei den Sprintankünften weiter verbessern und auch mal gewinnen.

 

Ob seiner Statur wird er aber Probleme bei den Klassikern bekommen. Wenn der Weg bei Mailand-San Remo über den Poggio führt, bestehen Zweifel, dass er dann noch in der Lotterie der besten dabei ist. Deshalb fehlt Gerolsteiner bei diesem Rennen sicherlich eine echte Alternative zu Hondo.

 



Die Kronprinzen



Klassiker und Tour: erneuter Karrieresprung für Fabian Wegmann? ***

2006 werden einige Fahrer weiter nach vorne drängen. Fabian Wegmann ist einer von ihnen, bei dem ein weiterer Karrieresprung folgerichtig wäre. Es hängt natürlich auch von der Form und des Willen seines Chefs Rebellin ab, inwiefern Wegmann z.B. freie Hand bei den Ardennenklassikern erhält. Aber auch bei den dortigen Rennen wäre eine Doppelspitze, bestehend aus beiden, denkbar.

 

Wegmann sollte auch wieder an der Tour de France teilnehmen. Bei der letztjährigen Austragung wollte er ein gewichtiges Wort bei der Vergabe des Bergtrikots mitsprechen. Sein Einsatz wirkte diesbezüglich etwas zaghaft. Zwar trug er früh in der Rundfahrt dieses Trikot für einen Tag, aber letztlich war er im Kampf um diese Wertung aussichtslos unterlegen. Vielleicht sollte er die Trauben niedriger hängen. Einen Etappensieg als Vorgabe könnte da schon realistischer klingen.

 

Der Stern von Markus Fothen stieg beim letztjährigen Giro empor. Dieses Jahr ist für ihn der Start bei der Tour vorgesehen. Da wird ihm wohl zunächst nur die Rolle des Edeldomestiken bleiben, aber vielleicht kann er bei einer einwöchigen Rundfahrt als Kapitän starten, z.B. wenn Leipheimer und Totschnig gemeinsam bei der Dauphine starten, hätte er freie Hand bei der Tour de Suisse.

 

Stefan Schumacher ist ein Neuzugang, der im vergangenen Jahr für positive wie negative Schlagzeilen gut war. Zunächst räumte er bei kleineren Rundfahrten ab, um dann wegen eines merkwürdigen Dopingbefundes vorübergehend aus dem Verkehr gezogen zu werden. Nun muss man erst mal beobachten, wie er die Sperre überstanden hat. Zweitens steigen auch für ihn die Anforderungen. Im vergangenen Jahr absolvierte er als 15. das Amstel Gold Race. Ob bei entsprechender Unterstützung noch mehr möglich ist, muss sich erst noch zeigen. Merken sollte man ihn sich auf alle Fälle.

 

Das gilt auch für seinen Freund David Kopp, der von Wiesenhof zu Gerolsteiner wechselte. Er hat nachgewiesen, dass ihm die Rennen im belgischen Frühjahr liegen. Vielleicht kann er in Flandern seinen Kapitän Hoj tatkräftig unterstützen oder gar selbst das Ruder in die Hand nehmen. Zudem steht auch die Titelverteidigung bei „Rund um Köln“ zur Debatte.





Hat 2006 die Fronten gewechselt: Torsten Hiekmann ***

Von T-Mobile stieß Torsten Hiekmann zum Team dazu. Er soll sich bei Gerolsteiner nach einer schlechten Saison berappeln. Bekanntlich wäre er nicht der erste, dessen Talent bei T-Mobile verkannt wurde, um dann bei den Gerolsteinern zu großer Form aufzulaufen.

 

Der Schweizer Sven Montgomery wird wahrscheinlich erneut die Aufgabe des Leaders beim Giro übernehmen. 2005 blieb er aus gesundheitlichen Gründen hinter den Erwartungen. In diesem Jahr ist davon auszugehen, dass er unter Zugzwang steht. Eine Platzierung jenseits der ersten 20 wird sich wahrscheinlich nicht positiv auf eine Weiterbeschäftigung auswirken.

 

Auf dem internationalen Parkett werden sicher die Zberg-Brüder benötigt. Gerade, wenn der Tross des Radsports in der Schweiz halt machen wird, dürfte die Chancen der Brüder gekommen sein, um den Teamsponsor zu erfreuen.

 

Größte Aufmerksamkeit wird dem Fortverlauf der Karriere von Heinrich Haussler gelten. Neben einem ersten Ausrufezeichen bei Paris-Roubaix gefiel er als Etappensieger bei der Vuelta. Danach holte er bei dem Klassiker Züri-Metzgete den siebten Platz. Man muss ihm Zeit zur Entwicklung geben, dann wird noch lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht sein. Gerolsteiner wird hoffentlich noch viel Freude an ihm haben.



Aufstellung für die GTs.



Tour de France



Kapitän I: Levi Leipheimer *



Kapitän II: Georg Totschnig ***

Da die Tour de France eine zentralen Punkt in den Teamplanungen darstellt, werden sich viele Fahrer bemühen, Totschnig und Leipheimer zu begleiten. Das Ticket hat Markus Fothen offenkundig schon sicher.

 

Aus der letztjährigen Formation wird vermutlich Michael Rich keine guten Karten für einen erneuten Einsatz haben. Zum einen konnte er beim Zeitfahren im Vorjahr nicht wie erhofft glänzen, zum anderen wird ohne Mannschaftszeitfahren ein wichtiges Argument für seinen Einsatz fehlen. Deshalb wird eine Position im Team neu zu vergeben sein, die mit Fothen neu besetzt wird.

