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Ein Herz für Kinder - Jungradler im C4F-Interview



Robert Bengsch




Geb.: 06.10.1983

Land: Deutschland

 

Robert Bengsch gehört zu den weltweit größten Talenten auf der Bahn. Aber auch auf der Straße hat er Einiges drauf. Soviel, dass er letztes Jahr einen Stagiairevertrag bei T-Mobile bekam. Profi ist er zwar nicht geworden, aber bei der Bahnweltmeisterschaft werden wir ihn trotzdem im Fernsehen sehen dürfen.

 

ISPO Hoffi und ogkempf sprachen im Januar 2006 mit dem Verfolgungsboliden über die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft. Ganz im Stile echter Rasseradsportjournalisten gab es natürlich auch zwei Fragen zu Jan Ullrich aufs Auge…. Die Fotos schoss Hanna.

 



das Interview

Du hast einen interessanten Spitznamen, wem hast du denn mal etwas gebrochen?

Das ist schwer zu erklären. McBahnBrecher heiße ich eigentlich seit dem Jahr 2000. Damals habe ich in Frankfurt an der Oder eine Kraft- Leistungsdiagnostik gemacht und hatte dabei ziemlich gute Werte. Und dann ist des öfteren an meinem Rad noch etwas zu Bruch gegangen. Und so kam das Eine zum Anderen und der Name hat sich inzwischen sehr gefestigt.

 

Du hast also sozusagen den Ergometer zerbrochen?!

Naja, eigentlich waren es eher die Ergo-Ergebnisse und Bestleistungen zu damaligen Juniorenzeiten.

 

Demnach bist du ein neuer Ullrich? Der siebte, wenn ich richtig gezählt habe…

Nein, nein, so weit ist es noch lange nicht. Aber er ist natürlich schon ein großes Vorbild für mich.

 

Du bist ja letztes Jahr mit Jan Ullrich gefahren, wie war es als Stagiaire bei T-Mobile zu fahren?

Wie das war? Ganz einfach: ein geiles Gefühl! Mit Ulle beim Frühstück, in der Besprechung im Rennen…das ist schon unbeschreiblich!

 





Harz-RF 2005:
"Bengsch bewies in gewohnter Manier seinen großen Kampfgeist und ging die nachfolgenden Steigungen und Abfahrten im Hochharz allein an. Pech für ihn, dass er acht Kilometer vor dem Ziel noch eingefangen wurde. Aber er hielt sich nach diesem Soloritt tapfer in der neuen Spitzengruppe, zumal Teamkamerad Paul Martens inzwischen den Team-Sieg anstrebte. Der fünfte Platz in der Bundesliga-Gesamtwertung ist für Robert Bengsch verdienter Lohn für eine seit Wochen anhaltenden Spitzenform!"
(KED-Bianchi-Team)

Leider hast du aber keinen Vertrag bei Magenta bekommen. Hast du jetzt mit einer (Profi-)Karriere auf der Straße abgeschlossen?

Nein, auf keinen Fall, ich versuche es sicher noch ein weiteres Mal. Ich fahre jetzt noch ein Jahr U23 Bundesliga als älterer Jahrgang für KED Berlin. Da hat man natürlich gute Möglichkeiten auf sich aufmerksam zu machen.

 

Wie macht man am besten auf sich aufmerksam? Sind gute Leistungen auf der Straße alles, oder wirst du auch weiterhin auf der Bahn glänzen?

Also bis zur Bahn-Weltmeisterschaft April konzentriere ich mich voll auf die Mannschaftsverfolgung. Die Bundeswehr ist mein Arbeitgeber und die deutsche Sporthilfe finanziert mich, deswegen hat die Bahn zur Zeit natürlich volle Priorität.

Meine Straßensaison beginnt erst im Mai!

 

Gibt es schon Kontakte oder gar Vorverträge für einen erneuten Vertrag als Stagiaire?

Also Kontakte gibt es schon, aber einen Vorvertrag habe ich nicht.

 

Ist es auch die Hoffnung auf eine Straßenkarriere, die dich davon abgehalten hat von KED Berlin weg zu wechseln?

Ein Aspekt ist,  dass ich bei KED noch ein weiteres Jahr Bundesliga fahren kann. Das hat mich natürlich sehr gereizt! Aber auch andere Faktoren spielten für meine Entscheidung eine große Rolle!

 

Als Mitglied der Bahn-Nationalmannschaft wirst du auch vom BDR für Rundfahrten auf der Straße nominiert. Bekommst du mehr Einsätze mit KED oder mit der Nationalmannschaft?

Also ungefähr 75% werde ich bei der Nationalmannschaft fahren und 25% bei KED. Wie gesagt, in erster Linie bleibe ich vorerst Bahnfahrer.

 



Letztes Jahr in Queidersbach hat es dich im Bundesligarennen richtig zerlegt. Auf der Bahn passiert so etwas sicher seltener. Hast du nach einem morgendlichen Blick in den Spiegel die Straße verflucht?

