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Kurt Stöpel: Tour de France 1932

 
 
Titel: 
Tour de France 
 
Ein Erlebnisbericht von der "Grande Boucle" 1932 
Autor: 
Kurt Stöpel 
 
mit einem Nachwort von Helmer Boelsen 
Verlag: 
Covadonga, 2004 
 
Originalausgabe erschienen 1952 
Layout: 
188 S., Format 28 x 21,5 cm, 90 Fotos 
ISBN: 
3-936973-10-5 
Preis: 
€ 24,80 


 




Tour de France 1932: Der Deutsche Kurt Stöpel wird glorreicher Zweiter einer spannenden Rundfahrt. Zwanzig Jahre später, 1952 veröffentlicht er seine Aufzeichnungen. Warum so spät? Lag es an der politischen Entwicklung, die in der Zwischenzeit Europa in den Abgrund gestürzt hatte? Die Vermutung liegt nahe.

 

1932 sah die Radsportwelt in Frankreich noch friedlich aus. Rivalitäten - ja, Kämpfe mit allen Tricks auf allen Ebenen, nicht fair, durchaus parteiisch und national gefärbt - ja. Aber Kurt Stöpel erweckt den Eindruck, dass zwischen den Fahrern unterschiedlicher Nationalität durchaus so etwas wie Freundschaft entstehen konnte, dass er als deutscher Sportler die Sympathien vieler Franzosen zu spüren bekam und eine aufrichtige gegenseitige Achtung zwischen Franzosen und Deutschen existierte. 

 

5 nationale Teams à 8 Fahrer, die 'Asse’, starteten gemeinsam mit 40 Einzelkämpfern, den 'Isolierten', oder auch 'Touristen’, um 4520 km zurückzulegen. Allen gemeinsam war der Wunsch ohne schwere Verletzungen zu bleiben und in Paris anzukommen. 57 von ihnen gelang dies. Erstaunlich vielen, bin ich beim Lesen der plastischen Schilderungen Stöpel’s versucht zu sagen...

 

Die längste Bergetappe betrug 322 km. Auf schmalen, geröllübersäten Wegen kämpften sich die Fahrer bei Eis und Schnee, Regen und brütender Hitze die Berge hoch. Die rasenden Abfahrten entlang ungesicherter Abgründe lassen an Kamikazeflieger denken - schwere Stürze waren denn auch nicht selten. 

 

Erschwert wurde alles dadurch, dass die 'Asse’ im Gegensatz zu den 'Touristen' mit Rädern ohne Gangschaltung auskommen mussten, denn das sportliche Niveau der Tour de France sollte nach Ansicht der allmächtigen Tourleitung gewahrt bleiben. Darum hieß es stets absteigen und per Hand neu ketten. Zudem erhielten viele Fahrer unterwegs, darunter auch die Deutschen, kaum Unterstützung durch ihre persönlichen Betreuer. Den Franzosen, Italienern und Belgiern allerdings boten sich da wesentlich bessere Möglichkeiten.

 

Bei all diesen Beschwernissen musste daher schon einmal eine Rast in trauter Eintracht mit Rivalen sein, auch wenn dies bedeutete, dass andere, distanziert  scheinende Gegner, wieder aufschließen konnten. Doch ohne dieses Innehalten wäre das Ziel womöglich nie erreicht worden.

 

Die Etappen wurden begleitet von der lebhaften Anteilnahme und Begeisterung der Fans, die mindestens genauso 'verrückt' waren wie die der Gegenwart. Zig Tausende aus allen gesellschaftlichen Schichten strömten zu den spannendsten Abschnitten, und auf Flachetappen gelang es dann und wann einer Gruppe radelnder junger Damen die harten Kerle aufzuheitern und sie mit Rotwein zu versorgen.

 

Kurt Stöpel beschreibt eindringlich, wie unterschiedlich sich mannschaftliche Geschlossenheit und Taktik bemerkbar machten. Die Team-Expresszüge unserer Tage hatten ihre Vorläufer. Voll des Lobes äußert er sich über die Franzosen und Belgier, die teilweise schon zehn Kilometer vor dem Ziel auf diese Weise begannen ihre Sieganwärter im Stile eines Mannschaftszeitfahrens zu puschen. Dagegen mussten die deutschen Fahrer erst im Laufe der Rundfahrt zu mannschaftlicher Geschlossenheit finden.

 

FAZIT:

Es ist eine sehr subjektive und wahrscheinlich geschönte Sicht der Dinge, vieles dürfte noch wesentlich härter und unerfreulicher abgelaufen sein. Aber Kurt Stöpel, der von den Franzosen ‚der Philosoph’ und den Deutschen 'Professor' genannt wurde, konnte schreiben. Seine kraftvolle, reiche und intelligente Sprache weckt Stimmungen, Empfindungen, lässt miterleben und bringt uns die Radsportrealitäten der 30er Jahre nahe. Er beschränkte sich nicht allein auf die Wiedergabe der Rennen, ihm gelingt es auch, die Ereignisse in die Landschaften und die Gesellschaft einzubinden. Er weiß Atmosphäre zu erzeugen...

 

Ich finde, es ist ein spannendes, sehr informatives und dank der vielen Schwarz-Weiß-Fotographien, auch ein sehr schön anzusehendes Buch.

 

von maki


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