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Hans 'Hennes' Roth - Bilder des Radsports

 

Seit 30 Jahren begleitet der Fotograf Hans-Alfred Roth, genannt 'Hennes', die Radsportler mit seiner Kamera:

 

Tour de France 1980. Zusammen mit einem Kollegen wartet der Fotograf Hans Roth am Ziel in Wiesbaden auf den Sprint. Drei Polizisten sind der Überzeugung dies verhindern zu müssen und weisen ihnen den Weg hinter die Absperrung. "Nix verstehen", lautet die monotone Antwort von Roth. Mehrmals noch versuchen die Ordnungshüter den Fotografen klarzumachen das sie hier nichts zu suchen hätten.

 




Sportphoto des Jahres 2001, Sven-Simon-Preis der WELT



Der Radsport wurde dem Kölner Hans "Hennes" Roth schon in die Wiege gelegt. Sein Vater engagierte sich als Manager - Trainer - Betreuer beim PSV Köln, dem traditionsreichen Radsportverein, der u.a. Marcel Wüst hervorbrachte. Dieter Koslar formte später aus diesem Verein heraus die heutige Profimannschaft Team Cologne. Im Winter betätigte sich Roth Senior zusammen mit Herbert Watterott außerdem noch als Hallensprecher des Kölner Sechstagerennen bis zu dessen Ende nach Abriss der Sporthalle.

 

"Am Wochenende fuhr ich mit meinem Vater und seinen Schützlingen immer zu den Rennen", so Roth, "manchmal sogar mit dem Zug." Das Treiben rund um die Rennstrecke faszinierte ihn. Lust selber aktiv zu werden verspürte er hingegen nie. "Das war mir einfach zu anstrengend. Auch heute noch bin ich froh, wenn bei einer Radtour mit meiner Frau, die Ampel hin und wieder auf Rot steht", erzählt er schmunzelnd.

 

Viel lieber begann er mit 13 Jahren bei den Rennen zu fotografieren. Auf der alten Radrennbahn am Müngersdorfer Stadion in Köln unternahm er seine ersten Schritte in diese Richtung. Eine einfache Kamera lieferte ihm die ersten Bilder. Die Verbindung zwischen seinem Interesse am Radsport und der Fotografie war hergestellt.

 

Nach der Schule begann er eine Ausbildung als Schriftsetzer. Ausgerechnet bei dem Verlag, welcher noch heute die Zeitschrift RADSPORT herausgibt. Die Radsportfotografie betrieb er weiterhin nur als Hobby.

 

Irgendwann Anfang der siebziger Jahre kam der damalige RADSPORT Chefredakteur auf ihn zu und bat ihn Fotos bei einem Rennen für eine der nächsten Ausgaben zu machen. Dem ersten Auftrag folgten immer wieder neue. Langsam wuchs er in dieses Metier hinein. Vorerst blieb es aber ein Nebenjob neben seiner Tätigkeit als Schriftsetzer.

 

1972 dann die Olympischen Spiele in München. Der Niederländer Hennie Kuiper gewinnt Gold im Straßenrennen. Die Sowjetunion dominiert das 100-km Mannschaftszeitfahren. Mit dabei "Hennes" Roth. Es ist sein erstes radsportliches Großereignis, das er als Fotograf begleitet. Der Anfang einer nun 30 Jahre dauernden Karriere als professioneller Radsportfotograf.

 

RADSPORT, TOUR sowie div. Tageszeitungen drucken seine Bilder. Auch im Internet sind seine Fotos zu finden. Radsport-news.de ist hierbei der bekannteste Abnehmer.

 

Über die Online Bilddatenbanken www.photoweb.de sowie www.augenklick.de sind seine Bilder weltweit einzusehen. Neuerdings sogar auf seiner eigenen Homepage www.foto-roth.de.

 

Über 14.500 Bilder in seinem Archiv stammen alleine aus der letzten Saison und sind für die Redaktionen abrufbar. Bei der diesjährigen Cross-WM in Zolder kamen schon wieder fast 570 Fotos zusammen, bei Paris-Roubaix um die 1.000. Sie alle müssen genauestens katalogisiert werden. Es reicht nicht nur den Namen des Fahrers dem Bild zuzuordnen. Vielmehr gehört der Aufnahmeort, das Format des Bildes (Hoch- oder Querformat), das Motiv (Siegerehrung, Zielsprint, Zeitfahren usw.) unbedingt dazu.

 

Den Redaktionen muss es möglich sein aus der großen Anzahl der Bilder das für sie passende herauszufinden. 





