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Ein Treffen mit Christoph von Kleinsorgen

Dezember 2002

 

Ist schon beeindruckend wenn ein Radprofi vor einem den Berg hochstrampelt und man selber im Auto hinterherfährt. So ging es mir bei meinem Treffen mit Christoph von Kleinsorgen. Ich habe ihn einen Vormittag auf seiner Trainingsrunde im Münsterland begleitet und mich danach länger mit ihm unterhalten. Das Ergebnis dieses Gesprächs könnt ihr jetzt hier nachlesen.

 




Christoph von Kleinsorgen mit seinem Trainingspartner Jürgen Lücke vom Team BP Köln-Worringen



Paris-Roubaix: Nach 200 Km war Schluss. Nach einem Defekt seines Teamkameraden Frank Hoj gab er diesem sein Vorderrad und stieg um in den Materialwagen. Seine Arbeit war getan, den Rest mussten die Kollegen verrichten. Von Enttäuschung aber keine Spur. Im Gegenteil. Christoph von Kleinsorgen schwärmt noch heute vom Erlebnis Paris-Roubaix. Frank Hoj beendete dieses Rennen auch mit Hilfe von Christoph von Kleinsorgen auf dem 14. Platz. Lars Michaelsen auf dem 5. sowie Raphael Schweda auf dem 11. komplettierten das Ergebnis.

 

Die Hatz über das Kopfsteinpflaster übt seit diesem Tag auch auf Christoph einen magischen Reiz aus. So zählt dieses Rennen auch zu den bisherigen Höhepunkten in seiner noch jungen Radsportler-Karriere.

 

 

Eigentlich begann die Laufbahn von Christoph von Kleinsorgen aber nicht auf den schmalen Reifen. Es zog ihn auf das bei jungen Leuten populärere Mountainbike. Eine gute Technik im Gelände sorgten beim 15 jährigen schon recht bald für Erfolge. Zwei Jahre gehörte er der Landesauswahl NRW an, belegte als Junior den 2. Platz im NRW-Cup der Mountainbiker und verfehlte als vierter nur knapp das Podium der Landesmeisterschaft.

 

Im Jahre 1996 beginnt Christoph dann zur Steigerung seiner Ausdauer mit dem Training auf der Strasse. Kondition fürs Gelände muss her. Sein Trainer Dimitri Botschkarew empfiehlt ihm diesen Schritt. Eher nebenbei startet Christoph nach einiger Zeit bei Straßenrennen. "Dort konnte man mit Prämien auch ein wenig Geld verdienen", so sein Kommentar zu seinen ersten Versuchen auf der Straße. Schnell stellen sich auch dort die ersten Erfolge ein. 1996 wird er in seiner Altersklasse Norddeutscher Straßenmeister. Ein Jahr später startet er in der Junioren Klasse. 1998 ist er Mitglied der Mannschaft des RSV Coesfeld in der Junioren-Bundesliga. Unter anderem der jetzige Telekom-Profi Torsten Hiekmann zählt in dieser Zeit zur sportlichen Konkurrenz. Das Mountainbike entwickelt sich immer mehr zum Trainingsgerät im Winter.

 

Unter seinem Trainer Botschkarew lernt er beim RSV Coesfeld schon früh das Einmaleins des Radsports. Teamwork wird großgeschrieben, Mannschaftsdienliche Fahrweise gefördert. Eine solide Ausbildung, die ihm heute im Team Coast noch immer von Nutzen ist. Christoph hat kein Problem damit für andere zu arbeiten, für sie den Rücken krumm zu machen. "Ich werde dafür bezahlt, den Kapitänen zu helfen, dies allein ist meine Aufgabe." so lautet seine Maxime.

 

Erfolgreiches Training setzt schon im Juniorenalter eine fortwährende Belastungssteuerung und Leistungskontrolle voraus. Trainer Botschkarew arbeitet schon früh mit von Kleinsorgen nach diesem Prinzip. Seine Leistungsdaten wurden stetig ausgewertet, das Training danach ausgerichtet.