Ich habe noch eine Narbe im Gesicht behalten, das tut schon weh. Aber es gehört zu meinem Job mit dem Risiko zu leben.

 

Hat es dich auf der Bahn auch schon einmal so richtig böse zerlegt?

Ja, 1997 hat es mich auch einmal böse erwischt. Da hatte ich plötzlich eine Speiche im Rücken. Ich hoffe nur, dass ich im Vierer nie stürze!

 




Robert Bengsch während der



Bahn DM 2005



Du gehörst trotz deines geringen Alters schon jetzt zu den besten Verfolgern Deutschlands, du stehst im Vierer, warst bei der letzten WM sechs Sekunden hinter Weltmeister Bartko Elfter. Wo willst du dieses Jahr hin? Und wo siehst du dich in fernerer Zukunft?

Die Weltmeisterschaft in der Einerverfolgung lief super für mich. Dafür hat es im Vierer richtig weh getan. Dieses Jahr werde ich mich voll und ganz auf den Vierer konzentrieren und bei der Weltmeisterschaft eine Medaille gewinnen.

 

Gibt es international auch Fahrer, die in deinem Alter in der Verfolgung schon in der erweiterten Weltspitze zu finden sind?

Ja, der Ukrainer Volodymyr Dyudya, der dieses Jahr bei Milram Profi geworden ist, oder der Franzose Fabien Sanchez von FDJ. Die sind genauso alt wie ich und auch richtig schnell. Der Russe Ignatiev ist sogar noch jünger und in der Mannschaftsverfolgung und dem Madison kann der richtig was.

National haben wir mit Leif Lampater auch noch einen Klassemann!

 

Angenommen wir würden dir eine Zeitmaschine zum Geburtstag schenken: Mit welchen drei Verfolgern würdest du gern mal im Vierer fahren wollen?

Ja wenn ich jetzt drei total krasse Namen schreiben würde, würde ich mir im Endeffekt nur selbst weh tun. Ich bleibe bei Robert Bartko, Guido Fulst und Leif Lampater!

 

Was fällt dir spontan zu „Peking“ ein?

Da möchte ich ganz oben stehen. Ich weiß aber, dass ich dafür noch sehr viel arbeiten muss...

 

Gibt es außer der Verfolgung auf der Bahn noch eine Disziplin die dich besonders reizt? Auch im Hinblick auf Olympia?

Mannschaftsverfolgung und Einzelverfolgung! Und da volle Konzentration!

 

Also kein Scratch, Punktefahren oder andere spektakuläre Ausflüge?

Nein, nur Verfolgung!





Sixdays Berlin 2006: "Aber da hatten alle die Rechnung ohne Robert Bengsch gemacht. Der Lange kam in guter Position in die Schlußwertung und überspurtete mit einer beeindruckenden Leistung seine direkten Rivalen Keisse und Madsen. Ein toller Erfolg! Und Bestätigung für die Berliner Sechstage-Organisatoren, die seit Jahren immer wieder gerade jungen Fahrern eine Chance geben. Robert Bengsch hat sie genutzt und feierte seinen ersten Sieg in einer Großen Jagd!"
(PM Sechstagerennen Berlin, 2. Tag)

Hast du auch Ambitionen à la Bartko Sechstagerennen aufzumischen?

Klar, ich habe ja schon vier Rennen bei den Profis auf dem Konto. 2004 und 2005 war ich in Berlin am Start, 2005 in München und dieses Jahr in Bremen. Berlin 2006 steht kurz vor der Tür.

 

Und was war dein Toppresultat bisher?

Dieses Jahr war ich mit dem Schweizer Alexander Aeschbach mit 266 Punkten auf Platz Acht!

 

Wenn es mit dem Radsport aus irgendwelchen Gründen irgendwann nicht mehr klappen würde, wie würde dein Leben aussehen?

Gute Frage! Also erstmal gilt für mich volle Konzentration auf den Sport. Danach könnte ich mir einen Job als Trainer, zum Beispiel Bundestrainer, gut vorstellen. Ein Managementjob wäre auch gut, auf jedem Fall möchte ich „dem Sport erhalten bleiben“, wie man so schön sagt.

 

Angenommen du bist dem Sport 2010 nur als Fan erhalten geblieben, bei welchem Rennen würdest du auf jeden Fall am Straßen- oder Bahnrand stehen?

Also auf der Bahn würde ich auf jeden Fall die olympischen Verfolgungsrennen sehen wollen. Und auf der Straße die Klassiker in Belgien und Tour de France-Etappen!

 

Na dann vielen Dank für Speis und Trank und viel Erfolg in der Saison!

Keine Ursache!



 

© cycling4fans

von ogkempf, Ispo Hoffi, Januar 2006

© Fotos: Peloton-Pictures.com


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