Hans "Hennes" Roth bei der Arbeit, Foto: radsport-photo.de


Seit einigen Jahren ist er mit seiner Fotoausrüstung auch Stammgast bei den Spielen der Kölner Haie in der DEL.

 

Es steht für ihn aber außer Frage, welchem Ereignis er den Vorzug gibt. "Ich habe schon einmal ein entscheidendes Spiel der Kölner Haie um die Deutsche Meisterschaft nicht miterlebt um bei Paris-Roubaix dabei zusein", erzählt er.

 

Überhaupt Paris-Roubaix. Diesen Frühjahrsklassiker bezeichnet er als sein Lieblingsrennen. "Schon am frühen Morgen, noch vor dem Start ist die ganz spezielle Atmosphäre zu spüren. Etwas besonderes liegt in der Luft.", schwärmt er. Überhaupt die Frühjahrsklassiker. "San Sebastian, Zürich, HEW - alles schöne Rennen. Paris - Roubaix, Mailand - San Remo, Flandern Rundfahrt, Lüttich - Bastogne - Lüttich aber sind etwas ganz besonderes. Da kennt man auch im darauffolgenden Jahr noch die Sieger der letzten Austragungen. "

 

Verändert hat sich seit 1972 die Arbeitsweise der Fotografen. "Noch vor ein paar Jahren mussten wir von Hand scharfstellen. Dazu gehörte schon ein bisschen Übung. Junge Fotografen können sich dies kaum noch vorstellen. Sie kennen nur noch die modernen Autofokus Kameras, die dies für sie übernehmen." berichtet er.

 

Auch die Weiterverarbeitung der Bilder hat sich in den letzten Jahren grundlegend gewandelt. Farbfilme wurden in Labors vor Ort bearbeitet. Schwarzweiß Aufnahmen hingegen wurden teilweise in nächtlicher Eigenarbeit im Hotel entwickelt. Eine komplette Laborausrüstung gehörte deshalb sehr häufig zum üblichen Reisegepäck.

 

Fanden die Rennen in fernen Ländern statt, kam eine weitere Schwierigkeit hinzu. Die Fotos mussten erst per Boten oder Luftfracht an die Redaktionen geschickt werden. Eine aktuelle Berichterstattung war so kaum möglich.

 

Mithilfe des Internets und der Digitalen Kameras stellt dies heute kein Problem mehr dar. Schon wenige Minuten nach der Siegerehrung befinden sich die Bilder auf den Monitoren der schreibenden Kollegen und können in deren Berichte eingebaut werden.

 

Viel Zeit verwendet Roth auch auf die Vorbereitung der Rennen. Am Samstag vor Paris - Roubaix fährt er mit seinem Kollegen Michael Bürhaus Teile der Strecke ab. Mögliche Aufnahmeorte werden begutachtet, Abkürzungen für den Renntag gesucht. Alles wird penibel genau in eine Straßenkarte eingetragen. Nur so ist es möglich das Fahrerfeld mehrmals zu Gesicht zu bekommen. Am Renntag selber übernimmt dann der Beifahrer das Kommando und lotst den Fahrer zu den einzelnen Punkten. Im letzten Jahr gelang es den beiden dank dieser intensiven Vorbereitung die Fahrer neunmal zu "erwischen". Auch dem Radsportfan empfiehlt Roth diese Art der Vorbereitung. Völlig außer acht lassen sollte man nach seiner Meinung bei Paris-Roubaix allerdings den Wald von Arensberg. "Dort bricht nach der Durchfahrt des Peloton das reinste Chaos aus. Dort kommt man nachher nicht mehr weg ohne im Stau zu stehen," berichtet er, "andere Streckenabschnitte sind ebenso interessant aber nicht so überlaufen".

 





1990: Jan Ullrich mit Turnschuhen, Foto: Hennes Roth

Aber nicht nur die radsportlichen Großereignisse begleitet er mit seiner Kamera. Ebenso gern fotografiert er die Rennen der Nachwuchsklassen.

 

Bei den Meisterschaften der Junioren und der U23 ist er ständiger Gast. Ganz egal ob Straße, Cross oder Bahn.

 

In seinem Archiv finden sich viele der heutigen Stars in jungen Jahren.

 

1990 kam er von der Deutschen Cross-Meisterschaft der Junioren nach Hause und berichtete von einem Fahrer, der in Turnschuhen am Rennen teilnahm und einen 3. Platz belegte. "Den müssen wir unbedingt im Auge behalten. Aus dem Jungen wird was." so erzählte er damals seinem Vater. 1997 gewinnt dieser "Junge" als erster Deutscher die Tour de France. Noch heute bekommt Roth beim Gedanken an die Siegerehrung auf dem Champs Elysee eine Gänsehaut.