 

Eine wichtige Frage lautet, ob Sprinter Förster an den Start gehen wird. Auf der einen Seite spricht dagegen, dass deshalb auf einen weiteren Fahrer verzichtet werden müsste, der die Klassementfahrer unterstützt. Andererseits kann man für seinen Einsatz mit der Tatsache argumentieren, dass mehr Sprinter als 2005 teilnehmen werden. Normalerweise würden die italienischen Sprinter den Giro als Start auswählen. Da aber in diesem Jahr nur wenige Sprintetappen in Italien eingeplant wurden, rückt die Tour auch für diese Fahrer stärker in den Fokus. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit für viele Sprintankünfte in Frankreich. Diesbezüglich wäre es nicht verkehrt, einen Fahrer zu haben, der mit um den Sieg sprinten kann. Dieses würde ebeno Paco Wrolich einen Platz im Team näher bringen, der erneut in die Anfahrerrolle für Förster schlüpfen wird.

 

Sollte man sich bei Gerolsteiner für die Teilnahme eines Sprinters entscheiden, wären Förster und dann auch wahrscheinlich Wrolich dabei. Möchte man auf Förster verzichten, würden die Zberg-Brüder neben Wrolich in den engeren Kreis der Tour-Kandidaten rücken.

 

Letztes Jahr waren Sebastian Lang und Ronny Scholz bei der Tour am Start. Das dürfte auch 2006 wieder der Fall sein. Fabian Wegmann darf sich bei normalem Saisonverlauf wieder im Starterfeld der Tour wähnen, wobei wohl erneut das Bergtrikot als Ziel ausgeben wird.

 

Bliebe folglich nur noch eine Position frei. Zur Unterstützung für Förster käme Haselbacher in Betracht. Angesichts der Anforderungen im Klassement halte ich eine andere Alternative für wahrscheinlicher und sinnvoller. Vorstellbar wären Beat Zberg wie auch sein Bruder Marcus. Es wäre wünschenswert, dass sich Torsten Hiekmann wieder erholt und zu alter Form zurückfindet, dann kann man ihn zu den heißen Kandidaten zählen.

 



Giro d'Italia



Kapitän für den Giro: Sven Montgomery *

Beim Giro erhält vermutlich wieder Montgomery die komplette Verantwortung. Wahrscheinlich braucht er keinen Co-Kapitän wie Fothen im Vorjahr zu fürchten. Als seine Mitstreiter gelten Moletta, Krauß und Strauss sehr wahrscheinlich als gesetzt.

 

Daneben ist es ein offenes Geheimnis, dass Haussler nach seinen letztjährigen Erfahrungen bei der Vuelta beim Giro starten darf. Auch Schumacher hält das Ticket relativ sicher in den Händen. Es dürfte sehr interessant sein, wie er sich bei einer großen Rundfahrt schlägt. Dann ist der Weg zu seinem Kumpel Kopp nicht mehr weit, der wahrscheinlich auch an den Start gehen darf.

 

Die letzten zwei Plätze sind noch nicht fest vergeben. Rebellin wäre eine unwahrscheinliche Option, wenn er gute Aussichten in der Pro Tour Einzelwertung hat. Für ihn gibt es im Vergleich zu anderen Rennen beim Giro zu wenig zu holen, da er kein Kandidat für vordere Platzierungen im Klassement ist.

 

Da die Konkurrenz in Italien bei Einzelzeitfahren in der Regel überschaubar bleibt, kann man evtl. mit einem Einsatz des Oldies Michael Rich rechnen.

 

Vermutlich ist wie erwähnt mit weniger Sprintankünften zu rechnen. Somit sollte die Position des Massensprinters nicht zwangsläufig vollwertig ausgefüllt werden. Es wäre ratsamer, einen schnellen Mann mitzunehmen, der in Fluchtgruppen etwas ausrichten kann. Dafür würde sich Haselbacher anbieten.



Vuelta a Espana

Die Spanien-Rundfahrt ist kein Lieblingskind der Gerolsteiner. Die letztjährige Formation wurde weniger nach Leistungsgesichtspunkten ausgewählt, sondern es starteten diejenigen, die die Luft bei GTs schnuppern sollten bzw. diejenigen, die bis dahin noch keine GT bestritten hatten oder noch kein passables Saisonergebnis vorweisen konnten.

 

 

Dafür werden vermutlich wieder die Fahrer bestimmt, die noch keine GT in 2006 bestritten haben. Möglicherweise kann sich hier auch jemand wieder finden, der sich in der Saison verletzt hatte. Wenn z.B. Leipheimer nicht bei der Tour starten könnte, dann könnte er der Kapitän in Spanien sein. Folglich würde sich dann etwas die Zielsetzung bei der Rundfahrt verschieben, und er bekäme dann ein Team zur Seite, das ihm für ein gutes Resultat behilflich sein wird.

 

Ansonsten sollte man eher damit rechnen, dass diese Fahrer dabei sind: Montgomery, Haselbacher, Hoj, Moletta, Ordowski, Russ, Strauss und Zberg-Brüder.

 



Ausblick

Die Gerolsteiner wollen wieder auf vielen Hochzeiten tanzen, das können sie aber auch, ohne sich zu verkalkulieren. Die Ziele werden wieder sehr hoch gewählt. Leipheimer strebt bei der Tour das Podium an. Rebellin nimmt die Jagd auf Klassiker und Pro Tour Wertung auf. Fabian Wegmann muss damit zurecht kommen, dass auch die Erwartungen und Ansprüche gestiegen sind. Vielleicht kann er diesen aber auch ebenso gerecht werden.


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