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Jan Ullrich

Fürchte Dich nicht! .....Ärgere dich!



"Gut aus der Affäre zog sich unterdessen T-Mobile-Star Jan Ullrich. Der Wahl-Schweizer, der die fünftägige Rundfahrt als weiteren Mosaikstein in seiner Vorbereitung auf die Tour de France nutzt, rollt sich immer besser ein. "Jan hat sich bis zum Anstieg am Port del Comte immer im Vorderfeld aufgehalten. Natürlich kann er noch nicht um einen Etappen-Erfolg mitfahren, aber das war auch nicht unser Ziel."

(team-telekom.de)

 

Ob man will oder nicht, als deutscher Radsportfan kommt man auch im März um die Themen „Jan Ullrich“ und „Tour de France“ nicht herum. Allgegenwärtig ist es in sämtlichen Radsportfankreisen, auch in den Medien wird Jan Ullrich nur durch Dopinggeschehen in den Schatten gestellt. Ullrichs erste Saisonrundfahrt, die Vuelta a Murcia, fand sogar in der Tagesschau Beachtung; das erste Kräftemessen mit Lance Armstrong, ein Einzelzeitfahren sogar. Ullrich verlor, erste Schwarzseher gerieten in Panik, sahen die Tour de France in Gefahr.

 

Aber zum Glück gibt es ja die Teamseit im Internet, die sich auch als allgemeine Radsportseite versteht. Der obige Kommentar wurde 20 Tage nach der Vuelta a Murcia veröffentlicht, nach dem vierten Teilstück der Katalonischen Woche. Und wie man sieht gibt es überhaupt keinen Grund zur Beunruhigung. Jan Ullrich liegt voll im Plan; hat sich gut aus der Affäre gezogen! Im „Mosaikstein zur Tour de France Vorbereitung“ konnte er sich an einem unbekannten Anstieg vorn halten, für den Etappensieg hat es aber nich nicht ganz gereicht. Schade, dann vielleicht morgen.

Zur Sicherheit schaut man dann doch mal ins Tagesklassement. Eben nachsehen wo er nach dieser so guten Leistung die Etappe beendet hat. Bei der Suche nach dem Namen vergeht die Zeit wie im Flug, aber letztendlich findet sich der deutsche Radsportsuperheld dann doch an:

 

101 Jan Ullrich (Ger) T-Mobile Team   +28:30

 

Verwirrung! Ist das die richtige Etappe? Das richtige Jahr? Wo ist die gute Form? Was ist ein „Vorderfeld“? Dieses Ergebnis steht doch im krassen Gegensatz zu dem, was team-telekom.de veröffentlicht hatte! Oder hat cyclingnews.com sich geirrt?

Nach dem Nachschlagen auf anderen Ergebnisseiten wird deutlich, dass sich cyclingnews.com nicht geirrt hat; es ist Gewissheit. Jan Ullrich ist auf dieser Etappe in der letzten Gruppe angekommen. Nur zwöf Fahrer beendeten das Rennen hinter ihm. Außer ihm in der Gruppe befanden sich nur Sprinter und Neo Profis....und drei Teamkameraden!

 

Nun gerate ich absolut nicht in Panik. Die Tour de France wird Jan Ullrich auch dieses Jahr wieder in absoluter Toppform bestreiten – wenn er sich nicht verletzt oder ernsthaft krank wird. Er wird mich dort wieder begeistern und den Anderen einen packenden Kampf liefern. Vielleicht wird er ihn sogar mal wieder gewinnen...

 

Viel schlimmer ist das hier und jetzt. Ein Tour de France Sieger, der am Boden war, mit dem Teamwechsel eine nie dagewesene Motivation gefunden hat, der dieses Jahr, wie jedes Jahr, alles anders machen will, fährt am absoluten Ende des Feldes umher, während sein Team derweil frohe Botschaften durchs Internet trompeten lässt. Begleitet wird Ullrich auf seinen Wegen nicht nur von der Propagandamaschinerie des Teams, auch drei Fahrer, die ihm ins Grupetto gefolgt sind, um ihm dort den Wind vom Körper zu streicheln, sind immer an seiner Seite. Wieviel Wattebauschwerfer außerhalb des Wettkampfs in Spanien noch an Ullrichs Seite weilen, will ich gar nicht wissen.

Erik Zabel beschwerte sich vor kurzem angeblich, dass statt Sprintanziehern jetzt eben Ullrichs Freunde im Team seien und Zabel es deswegen schwerer habe.

 

Nun sind „Ullrichs Freunde“ sicher keine schlechten Rennfahrer. Aber wenn sie ihre Freundschaft in engen Ketten des Meisters verrichten, sind sie weniger Rennfahrer als Begleitfahrer.

Das Team steck voller Weltstars, aber wirklich gezeigt haben sich bisher nur Zabel und Vinokourov. Steffen Wesemanns Zeit steht ungeduldig vor der Tür. Aber die Zeit der anderen Stars ist auch die Zeit des Meisters. Grob geschätzte fünfzehn Fahrer haben den Saisonhöhepunkt Tour de France. Die Erfahrung der letzten zeigt, dass ein Drittel dieser Fahrer zur Tour dann unglücklicherweise auch noch verletzt oder krank ist und auch den Rest der Saison nicht mehr in Toppform absolvieren wird. Letztes Jahr war dies bei Botero, Savoldelli und Evans der Fall. Von diesen drei Klassefahrern durfte man das ganze Jahr so gut wie nichts sehen; eine dekadente Verschwendung toller Radprofis!

 

Dabei hat gerade Alexandre Vinokourov gezeigt, dass man auch mit einem gefüllten Frühjahr eine glänzende Tour de France aufs Parkett zaubern kann. Warum wird also diese Weltklasseradsportmannschaft künstlich zu einer Weltklassetourdefrancemannschaft gemacht? Ihr Kaiser will laut Rudy Pevenage bei den wallonischen Klassikern zum ersten mal das Zepter richtig kreisen lassen, ich bin gespannt....

 

 

von Kevin Kempf



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