Sehr viele der Fahrer begleitet Roth über deren ganze Karriere hinweg, die meisten Fahrer kennen ihn persönlich. Fährt er während eines Rennens auf dem Motorrad an Rolf Aldag vorbei, so begrüßt dieser ihn lachend mit: "Hast Du auch Dein Fensterleder dabei?", (Anmerkung des Autors: Mit einem Fensterleder schützen die Fotografen ihre Kamera vor Nässe)

 

Die meisten Rennen verfolgt er im Auto. Hingegen ist er bei den großen Deutschen Rennen (Rund um Köln, Henninger Turm, Deutschland Tour und HEW`s) sowie der Flandern-Rundfahrt auf dem Motorrad unterwegs. Gerade bei der Flandern-Rundfahrt ist dies notwendig um an möglichst viele Bilder zu kommen.

 

 

Mit dem Auto kommt man kaum an die wichtigen Streckenpunkte heran. Die Belgischen Fans machen sich einen Sport daraus die "Renners" möglichst oft zu sehen. Schnell steckt man da im Stau. Außerdem ist der Abstand von der Muur von Geraardsbergen, einem Streckenabschnitt der oft zur Entscheidung über Sieg oder Niederlage führt, zum Ziel einfach zu gering um dies mit dem Auto zu schaffen. Ungern erzählt er seiner Frau von den halsbrecherischen Fahrten die notwendig sind um pünktlich den Zielort Merbeke zu erreichen. "Manchmal sind es bei der Flandern-Rundfahrt nur ein paar Sekunden, die wir früher als der Sieger am Zielstrich sind."

 

Es genügt aber nicht irgendeinen Motorradfahrer zu verpflichten. Fahrer und Fotograf müssen sich genau kennen. "Der Fahrer muss wissen welche Bilder ich brauche, ob ich eher über die rechte oder linke Schulter hinweg fotografiere." Roth schwört hierbei auf die Belgier. Sie steuern ihr Motorrad sicher durch das Peloton und sind mit einem großen Wissen was den Radsport betrifft ausgestattet.

 

Was aber nützt der beste Motorradfahrer wenn es dann beim Zielsprint nicht hinhaut. "Ein Fotograf der behauptet bei bisher jedem Sprint das perfekte Bild hinbekommen zu haben sagt nicht die Wahrheit." Er erinnert sich an einen Sprint in der vergangenen Saison als 5-6 Fahrer um den Sieg kämpften. "Man wusste nicht auf welchen Fahrer man draufhalten sollte." Selbst nach dem Zieleinlauf konnten sich die Fotografen nicht sicher sein auch wirklich den Sieger erwischt zu haben. Zum Glück arbeiten einige Fotografen sehr eng zusammen, so dass man sich in einem solchen Fall gegenseitig hilft.

 

Angesprochen auf die große Zahl der Radsportfans und gleichzeitigen Hobbyfotografen bei den Rennen reagiert er ziemlich gelassen. Solange sie ihn seine Arbeit machen lassen stören sie nicht. Irgendwie scheinen sie für ihn auch dazuzugehören. Schließlich hat er auch so angefangen.

 

"Schlimm ist es nur, wenn man durch deren Unachtsamkeit ein entscheidendes Foto nicht bekommt." Er erinnert sich an ein Rennen im letzten Jahr, bei dem einem seiner Kollegen beim Zielsprint der Ellbogen eines Hobbyfotografen in die Quere kam. Nichts war es mit dem Siegerfoto. Da reagieren die Profis dann auch schon mal ganz schön sauer.

 





Walter Godefroot vor Eddy Merckx beim Henninger 1974, damals noch in schwarz-weiß, Foto: Hennes Roth


Übrigens, zu seinem Siegerfoto ist Hans Roth 1980 in Wiesbaden dann doch gekommen. Zum Schluss siegte die Taktik der Fotografen. Mit dem Satz "Dann sollen sie uns den Buckel runterrutschen und hier stehen bleiben", beendete damals ein genervter Polizeibeamter das verbale Duell. Hartnäckigkeit zahlt sich eben aus um an Fotos zu kommen.

 

Vielen Dank an Hennes Roth für das freundliche Interview und die zur Verfügung gestellten Fotos!

 

 

Beitrag von Stephan


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