 




In den Jahren 1998/99 erfolgt dann ein kurzfristiger Ausflug auf die Bahn. Er gewinnt den Zukunftspreis im Rahmen des Dortmunder Sechstagerennens, sowie den Weihnachtspreis der Amateure. Bei der Deutschen Meisterschaft belegt er den 3. Platz im Punktefahren. Auch heute noch reizt ihn die Bahn. Gerne würde er sich einmal beim Dortmunder Sechstagrennen mit den Profis messen. Christoph: "Die Sportliche Leitung möchte dies aber noch nicht. Eine gute Trainingsgrundlage für die Straßensaison ist ihnen wichtiger. Aber irgendwann habe ich sicherlich einmal die Möglichkeit dort zu starten"

 

1999 dann sein erstes Jahr als Amateur. Es sollte zugleich auch sein letztes sein. Gegen Ende der Saison lädt ihn das damalige Wattenscheider Team Leonardo / Coast zu einigen Proberennen ein. Sein erster Start in deren Trikot erfolgt bei einem Stuttgarter Profikriterium. An der Seite von Fahrern wie Bruno Risi, Jens Lehmann oder Rolf Aldag belegt er am Ende einen Platz unter den ersten Zehn. Kurze Zeit später unterschreibt er einen Vertrag bei der damaligen GS III Mannschaft. Nur zwei Monate später wird aus dem Team Leonardo / Coast das Team Coast, es folgt der Aufstieg in die Kategorie GS II. Christoph von Kleinsorgen ist auf einmal einer der jüngsten deutschen Straßenprofis.

 

Eine andere Welt eröffnet sich nun dem 19 jährigen Jungprofi. Die Profirennen laufen anders ab als zu Amateurzeiten. Es braucht einige Zeit, bis er sich auch dort zurechtfindet. Erschwerend kommt seine schulische Belastung hinzu. Sein Fachabitur im Bereich Informatik möchte er beenden und hat sich dieses auch in seinem Vertrag zusichern lassen. Am Ende der Saison 2000 stehen für ihn 50 Renntage sowie der Schulabschluss zu Buche.

 

Auch für die Saison 2001 erhält er einen Vertrag im GS II Team Coast. Mitten in die Saisonvorbereitung hinein platzt dann die Nachricht von der Verpflichtung des Schweizers Alex Zülle.

 

Christoph von Kleinsorgen erfährt dies so nebenbei aus dem Videotext. Die Verpflichtung weiterer hochkarätiger Profis schließt sich an. Urplötzlich ist der Jungprofi Mitglied einer GS I Sportgruppe.

 

Die anfängliche "Ehrfurcht" vor den neuen Hochkarätern weicht ziemlich schnell einer kollegialen Zusammenarbeit. Seinen erfahreneren und erfolgreicheren Mannschaftskollegen begegnet Christoph mit normalem Respekt. "Alex Zülle z.B. ist ein total netter Typ. Er unterhält uns mit seinen Anekdoten beim Essen, gibt uns Tipps - wir jungen Fahrer profitieren sehr von ihm. Über seine Dopingvergangenheit spricht er ganz offen."

 

An seinen Aufgaben ändert sich für Christoph zuerst einmal nichts Grundlegendes. "Mir ist egal für welchen Kapitän ich fahren muss, bei welchem Rennen dies ist. Hauptsache ich erfülle meine Aufgaben", so Christoph. Am Ende der Saison 2001 steht für ihn als Höhepunkt und Saisonabschluss das Weltcuprennen Paris - Tours auf dem Programm. Er beendet dieses auf dem 105. Platz. Viel wichtiger als die Platzierung ist für ihn aber die Erkenntnis solche Rennen durchstehen zu können. Seine Aufgaben im Team hat er an diesem Tag zur Zufriedenheit aller durchgeführt. Aufgrund dieser Leistung erfolgte in diesem Jahr unter anderem der Start bei Paris-Roubaix.

 

Auch wenn die erste Saison von als Coast GS I Team eher dürftig war und die selbst gesteckten Ziele nicht erreicht, die Erwartungen nicht erfüllt wurden, für Christoph bot sie eine Chance zur Weiterentwicklung. "Die Nicht-Einladung zur Tour de France war für uns im letzten Jahr keine Überraschung und auch keine Enttäuschung." In der Rangliste lag man am Ende der Saison nur einen Platz vor Mercatone Uno. "International waren wir nicht anerkannt, uns fehlten einfach die nötigen Ergebnisse", so Christoph.

 

Er selber aber profitierte unheimlich vom Aufstieg, schnupperte Rennluft bei hochkarätigen, internationalen Rennen, stand im Wettstreit mit den "Cracks" der Szene.

 




Mit einigen neuen Fahrern, sowie einem veränderten Management ging es in die Saison 2002. Gerade von Marcel Wüst ist er sehr angetan. "Er brachte frischen Wind ins Team und versteht es die Leute zu motivieren." so seine Meinung.

 

Marcel Wüst verstand es Christoph auch auf ganz besondere Art und Weise zu motivieren. Er führte ihm einfach Parallelen zwischen dem jungen Wüst und dem jungen von Kleinsorgen vor Augen.

 

So fuhren beide u.a. nie in einem BDR-Nationalkader, nahmen nie an einer Nachwuchs-WM teil und schafften trotzdem den Einstieg in den Profisport.

 

Sehr viel profitiert er auch vom Sportlichen Leiter Andreas Petermann. Dieser sitzt meist im Begleitfahrzeug der Rennen die Christoph bestreitet und erstellt ihm die Trainingspläne. Sie verbindet mittlerweile ein freundschaftliches Verhältnis. Die Tour de Qatar wurde für beide zu einem großartigem Erlebnis und Saisonauftakt. Thorsten Wilhelms gewann zwei Etappen sowie die Gesamtwertung. Christoph wuchs in diesen Tagen über sich hinaus und wurde zu einem wichtigen Helfer, der mit zu diesem Erfolg beitrug.

 

"Qatar war einfach grandios. Selbst wenn die Fahrer vom Team Coast nur am Strand lagen, wir waren sofort umlagert von Fotografen. Die Moral in dieser Truppe war einfach hervorragend, sie übertrug sich mit Sicherheit auch auf die Daheimgebliebenen und sorgte mit für die weiteren Erfolge im Laufe der Saison.

 

 

Nur ein paar Monate später folgte dann aber ein Tiefpunkt für Christoph von Kleinsorgen sowie das ganze Team Coast. Die Société du Tour de France nominierte Coast trotz hervorragender Leistungen nicht für die Frankreich-Rundfahrt. Über das bevorstehende Ende des Teams wurde bereits gemunkelt. "Vor dem Rennen Rund um den Flughafen Köln-Bonn saßen wir bis Nachts um zwei zusammen und haben uns Gedanken gemacht über unsere Zukunft. An das bevorstehende Rennen verschwendeten wir keinen Gedanken." erzählt Christoph. Ein Blick in die Ergebnisliste unterstreicht dies. Günter Dahms gelang es dann seine Fahrer wieder "aufzumuntern". Noch während des Rennens teilte er ihnen seinen Entschluss mit, das Team Coast auch im kommenden Jahr weiterzuführen.

 

Für Christoph ist die Person Dahms sehr wichtig. Er beschreibt ihn als Radsport-Perfektionisten und als ungeheuer ehrgeizig. "Für "seine" Rennfahrer tut er alles. "Mich unterstützt er wo er nur kann. Wir Fahrer versuchen immer ihm dieses Vertrauen mit Leistung zurückzugeben."

 

Kontakte im Peloton bestehen hauptsächlich zu den jüngeren Fahrern aus anderen Mannschaften. Mit Fabian Wegmann vom Team Gerolsteiner trainiert er regelmäßig. Auch Fabians Bruder Christian ist oft Trainingspartner.

 

Zum Ende der abgelaufenen Saison stellten sich auch die ersten Erfolge für Christoph selber ein. Beim Circuit Franco-Belge belegte er auf der ersten Etappe den zweiten Platz und konnte sich zwischenzeitlich sogar das Trikot des Führenden überstreifen.

 

Aber auch die Erfolge anderer Coast-Fahrer bestätigen ihn auf seinem Weg. "Bei den Siegen von Steffen Radochla, unter anderem über Robbie McEwen, war ich als Helfer mit dabei.", beschreibt Christoph selbstbewußt seine Rolle und Stellung im Team.

 

Auch in der kommenden Saison wird Christoph wohl das Trikot von Coast-Powerade tragen. Zur Zeit kommt ein Wechsel für ihn nicht in Frage. Viel zu wohl fühlt er sich in dieser Mannschaft. Reizen würde ihn einzig ein Wechsel zu einer Nachwuchsmannschaft mit dem Format eines GS III Teams, welches von Mapei in dieser Saison unterstützt wurde. Solch eine Mannschaft ist in seinen Augen das optimale um einen jungen Fahrer gezielt zu fördern und an größere Aufgaben heranzuführen.

 

Beweisen würde er sich gerne wieder beim Klassiker Paris-Roubaix. Dieses Rennen zu beenden und sein Vorderrad zu behalten ist aber nur ein Ziel in der noch jungen Karriere.

 





Nachsatz: Vielen Dank an Christoph für seine Offenheit. Für die nächste Saison alles Gute. An der Muur von Huy werde ich Dich bei Gelegenheit wieder den Berg hochschieben. Zumindest ein kleines Stück ;)

 

Beitrag von Stephan

 

>>> hier geht es zum Interview mit Christoph von Kleinsorgen 


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